Zum Hauptinhalt springen

Rechnungshof: „Schwächste Stellen der belgischen Küste unzureichend vor Überschwemmungen geschützt“

Die Schwachstellen der belgischen Küste sind unzureichend vor schweren Überschwemmungen geschützt. Zu diesem Schluss kommt der belgische Rechnungshof in einem neuen Bericht, wie die flämische Zeitung Het Nieuwsblad vor wenigen Tagen berichtete. „Es ist ungewiss, ob ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um die notwendigen Küstenschutzmaßnahmen rechtzeitig umzusetzen“, so der Rechnungshof. Der Hof untersuchte in einem entsprechenden Audit, wie das belgische Bundesland Flandern mit dem zunehmenden Risiko von Überschwemmungen bzw. Überflutungen durch die Nordsee umgeht.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Aufgrund des steigenden Meeresspiegels und heftigerer Sturmfluten zählt Flandern zu den am stärksten gefährdeten Küstenregionen Europas. Die flämische Landesregierung ist für die Planung, den Bau und die Instandhaltung der Küstenschutzanlagen verantwortlich, die aus Deichen, Stränden, Dünen, Sturmflutmauern, Schleusen und weiterer Infrastruktur bestehen.

Seit 2011 existiert auf flämischer Ebene ein „Masterplan für Küstensicherheit“, der die Küste bis 2050 vor schweren Stürmen und einem durch den Klimawandel bedingten Meeresspiegelanstieg von bis zu 30 Zentimetern schützen soll. Dies kann beispielsweise durch die Erhöhung und Verbreiterung von Stränden oder den Bau zusätzlicher Deiche erreicht werden.

Masterplan für Küstensicherheit

Der „Masterplan für Küstensicherheit“ sollte ursprünglich bis 2015 vollständig umgesetzt sein, doch die Arbeiten dauern laut Het Nieusblad und dem Rechnungshof noch an. Dem Rechnungshof zufolge werden vier der fünfzehn Maßnahmen noch umgesetzt. 321 Mio. € wurden bereits ausgegeben, doch es fehlen noch mindestens 144 Mio. € für die weitere Umsetzung. Ob diese Mittel in den kommenden Jahren zur Verfügung stehen, ist ungewiss, so der Rechnungshof. Zudem wurde den wichtigsten Projekten nicht genügend Priorität eingeräumt, was zu einem „unzureichenden Schutz der schwächsten Stellen der Küstenlinie“ führe.

Neues Konzept

2024 wurde dem bestehenden Flächennutzungsplan ein Entwurf für einen „Strategischen Küstenplan“ hinzugefügt. Dieser soll die Küste in den nächsten 100 Jahren vor einem Meeresspiegelanstieg von bis zu 3 Metern schützen. Geplant ist unter anderem, die Küstenlinie durchschnittlich 100 Meter nach außen zu verlagern, allerdings erst „lang- bis sehr langfristig“.

Doch auch dieses Projekt scheitert, so das Fazit des Rechnungshofs: Die flämische Regierung hat den Entwurf noch immer nicht genehmigt. Die vollständige Umsetzung könnte zwischen 2 und 5 Mia. € kosten. Bislang wurden 21 Mio. € ausgegeben - hauptsächlich für Studien und Berater. Der Rechnungshof bemängelt zudem das Fehlen einer übergeordneten, dauerhaft verankerten Steuerungsstruktur. Erkenntnisse aus internationalen Kooperationen würden zu selten integriert, so der Rechnungshof.

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5