Der belgische Zoll hat 2025 im Hafen von Antwerpen rund 55 Tonnen Kokain in Containern aus Südamerika entdeckt. Das teilte der Föderale Öffentliche Dienst Finanzen am Mittwoch mit. Die Menge liegt über den 44 Tonnen, die ein Jahr zuvor sichergestellt wurden, ist jedoch nur ein Bruchteil des Rekordjahres 2023, als mehr als 120 Tonnen gefunden wurden. Besonders auffällig ist laut Zoll ein „spektakulärer Anstieg“ bei den Marihuana-Beschlagnahmungen.
Belgischer Zoll beschlagnahmte im vergangenen Jahr 55 Tonnen Kokain im Hafen von Antwerpen
Die Marihuana-Funde stiegen von knapp fünf Tonnen im Jahr 2024 auf mehr als 20 Tonnen im vergangenen Jahr. Der Großteil des Cannabis stammt aus Kanada, wo der Anbau legalisiert wurde und daher Überschüsse entstehen. Bei der Staatsanwaltschaft sorgt diese Entwicklung für Besorgnis. Da der Markt überschwemmt werde, könnte auch die Gewalt zunehmen, so die Befürchtung.
Die Kokain-Zahlen sind zwar niedriger als früher, das bedeute jedoch nicht, dass der Handel gestoppt sei. Quellen bei der föderalen Polizei weisen seit Längerem darauf hin, dass Kriminelle einfach neue Routen nutzen, etwa über kleinere Häfen. Dennoch scheinen die verschärften Kontrollen in Antwerpen Wirkung zu zeigen.
Diese positive Entwicklung ist unter anderem auf die steigende Zahl mobiler Scanner zurückzuführen, über die der Zoll verfügt. Während 2023 noch lediglich 45.000 Risikocontainer gescannt wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 72.500. Bald sollen es 350.000 kontrollierte Risikocontainer sein.
Antwerpen bleibt weltweit das wichtigste Ziel für Kokain
Belgiens Finanzminister Jambon
„Das Vorgehen des Zolls wirkt“, erklärte Finanzminister Jan Jambon (N-VA, flämische Nationaldemokraten). „Wir sitzen jedoch zwischen der steigenden Produktion in Südamerika und dem zunehmenden Drogenkonsum in unserem Land fest. Es ist unsere Verantwortung, diesen Kampf fortzusetzen, denn Antwerpen bleibt weltweit das wichtigste Ziel für Kokain.“
Die meisten in Antwerpen abgefangenen Drogen stammen aus Ecuador. 2023 wurden in Südamerika „nur“ 45 Tonnen mit Belgien als Endziel beschlagnahmt, 2024 waren es 81 Tonnen. 2025 wurden in Südamerika 37 Tonnen Kokain mit Belgien als Zielland sichergestellt.
Nach Angaben von Polizeichef Yve Driesen ist die Verfügbarkeit von Kokain in Europa trotz aller Beschlagnahmungen und Maßnahmen weiterhin sehr hoch. Auch der Straßenpreis bleibt relativ stabil, während die Reinheit der Drogen zunimmt. In einem jüngsten Schreiben bezeichnete Driesen dies als „Hinweis auf einen robusten und wettbewerbsfähigen Markt“.
Zusätzliche Maßnahmen
Innenminister Bernard Quintin (MR, frankophone Liberale) kündigte an, dass der Kampf gegen Drogenkriminelle „eine absolute Priorität für diese Regierung bleibt“. Quintin will dabei vor allem stärker auf kleinere Eintrittspunkte für Drogen setzen, etwa Flughäfen und Jachthäfen. Am Flughafen Lüttich ist derzeit nur ein mobiler Scanner des Zolls vorhanden, der zudem noch nicht in Betrieb ist.
Der Minister will außerdem so schnell wie möglich das Kameranetz im Hafen von Antwerpen an das ANPR-Netz der föderalen Polizei anschließen – was bis heute noch nicht geschehen ist.
