Mehrere Anrainerstaaten verpflichten sich beim Nordseegipfel am Montag in Hamburg, gemeinsam Offshore-Windkapazitäten in der Nordsee zu entwickeln. Zudem wollen sie die Sicherung der Infrastruktur verbessern, da die Gefahr von Sabotage zunimmt. Für Belgien reisen Premierminister De Wever und Nordseeministerin Verlinden nach Hamburg.
Nordseegipfel in Hamburg: Anrainerstaaten wollen sich zum gemeinsamen Bau und Schutz von Offshore-Windparks verpflichten
Die Energieminister von neun Ländern, die sich am Montag zum dritten Nordseegipfel in Hamburg treffen, werden eine Erklärung unterzeichnen, in der sie sich verpflichten, Kooperationsprojekte im Umfang von 100 Gigawatt Offshore-Windkapazität auf den Weg zu bringen. Das geht aus einem Entwurf der Erklärung hervor, den die US-amerikanische Wirtschaftszeitung Bloomberg bereits in der vergangenen Woche einsehen konnte.
Angesichts der zunehmenden Bedrohung der Sicherheit solcher Infrastrukturen wollen die Länder auch sicherheitsrelevante Daten austauschen. Darüber hinaus wollen sie sich gegen Cyber- und physische Bedrohungen wappnen, etwa indem Komponenten von Windturbinen Stresstests unterzogen werden.
Auch die NATO und die Europäische Kommission nehmen an dem Gipfel teil. Obwohl es nicht an die Nordsee grenzt, ist auch Island vertreten. Gastgeber Deutschland lud zudem die Staats- und Regierungschefs sowie die Energieminister aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen ein. Für Belgien werden Premierminister Bart De Wever (N-VA, flämische Nationaldemokraten) und die Ministerin für Justiz und Nordsee, Annelies Verlinden (CD&V, flämische Christdemokraten), anwesend sein. Verlinden vertritt Energieminister Mathieu Bihet (MR, frankophone Liberale), der nicht nach Hamburg fahren kann.
Europa verfolgt den eingeschlagenen Weg weiter
Obwohl sich US-Präsident Donald Trump aus ideologischen Gründen gegen Windparks stellt – zuletzt in der vergangenen Woche erneut in seiner Rede im schweizerischen Davos –, bekräftigt Europa mit der Erklärung sein Engagement für Offshore-Windenergie. Derzeit gibt es weltweit 83 Gigawatt Offshore-Windkapazität, wie aus dem Bericht des Global Wind Energy Council von 2025 hervorgeht. Gleichzeitig wächst seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 der Bedarf an einem besseren Schutz der Infrastruktur.
Beim vergangenen Nordseegipfel, der 2024 in Ostende stattfand, hatten sich neun europäische Länder darauf verständigt, bis 2030 120 Gigawatt Offshore-Windkapazität zu schaffen und bis 2050 mindestens 300 Gigawatt. Nun ist es zusätzlich das Ziel, 100 Gigawatt Offshore-Windkapazität über internationale Projekte zu realisieren.
Mit der Prinzessin-Elisabeth-Zone erhält Belgien ein neues Gebiet in der Nordsee, in dem in den kommenden Jahren Windparks gebaut werden sollen. Das Ausschreibungsverfahren für das erste Los liegt derzeit allerdings auf Eis. Spätestens bis Ende März will die föderale Regierung dieses Verfahren erneut starten.
