Das Kulturzentrum Vooruit in Gent hat einen offiziellen Antrag auf Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe eingereicht. Das Gebäude wird diese Woche nach einer Renovierung von mehr als 10 Millionen Euro wiedereröffnet. „Das ikonische Volkshaus ist Teil der Geschichte Flanderns“, sagt der zuständige Minister Ben Weyts (N-VA, flämische Nationaldemokraten).
Nach Renovierung von 10 Millionen: Kulturzentrum Vooruit in Gent will als Weltkulturerbe anerkannt werden
„Das Gebäude aus dem Jahr 1913 ist eine Hommage an die Arbeiterbewegung“, sagt Franky Devos vom Kunstzentrum VIERNULVIER. Das ist der derzeitige Betreiber von Vooruit. „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden weltweit Initiativen, in denen sich Arbeiter zusammenschlossen. Es entstanden Genossenschaften, zum Beispiel um eine große Bäckerei zu betreiben, aber auch Kunst und Kultur zu erleben war sehr wichtig.“
Das geschah unter anderem auch in Dänemark und Australien. Flandern reicht den UNESCO-Antrag deshalb gemeinsam mit drei Volkshäusern aus diesen Ländern ein. „Bislang stehen vor allem Gebäude auf der Welterbeliste, die auf kirchliche, bürgerliche oder königliche Macht hinweisen. Auch die Arbeiterklasse war in der Lage, fantastische Gebäude zu errichten“, so Devos weiter.
„Das ikonische Volkshaus ist Teil der Geschichte und des Kanons Flanderns. Es spielte eine wichtige Rolle bei der Emanzipation der flämischen Arbeiter“, bekräftigt auch Minister Ben Weyts. „Ein UNESCO-Titel sorgt für Schutz und wird Touristen anziehen. Damit ist er auch wirtschaftlich interessant.“ Nun folgt ein UNESCO-Besuch, im Sommer 2027 fällt eine Entscheidung.
Wiedereröffnung nach Mammutrenovierung
„Es ist wirklich Zufall, aber es hätte nicht besser passen können“, lacht Devos. Vooruit öffnet nämlich gerade in dieser Woche nach einer Renovierung von fast eineinhalb Jahren wieder. Die Fassade, das Café, das Treppenhaus, der Kuppel- und der Ballsaal sowie Räume für Künstler wurden erneuert. Das Interieur wurde auf Basis der ursprünglichen Pläne des Architekten Ferdinand Dierkens restauriert – von der Tapete bis zu den Kronleuchtern.
VIERNULVIER betont, dass auch über Barrierefreiheit nachgedacht wurde. So wurde unter anderem ein neuer großer Aufzug eingebaut. Außerdem wurden zusätzliche Energiemaßnahmen ergriffen. „Wir wollen – auch nach der Anerkennung – weiterhin problemlos 300.000 Besucher pro Jahr empfangen“, sagt Devos. Das Kunstzentrum ließ auch eine vollständig neue Glaskuppel von Sanderjan Cornelis installieren.
Die Renovierungsphase kostete mehr als 10 Millionen Euro. „Das Gebäude ist jetzt in einem ausgezeichneten Zustand und kann sich sehen lassen“, sagt auch Weyts. Flandern übernahm 44 Prozent der Kosten. VIERNULVIER zahlte 30 Prozent, Gent kam für 26 Prozent des Budgets auf. Die Restaurierung ist noch nicht vollständig abgeschlossen, in zwei Jahren wird der rückwärtige Gebäudeteil noch saniert.
Vooruit wird vom 3. bis 8. Februar wiedereröffnet. Am Sonntag gibt es einen kostenlosen Tag der offenen Tür mit Installationen, Führungen und Vorträgen. Das vollständige Programm steht auf der Website .







