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Eine Bodensenke in Molenbeek legt den desolaten Zustand des Brüsseler Abwassersystems offen

Eine große Bodensenke, die am vergangenen Sonntag in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek auftrat, offenbart den desolaten Zustand des Brüsseler Abwassersystems. Rund 220 der 1.900 Kilometer Abwasserrohre sind in einem sehr schlechten Zustand. Fraglich ist, ob sich dies schnell beheben lässt, da das regionale Wasserversorgungsunternehmen Vivaqua - wie auch die Region Brüssel-Hauptstadt, die noch immer ohne Regierung ist - mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Vivaqua beantragt jährlich 30 Mio. € von der Brüsseler Regierung, um das veraltete Abwassersystem zu modernisieren, wie die regionale Nachrichtenplattform BRUZZ schreibt.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Vivaqua beantragt einen jährlichen Zuschuss von 30 Mio. € von der Region Brüssel-Hauptstadt für die Sanierung des Abwassersystems. Rund 220 Kilometer unterirdisches Abwasserrohr in Brüssel sind dringend sanierungsbedürftig. Mit diesem Zuschuss würde die Sanierung aller Rohre 15 Jahre dauern, berichtet BRUZZ. Dies betrifft mehr als 11 % des gesamten Brüsseler Abwassernetzes mit einer Länge von rund 1.900 Kilometern.

Veraltete Abwasserrohre sind nicht ungefährlich, da sie zu Lecks und Erdfällen führen können. Vivaquas Direktorin Laurence Bovy warnte bereits davor. Es ist seit Jahren bekannt, dass das Brüsseler Abwassernetz Probleme hat und dringend saniert werden muss. Daher fordert Vivaqua von der nächsten Brüsseler Regierung einen jährlichen Zuschuss von 30 Millionen Euro von der Region Brüssel.

„Es ist wie im öffentlichen Nahverkehr, wo die Fahrpreise nicht die gesamten Kosten decken“, erklärt Vivaqua-Sprecherin Saar Vanderplaetsen gegenüber BRUZZ: „In den letzten Jahren haben wir detailliert erfasst, welche Teile des Abwassernetzes am schlechtesten abschneiden und welche Stellen im Falle von Erdfällen, beispielsweise unter stark befahrenen Straßen, die größten Beeinträchtigungen verursachen könnten.“

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220 Kilometer Abwasserleitungen sind marode

Darauf basierend hat Vivaqua einen Priorisierungsplan erstellt. Laut diesem Plan müssen rund 220 Kilometer Abwasserrohre dringend ersetzt oder repariert werden. Ein Großteil dieser Anlagen ist veraltet und wurde über die Jahre kaum instand gehalten. „Auf Grundlage dieser Analyse haben wir einen Aktionsplan entwickelt, der unsere betrieblichen Kapazitäten, die Bearbeitungszeiten für Genehmigungen, die notwendige Finanzierung und die Auswirkungen auf die Stadt berücksichtigt.“

Konkret plant Vivaqua, jährlich 15 Kilometer Abwasserkanalnetz zu erneuern, was Kosten von etwa 60 bis 70 Mio. € pro Jahr verursacht. Bei diesem Tempo würde die Sanierung des gesamten, 220 Kilometer langen und sanierungsbedürftigen Abwasserkanalnetzes etwa 15 Jahre dauern: „Das ist eine realistische Schätzung. Abwasserarbeiten haben oft erhebliche Auswirkungen. Häufig muss die gesamte Straße aufgerissen werden, und wir müssen uns auch mit den Betreibern anderer unterirdischer Leitungen abstimmen.“

Zusätzliche Finanzierung gefordert

Vivaqua beantragt jedoch zusätzliche Mittel für dieses Vorhaben. „Vivaqua hat in den letzten zehn Jahren bereits 180 Kilometer Rohrleitungen erneuert, und wir setzen dieses Sanierungsprogramm fort. Es ist jedoch sehr kostspielig. Von Anfang an waren wir auf Kredite angewiesen, um die Sanierungen zu finanzieren. Die Wassergebühren sind unsere einzige Einnahmequelle. Und diese reichten nie für ein umfassendes Abwasserkanal-Sanierungsprogramm aus“, so Vanderplaetsen weiter gegenüber der Redaktion von BRUZZ. Inzwischen sind die Schulden des interkommunalen Unternehmens auf über eine Milliarde Euro angewachsen: „Das ist nicht ungewöhnlich für ein Unternehmen, das ähnliche Arbeiten durchführt.“

„Doch in den letzten Jahren haben die Kreditgeber festgestellt, dass unsere Schulden im Verhältnis zu unserem Gesamtumsatz sehr hoch geworden sind. Sie sind besorgt über unsere Fähigkeit, unseren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Deshalb beantragen wir einen Zuschuss bei der Brüsseler Regierung. Die Instandhaltung des Abwassersystems ist eine öffentliche Dienstleistung, wie der öffentliche Nahverkehr oder die öffentliche Müllabfuhr. Und die regionale ÖPNV-Gesellschaft STIB/MIVB sowie die regionale Abfallgesellschaft Net Brussel erhalten ebenfalls einen Zuschuss von der Region Brüssel-Hauptstadt“, argumentiert Vanderplaetsen.

„Wir stellen diese Frage bereits seit 2023.“ Damals beantragte Vivaqua auch einen Zuschuss von 50 Mio. €. Heute geht das Unternehmen davon aus, dass 30 Mio. € ausreichen werden. Vanderplaetsen warnt allerdings davor, dass Vivaqua, sollte es keine zusätzlichen Mittel von der Region erhalten, erneut auf den privaten Kreditmarkt zurückgreifen muss: „Wenn wir dort nicht genügend Mittel auftreiben können, wird sich das auf das geplante Sanierungsprogramm auswirken.“

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