Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Belgien 29 Unfälle an Bahnübergängen. Das ist einer weniger als 2024, wie Zahlen des belgischen Bahninfrastrukturbetreibers Infrabel zeigen. Die Zahl der Todesopfer blieb unverändert: 2025 kamen fünf Menschen an Bahnübergängen ums Leben, genau wie im Vorjahr.
29 Unfälle und 5 Tote an Bahnübergängen im Jahr 2025 - Der Abwärtstrend setzt sich fort
Hinweis: Infrabel definiert einen Unfall an einem Bahnübergang als Kollision zwischen einem Zug und einem Fahrzeug oder einem sogenannten „schwachen Verkehrsteilnehmer“ (eine Person, die nicht als Führer eines Kraftfahrzeugs oder eines Schienenfahrzeugs am Straßenverkehr teilnimmt) an einem Bahnübergang.
Mit 29 Unfällen verzeichnete das Jahr 2025 die niedrigste jemals gemessene Anzahl an Vorfällen, abgesehen vom COVID-19-Jahr 2020. Damals gab es sogar noch weniger Unfälle, allerdings war aufgrund der Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns auch das Verkehrsaufkommen geringer. Im Zeitraum von 2008 bis 2021 ereigneten sich durchschnittlich 45 bis 50 Unfälle pro Jahr an Bahnübergängen, doch seit 2022 verzeichnet Infrabel einen Rückgang: „Dieser Rückgang scheint ein positives Ergebnis der ergriffenen Maßnahmen zu sein: Erneuerung und Sanierung von Bahnübergängen, Polizeikontrollen, Aufklärungskampagnen, die Notrufnummer 1711 und Kameras mit Hinderniserkennung“, heißt es dazu bei Infrabel.
Die Verkehrsleitzentrale erhält einen Alarm, wenn ein Fahrzeug oder ein Fußgänger zu lange an einem Bahnübergang steht.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen und die Zahl der Todesopfer weitgehend konstant geblieben. 2023 und 2024 wurden sechs bzw. fünf Todesopfer registriert, im vergangenen Jahr starben ebenfalls fünf Menschen bei Unfällen an Bahnübergängen. Zudem wurden 2025 zwei Personen bei Unfällen schwer verletzt, verglichen mit acht im Jahr 2024 und fünf im Jahr 2023.
Sehen Sie hier ein Video von Infrabel - Aufzeichnungen von Kameras an Bahnübergängen auf dem Netz der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB.
Fahrlässigkeit
Infrabel hat festgestellt, dass viele Unfälle durch Fahrlässigkeit verursacht werden: ein Fahrer, der aufgrund eines Staus an einem Bahnübergang anhält oder der aufgrund eines falschen Fahrmanövers oder zu frühen Abbiegens im Gleis neben dem Übergang stecken bleibt. „Mehr als 30 % dieser Unfälle werden durch Fahrlässigkeit verursacht“, so Infrabel-Sprecher Frédéric Petit: „In solchen Fällen müssen Sie Ihr Fahrzeug sofort verlassen und sich in Sicherheit bringen. Rufen Sie anschließend unbedingt die Notrufnummer 1711 an, damit der Zugverkehr gegebenenfalls umgehend gestoppt werden kann.“
Im vergangenen Jahr hätten so 20 Unfälle verhindert werden können. 55 % der Unfälle werden dadurch verursacht, dass Verkehrsteilnehmer den Bahnübergang bei Rotlicht und/oder geschlossenen Schranken überqueren.
Bußgelder von bis zu 4.000 €
Verstöße an Bahnübergängen können mit Geldstrafen zwischen 320 € und 4.000 €, dem Entzug der Fahrerlaubnis und einem Fahrverbot von 8 Tagen bis zu 5 Jahren geahndet werden. Zuwiderhandelnde müssen außerdem den entstandenen Schaden und die durch die Verzögerung verursachten Minuten für den Zugverkehr ersetzen.
Infrabel weist zudem auf erhebliche regionale Unterschiede hin. Neun von zehn Unfällen ereigneten sich an flämischen Bahnübergängen: neun in Ostflandern, sechs in Antwerpen (vier davon im Hafen), fünf in Westflandern, vier in Flämisch-Brabant und zwei in Limburg. Alle fünf tödlichen Unfälle ereigneten sich im belgischen Bundesland Flandern. Die übrigen drei Unfälle ereigneten sich in Wallonien. Im vergangenen Jahr gab es in Brüssel keine Unfälle an Bahnübergängen. Drei Viertel aller 1.601 Bahnübergänge in Belgien befinden sich in Flandern.
Signaltechnik
Aktuell sind 96 % der öffentlichen Bahnübergänge in Belgien mit aktiver Signaltechnik (Ampeln, Glocken und/oder Schranken) ausgestattet. Die übrigen Übergänge verfügen über Verkehrszeichen, befinden sich aber überwiegend auf weniger stark befahrenen Bahnstrecken. Im vergangenen Jahr investierte Infrabel fast 52 Mio. € in sicherere Bahnübergänge.
In den kommenden Jahren werden weitere Investitionen in zusätzliche Signaltechnik, Beleuchtung und Kameras mit Hinderniserkennung getätigt. Darüber hinaus reduziert Infrabel schrittweise die Anzahl der Bahnübergänge. Diese werden dann beispielsweise durch Brücken oder Tunnel ersetzt.
Hinweis: Gefährliche Situationen im Bahnverkehr können unter der Rufnummer 1711 gemeldet werden. Die Nummer ist gut sichtbar auf Aufklebern an den Ampeln bzw. den Andreaskreuzen der Bahnübergänge angebracht.
1 Stunde und 51 Minuten Verspätung pro Tag
Infrabel erfasste auch die Anzahl der Verspätungen im Bahnverkehr. Die Studie berücksichtigte neben Kollisionen zwischen Zügen und Fahrzeugen oder Personen auch umgestürzte Schranken oder Oberleitungen sowie Verkehrsunfälle in der Nähe von Bahnstrecken. Insgesamt wurden 403 Vorfälle registriert, die zu 40.628 Minuten Verspätung führten, was einem Durchschnitt von 1 Stunde und 51 Minuten pro Tag entspricht.

