Es kommt selten vor, dass ein junger Künstler sofort universelle Anerkennung erfährt, sowohl von seinen Altersgenossen als auch von der Generation vor ihm. Daan Gielis (1988–2023) lebte ein kurzes, aber intensives Leben und hinterließ ein einzigartiges Werk. Fast zwei Jahre nach seinem Tod widmet sich die Keteleer Gallery in Antwerpen Gielis' Arbeiten. Die Ausstellung „U'll be fine“ präsentiert seine einzigartige Neon-Kollektion.
Die Neonlicht-Kunstwerke des viel zu früh verstorbenen Daan Gielis sind in Antwerpen zu entdecken
Daan Gielis war noch ein Junge, als bei ihm die Autoimmunerkrankung Juvenile Sklerodermie diagnostiziert wurde. 2014 unterzog er sich seiner ersten Operation am offenen Herzen. Er hatte sich ein Dschungelparadies auf die Brust tätowieren lassen. Im Wissen, dass die Ärzte dieses Paradies erst zerstören und dann wiederherstellen mussten, hatte diese Handlung etwas von einer künstlerischen Performance. Gielis glaubte wohl nicht wirklich an dieses Paradies. Sein Dschungel ist der, in dem die Comicfigur Tim in die Enge getrieben wird, wie im Album „Tim und die Picaros“. Gielis schuf einst eine Figur seines Helden. Darin steht Tim knietief im Schlamm.
Gielis war auch von Pieter Bruegels „Der Menschenfeind“ fasziniert. In diesem Gemälde von 1568 sieht man einen alten Mann, der so verwirrt von der Verlogenheit der Welt ist, dass er nicht bemerkt, wie ein kleiner Schurke ihm die Brieftasche stiehlt und beinahe auf ein Paar Krähenfüße tritt. Dieser rundliche Kerl wurde bei Gieis zu einer Skulptur und der Krähenfuß zu einer Leuchtreklame, als wolle uns der Künstler, wie Bruegel, vor zu viel Illusion warnen. Er, dessen Zeit begrenzt war, wusste das wohl besser als jeder andere.
Ein weinendes Smiley
Daan Gielis begann Skulpturen zu schaffen - z.B. einen rauchenden und Beats ausstrahlenden BMW - und entdeckte Neon als optisches Werkzeug (oder als Medium?) für Kunstwerke. Wir verbinden dieses Medium oft mit grellen und bedeutungslosen Werbebotschaften, doch Daan verwandelte es in leuchtende Poesie. Ein Werk, das wohl für immer mit ihm verbinden wwird, trägt den Titel „Happy Sad“. Das Smiley, das wir täglich in Nachrichten an unsere Instagram- und Facebook-Freunde verwenden, nahm in seinem Werk eine traurige Gestalt an. Sein „Happy Sad“ wurde so populär, dass Fans es sich auf Armen oder Beinen tätowieren ließen.
Dieses Werk eröffnet die Ausstellung in der Antwerpener Galerie Keteleer und gibt den Ton an. Neben Tim tauchen auch weitere Comicfiguren in seinem Werk auf. Marie aus „Aristocats“ und Dumbo lächeln uns an, trotz des neckischen Butlers bzw. der übergroßen Ohren des lustigen Elefanten. Die Neonlichter tauchen die Galerie insgesamt in einen Farbnebel, als betrete man einen heiligen Ort.
Schönheit im Verfall
Im letzten Raum der Galerie Keteleer hängen Neonröhren in Form von Blüten, deren Köpfe nach unten geneigt sind. Gielis’ Mutter war Floristin. Sie lieferten Sträuße mit einem Lieferwagen an Restaurants und für Veranstaltungen. Nach einer Woche mussten sie wieder abgeholt werden. Der Geruch verwelkender Blumen hat Daan immer begleitet. Im Plantin-Moretus Museum, dem Druckereimuseum in Antwerpen, wurde er von einem Holzblock mit einem ähnlichen Blumenstrauß inspiriert.
„Verwelkende Blumen“ ist der Titel der Serie. Wieder dieses Paradoxon: Schönheit im Verfall. Ständig flackernde Neonlichter von Blumen, die nie wieder blühen... Als wollte Gielis die Tragik seiner persönlichen Geschichte für etwas Größeres nutzen, das uns allen zugutekommt. "Nur große Künstler können das", schrieb Chantal Pattyn, die Chefredakteurin des VRT Klassik- und Kultursenders KLARA in ihrer Rezension der Ausstellung.
„U’ll be fine“, die erste Einzelausstellung von Daan Gielis, ist noch bis zum 28. Februar 2026 zu sehen. Keteleer Gallery, Pourbusstraat 5, 2000 Antwerpen. Info: https://keteleer.com/
