Zum Hauptinhalt springen

Der Weinbau in Westflandern boomt, doch der Erfolg hat mit Umweltbelastungen auch seine Kehrseite

Der Weinbau in Westflandern hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Zahlen, die der flämische Parlamentsabgeordnete Jasper Pillen (Anders) von Landwirtschaftsminister Jo Brouns (CD&V) erhielt, zeigen, dass sich die meisten Winzer in dieser Provinz angesiedelt haben. Auch die Rebfläche hat sich deutlich vergrößert. Diese Erfolgsgeschichte hat allerdings negative Folgen für die Umwelt, denn die Winzer setzen recht intensiv Pestizide ein.

Evelien Vanwalleghem Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die ersten Rebstöcke in Westflandern wurden 1996 in den Hügeln der westflämischen Region Heuvelland gepflanzt. Knapp 30 Jahre später sind in dieser flämischen Provinz bereits 63 Winzer aktiv - verglichen mit 27 im Jahr 2020. Im vergangenen Jahr bewirtschafteten die westflämischen Winzer gemeinsam 155 Hektar Rebfläche. Das ist dreimal so groß wie 2020. Die Reben wachsen im Heuvelland und an den Hängen von Zonnebeke und Tielt.

„Im Vergleich zu 1996 hat sich das Klima enorm verändert“, erklärt Sommelier José Lemahieu aus Ypern den Erfolg des westflämischen Weinbaus: „Nehmen wir die Riesling-Traube als Beispiel: 1996 konnte sie am Monteberg im Heuvelland nicht reifen. Heute reift Riesling dort prächtig.“

Mehr flämischer Wein dank wärmerer Temperaturen

„Für den Weinanbau ist eine durchschnittliche Jahrestemperatur von über 10 und unter 20°C erforderlich. Vor Jahren lag die durchschnittliche Jahrestemperatur in Flandern bei knapp über 10°C. Und im Dezember, laut den neuesten Zahlen des Königlichen Meteorologischen Instituts (KMI), betrug sie bereits 12°C. Das ist ein bemerkenswerter Anstieg“, so der Sommelier.

Lemahieu sieht einen weiteren Grund für den Erfolg des westflämischen Weinbaus: „Früher strömten flämische Investoren in die Region Bordeaux, um in Weinberge zu investieren. Heute investieren flämische Unternehmer und wohlhabende Familien hier in Weinberge. Das ermöglicht Skaleneffekte. Und Professionalisierung. Immer mehr Prozesse werden automatisiert.“

Erhebliche Umweltbelastung durch den intensiven Einsatz von Pestiziden

Dieser Erfolg hat jedoch auch eine Schattenseite. Im Weinbau, genau wie im Kartoffelanbau, werden viele Pestizide eingesetzt, um Schimmelbildung an den Pflanzen zu verhindern. Beim Abbau der Pestizide entstehen Triazole. Ein Triazol ist eine hochresistente chemische Verbindung. Ihre Auswirkungen auf die Gesundheit sind noch nicht vollständig erforscht, aber in hohen Dosen und bei längerer Exposition können sie hormonell wirksam oder sogar krebserregend sein.

Diese Triazole gelangen über das Regenwasser von den Feldern in die Wasserläufe bzw. ins Grundwasser. Und die Bäche in der südlichen Region Westhoek dienen wiederum als Zuflüsse für die Trinkwasseraufbereitungsanlagen von Ypern und Diksmuide. Es ist derzeit leider nahezu unmöglich, schädliche Triazole aus dem Trinkwasser zu filtern. Sind die Konzentrationen im Oberflächenwasser zu hoch, kann es nicht zur Gewinnung von qualitativ hochwertigem Trinkwasser genutzt werden.

„Der Effekt des Weinbaus auf die Trinkwasserqualität ist nicht bewiesen“

Werden diese Pestizide jedoch sachgemäß angewendet, sieht Pieter Spanoghe, Professor für Pflanzenschutz an der Universität Gent (UGent), kaum Probleme: „Ein Landwirt wendet die Pestizide gemäß der Gebrauchsanweisung an, was bedeutet, dass sie für uns Verbraucher unbedenklich sind. Gleichzeitig garantieren die Regierung und die Aufsichtsbehörden die Umweltverträglichkeit. Bei korrekter Anwendung sollte sich der Pestizideinsatz also auf die jeweilige Parzelle beschränken.“

Und obwohl der Weinbau wächst – mit über 150 Hektar Rebfläche in Westflandern – macht er immer noch nur einen winzigen Bruchteil der Landwirtschaft aus: „Insbesondere im Vergleich zum Gemüse- und Kartoffelanbau in Westflandern ist der Druck durch den Weinbau im Gesamtbild sehr gering. Ob der Weinbau Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität hat, ist nicht bewiesen“, so Professor Spanoghe weiter. 

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5