Ausländische Unternehmen haben im vergangenen Jahr weniger Geld in Flandern investiert. Sowohl die Zahl der ausländischen Investitionen als auch die damit verbundenen Arbeitsplätze legten im vergangenen Jahr jedoch zu, wie aus Zahlen von Flanderns Ministerpräsident Matthias Diependaele hervorgeht. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, seien seiner Meinung nach Maßnahmen auf mehreren Ebenen notwendig.
„Flandern bleibt attraktiv für ausländische Investoren“, sagt Ministerpräsident Diependaele trotz rückläufiger Auslandsinvestitionen
Traditionell stellt der flämische Ministerpräsident auf dem World Economic Forum im schweizerischen Davos die Jahreszahlen der ausländischen Direktinvestitionen in Flandern vor. In den vergangenen drei Jahren konnte Flandern jeweils rund fünf Milliarden Euro an ausländischen Investitionen anziehen. 2025 waren es nur 3,79 Milliarden Euro. Dieser Betrag unterliegt jedoch Schwankungen und wird häufig stark von einer kleinen Zahl sehr kapitalintensiver Projekte beeinflusst.
Vor dem Hintergrund des schwierigen geopolitischen Kontextes hielten sich die ausländischen Investitionen in Flandern im vergangenen Jahr dennoch gut. „Mit 285 neuen Investitionsprojekten, die zusammen 5.870 neue Arbeitsplätze schaffen, erreichen wir ein Rekordniveau bei den Investitionsprojekten. Nur 2021 lag die Zahl noch höher (295 Projekte, Anm. d. Red.), doch das war eine außergewöhnliche Aufholbewegung nach dem Covid-Jahr 2020. Es gelingt uns nicht nur, mehr Investitionen anzuziehen, sondern auch mehr Arbeitsplätze pro Investition zu schaffen“, sagt Diependaele (N-VA, flämische Nationaldemokraten).
So stieg die Beschäftigung durch ausländische Investitionen 2025 um mehr als 16 Prozent, und die Zahl der Arbeitsplätze pro Projekt erhöhte sich von 25 auf 29.
„Flandern bleibt mit der offenen Handelswirtschaft in unserer DNA mehr denn je open for business“, sagt Diependaele. Flandern bleibe laut dem flämischen Regierungschef „auch unter schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Bedingungen attraktiv für ausländische Investoren“.
USA gewinnen an Bedeutung
Auffällig ist, dass die USA die wichtigsten Investoren in Flandern bleiben, sowohl gemessen an der Zahl der Projekte (56) als auch an der Schaffung von Arbeitsplätzen. Europa bleibt mit 60 Prozent aller Investitionsdossiers zwar weiterhin stark vertreten, doch der europäische Vorsprung schmilzt, und Europa verliert an Boden gegenüber den USA und Asien.
„Dass die Vereinigten Staaten selbst in turbulenten Zeiten unser größter Investor bleiben, unterstreicht die Stärke unseres Ökosystems“, so Diependaele.
Wir müssen realistisch bleiben. Unsere Wirtschaft und Industrie befinden sich in schwierigem Fahrwasser
Flanderns Ministerpräsident Diependaele
Gleichzeitig zeigt sich Diependaele nicht blind für die geopolitischen Spannungen und Herausforderungen. „Wir müssen realistisch bleiben. Unsere Wirtschaft und Industrie befinden sich in schwierigem Fahrwasser. Berichte über Standortschließungen und Arbeitsplatzverluste hören wir täglich in Gesprächen mit Unternehmen. Ebenso über künftige Investitionen, die auf Eis gelegt oder gestrichen werden. Hinter diesen negativen Nachrichten stehen Menschen und die Existenzgrundlage mitunter ganzer Familien“, sagt er.
Deshalb seien laut ihm Maßnahmen auf verschiedenen politischen Ebenen notwendig – von der flämischen über die föderale bis hin zur europäischen Ebene. Der flämische Industrieplan trage seiner Ansicht nach bereits der sich rasch verändernden wirtschaftlichen und geopolitischen Realität Rechnung.
Zugleich müsse aus Sicht Diependaeles dringend an „weniger Regeln“ gearbeitet werden. „Wir müssen das Gleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit und Industrie/Wirtschaft wiederherstellen. Aber wir müssen auch ein Level Playing Field (Gerechtigkeitsprinzip, Anm. d. Red.) schaffen, um Investitionen anzuziehen. Wenn Deutschland, Frankreich oder die Niederlande ihre Geldbörsen öffnen und mit Subventionen um sich werfen dürfen, dann sind unsere Taschen niemals tief genug.“
Unternehmernetzwerk Voka: „Dringend mehr Handel mit anderen Handelsblöcken nötig“
Für das Unternehmernetzwerk Voka sind die Zahlen zu den ausländischen Investitionen in Flandern in Kombination mit den geopolitischen Entwicklungen ein Signal, dass Flandern sich „auf alle Szenarien vorbereiten muss“.
„Die Industrie, normalerweise verantwortlich für die größten Investitionen, steckt in der Krise. Die Vereinigten Staaten waren und bleiben vorerst unser wichtigster Handelspartner. Die flämische Wirtschaft hat daher viel zu verlieren bei einer Verschlechterung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten“, sagt Frank Beckx.
Deshalb müsse Flandern stärker auf Kontakte mit anderen Handelsblöcken in der Welt setzen, „wie Mercosur, Indien und Australien“, heißt es.
