Die belgischen Löhne liegen hinter denen der direkten Nachbarländer zurück. Die Differenz zu den Löhnen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland beträgt aktuell 1,1 %. Unter Berücksichtigung von Lohnsubventionen und allen Senkungen der Arbeitgeberbeiträge erhöht sich diese Differenz auf 4,6 %.
Belgien hat im Vergleich zu Deutschland, den Niederlanden und Frankreich kein Lohnkosten-Handicap mehr
Aufgrund des belgischen Lohnnormgesetzes aus dem Jahr 1996 dürfen die Löhne in Belgien nicht schneller steigen als in unseren Nachbarländern. Dieses Gesetz wurde 2017 sogar verschärft. Aus diesem Grund berechnet der Zentrale Wirtschaftsrat (CRB) regelmäßig, wie die Löhne in Belgien im Vergleich zu denen unserer Nachbarländer ausfallen. Nur wenn sie hinter den Nachbarländern zurückbleiben, dürfen die Löhne über den Index steigen.
Nachdem die Lohnnorm in den letzten fünf Jahren bei null lag - was bedeutete, dass keine Lohnerhöhungen möglich waren - prognostiziert der CRB vorläufig eine Marge von 1,1 % für 2027/28. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird es bei den Tarifverhandlungen im nächsten Jahr zumindest begrenzten Spielraum für Lohnerhöhungen, die über dem Index hinausgehen, geben. Gewerkschaften und Arbeitgeber streiten jetzt schon darüber, ob und in welcher Form Lohnerhöhungen möglich sind.
Der Lohnanteil ist auf ein historisches Tief gesunken
Der Zentrale Wirtschaftsrat stellt fest, dass der Lohnanteil an der Wertschöpfung auf ein historisches Tief gesunken ist: „Die Beobachtung stagnierender Löhne und eines sinkenden Lohnanteils bei gleichzeitig steigenden Unternehmensgewinnen bestätigt unsere jahrelange Kritik: Die Arbeitnehmer sind nicht ausreichend am Gewinn beteiligt.“ Die Gewerkschaften fordern die Abschaffung der Lohnnorm und gehen davon aus, dass das Gesetz in Belgien zu streng ausgelegt wird. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) urteilte bereits 2022, dass dieses Gesetz gegen den grundlegenden internationalen Arbeitsstandard der Kollektivverhandlungsfreiheit verstößt.
Die belgische Arbeitgeberverband VBO mahnt zur Vorsicht: „Die Schätzungen basieren auf vorläufige Daten und Prognosen, die in den nächsten zwölf Monaten noch bestätigt werden müssen.“ Der Mittelstandsverband für Brüssel und Flandern Unizo erklärte: „Belgien kämpft weiterhin mit hohen Lohnkosten, aber eine Senkung wirkt sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer KMU im Vergleich zu den Nachbarländern aus. Hoffentlich schafft dies Raum für neue Investitionen und Neueinstellungen.“
