Laut der flämischen Tageszeitung Het Nieuwsblad startet in Belgien an fünf großen Bahnhöfen bald ein Pilotprojekt mit Zugangsschranken. Teile dieser Bahnhöfe werden dann nur noch mit einem gültigen Fahrschein zugänglich sein. Welche Bahnhöfe davon betroffen sein werden, ist noch unklar. Die Belgische Staatsbahn (NMBS/SNCB) hatte letztes Jahr erklärt, Zugangsschranken seien zu teuer. Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés) schloss im Parlament aber nicht aus, andere Optionen zu prüfen. Dies ist jetzt der Fall.
Sicherheit: Kommen bald Zugangsschranken an Bahnhöfen oder vor Bahnsteigen in Belgien?
Pendler und andere Reisende in Belgien sollten sich an Zugangsschranken in den Bahnsteigen gewöhnen. Neben den Metrostationen in Antwerpen und Brüssel (Foto oben) werden bald auch fünf große Bahnhöfe mit Zugangsschranken ausgestattet, damit nur Fahrkarteninhabern einen Zugang erhalten. Die Frage, ob Zugangsschranken an Bahnhöfen installiert werden sollten - sodass große Teile der Bahnhöfe nur noch mit Fahrschein zugänglich sind - ist bei der NMBS seit Langem ein heiß diskutiertes Thema.
Im vergangenen Sommer erklärte Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke von der frankophonen Zentrumspartei Les Engagès im belgischen Bundesparlament, die Bahn habe dies untersucht, „ist aber zu einem negativen Ergebnis hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit gekommen“. Dies sei ein sehr teures Unterfangen und hätte viele negative Folgen. Beispielsweise werden Bahnhöfe häufig von Pendlern als Umsteigeverbindung zwischen den verschiedenen ÖPNV-Möglichkeiten (Busse und Bahnen) genutzt. Fahrgäste ohne Bahnfahrkarte müssten dann einen Umweg in Kauf nehmen.
Doch jetzt rudert Verkehrsminister Crucke zurück. Im parlamentarischen Mobilitätsausschuss kündigte er ein Pilotprojekt für „Zutrittskontrollsysteme in Bahnhöfen“ an. In diesem Zusammenhang sollen in fünf großen Bahnhöfen des Landes Zugangsschranken installiert werden. Laut dem Minister sollen die Schranken die Sicherheit auf den Bahnsteigen erhöhen: „Unsere Bürger erwarten zu Recht mehr Sicherheit in und um die Bahnhöfe.“
Hohe Kosten
Welche Bahnhöfe mit Zugangsschranken ausgerüstet werden sollen, bleibt abzuwarten. Brüssel Süd/Midi - ein Bahnhof, der aufgrund zahlreicher Sicherheitsvorfälle regelmäßig in die Schlagzeilen gerät - wird mit ziemlicher Sicherheit einer davon sein. Crucke hofft außerdem, dass die Schranken die hohe Zahl an Schwarzfahrern reduzieren werden. Die NMBS befürwortet mittlerweile ebenfalls Zugangssperren: „Schließlich hat sich die Welt seit unserer letzten Studie weiterentwickelt.“
Crucke ist übrigens nicht der einzige Politiker, der sich für Zugangssperren einsetzt, um den öffentlichen Nahverkehr sicherer zu machen und um Schwarzfahrer abzuschrecken. Die flämische Mobilitätsministerin Annick De Ridder (N-VA) lässt laut Het Nieuwsblad die 12 Antwerpener Pre-Metro-Stationen mit solchen Sperren ausstatten. Dies ist allerdings mit hohen Kosten verbunden. De Ridder selbst beziffert die Investitionskosten mit rund 15 Mio. €. Grund für die Sperren sind unter anderem Belästigungen durch Obdachlose und Drogenabhängige in einigen Antwerpener U-Bahn-Stationen.
Umstritten
Nach Ansicht des belgischen Fahrgastverbandes TreinTramBus (ZugTramBus) sind Fahrkartensperren im öffentlichen Nahverkehr, genauer in Bahnhöfen, eher eine sehr schlechte Idee. „Aufgrund von Geldmangel und Budgetkürzungen waren wir gezwungen, den öffentlichen Nahverkehr deutlich einzuschränken“, sagte der TTB-Vorsitzende Peter Meukens gegenüber Het Nieuwsblad: „Steht denn viel Geld für diese Schranken zur Verfügung?“
„Hinzu kommt, dass Bahnhöfe immer mehr zu Einkaufszentren werden, die auch viele Nicht-Reisende anziehen. Das muss man berücksichtigen. Genauso wie die Tatsache, dass manche Bahnhöfe zahlreiche Ein- und Ausgänge haben, was – wie bei der Pre-Metro in Antwerpen - eine sehr erhebliche Investition darstellt. Es gibt heutzutage sicherlich noch andere Bedürfnisse für Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr.“
Die Gewerkschaften im belgischen ÖPNV befürchten zudem, dass diese Schranken wenig praktischen Nutzen haben und eher ein politischer Schachzug sind. „Da viele Bahnhöfe Geschäfte aufweisen oder als wichtige Fußwege dienen, bleibt uns keine andere Wahl, als die Schranken nur in unmittelbarer Nähe der Bahnsteige zu installieren“, sagt Jo Van der Herten von der christlichen Gewerkschaft ACV Transcom: „Aber das ist viel weniger wirksam gegen Belästigungen durch Obdachlose oder Drogensüchtige, die sich oft an den Bahnhofseingängen versammeln.“
