Das AfricaMuseum in Tervuren (Flämisch-Brabant) weigert sich, geologisches Archivmaterial aus dem Kongo an ein US-amerikanisches Bergbauunternehmen herauszugeben, das die Daten zur Kartierung wertvoller Rohstoffe nutzen möchte. „Wir wollen die Archive selbst digitalisieren und sie nicht einem privaten Unternehmen überlassen“, so das Museum. Die Trump-Administration in den USA erhöht unterdessen den Druck auf das Museum über diplomatische Kanäle.
Das AfricaMuseum weigert sich, das geologische Archiv des Kongo an ein US-Bergbauunternehmen zu übertragen
Laut der britischen Zeitung Financial Times unterzeichnete die kongolesische Regierung im vergangenen Jahr ein Abkommen mit dem US-amerikanischen Unternehmen Kobold Metals zur Digitalisierung alter Archivmaterialien über die kongolesischen Bodenschätze. Das Bergbauunternehmen, das sich teilweise im Besitz von Amazon-Gründer Jeff Bezos und Tech-Milliardär Bill Gates befindet, möchte diese Daten mithilfe von KI analysieren, um neue, geeignete Abbaugebiete zu identifizieren. Der kongolesische Boden ist reich an seltenen Erden wie Kobalt, Kupfer und Coltan.
Das betreffende Archiv befindet sich teilweise im AfricaMuseum in Tervuren, das sich weigert, das Material an das Unternehmen zu übergeben. „Wir wollen die Digitalisierung selbst und nach wissenschaftlichen Prinzipien durchführen und sie nicht einem privaten Unternehmen überlassen“, erklärte Museumsdirektor Bart Ouvry: „Es handelt sich um öffentliche Archive, nicht um Firmenarchive, die man einfach so übergeben kann. Das Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Union und in Zusammenarbeit mit den geologischen Diensten im Kongo durchgeführt, die als wissenschaftliche Partner eng eingebunden sind.“
Was steht in diesen Archiven?
„Sie enthalten Dokumente belgischer Bergbauunternehmen, die Ende der 1960er-Jahre ihren Betrieb einstellten“, erklärt Ouvry. „Diese Archive enthalten Informationen über den Kongo, aber auch über Ruanda, Burundi und andere afrikanische Länder.“ Die drei hier genannten Länder sind ehemalige belgische Kolonien. Da es sich um ein öffentliches bzw. staatliches Archiv handelt, ist das Material bereits öffentlich zugänglich. Dies gilt auch für private Unternehmen, sofern sie von der kongolesischen Regierung die Genehmigung für einen Einblick in einen bestimmten Teil des Archivs erhalten.
Die Trump-Administration übt Druck aus
Nach einer Meldung der flämischen Tageszeitung De Standaard übt die Trump-Administration politischen Druck auf das AfricaMuseum aus, das Archiv zur Digitalisierung an Kobold Metals zu übergeben. Der amerikanische Präsident hat schon lange ein Auge auf die Bodenschätze des Kongo geworfen. „Es gab vor einigen Monaten technische Kontakte mit der kongolesischen Regierung“, bestätigt ein Sprecher des belgischen Außenministers Maxime Prévot (Les Engagés, frankophone Zentrumspartei): „Auch die amerikanische Botschaft hatte diesbezüglich ein Treffen mit unserer Afrika-Abteilung. Dieses fand hauptsächlich auf diplomatischer und technischer Ebene statt, nicht auf Ministerebene.“
Prévots Büro unterstützt die Haltung des AfricaMuseums in dieser Frage. „Ein Digitalisierungsprozess zwischen dem Museum und der kongolesischen Regierung ist bereits im Gange, und es ist nicht beabsichtigt, einem privaten Unternehmen einfach privilegierten oder exklusiven Zugang zu gewähren“, heißt es aus dem Kabinett des Ministers.
