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Deutscher Glasfaserhersteller Envalior will Produktion im Hafen von Antwerpen einstellen: 220 Arbeitsplätze bedroht

Der deutsche Glasfaserhersteller Envalior will die Produktion in Kallo im Hafen von Antwerpen bis Ende dieses Jahres einstellen. Das wurde am Dienstag während einer Sitzung des Betriebsrats angekündigt. Insgesamt könnten 220 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. 

Jens Van Reet Belga
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Eine Woche nachdem Vioneo seine Pläne für eine Kunststofffabrik in Antwerpen aufgegeben hat, kündigt das deutsche Unternehmen Envalior das Aus seiner Glasfaseraktivitäten in Kallo an. Der Markt für Glasfaser steht laut Envalior seit Jahren unter Druck. 

Wie die meisten Chemieunternehmen, die ihre Aktivitäten zurückfahren, verweist Envalior auf die extrem hohen Energie- und Lohnkosten in Belgien. Zudem spielen die sinkende Nachfrage nach Glasfaser sowie die günstige Produktion in Niedriglohnländern eine Rolle. „Die Marktbedingungen haben sich so entwickelt, dass wir Glasfaser zu Kosten produzieren, die über dem Verkaufspreis liegen“, so ein Unternehmenssprecher.

Die Fortführung der Aktivitäten in Antwerpen würde das Unternehmen zudem Dutzende Millionen Euro kosten, da neue Öfen erforderlich wären. Über diese Mittel verfügt das Unternehmen nicht oder kann sie zumindest derzeit nicht in Antwerpen investieren.

Die Absicht, die Aktivitäten im Hafen von Antwerpen zurückzufahren, hat keine Auswirkungen auf den Standort von Envalior in Lillo, wo sich eine andere Chemieanlage befindet. In Lillo produziert Envalior Caprolactam und Ammoniumsulfat.

In den kommenden Wochen wird das Unternehmen die angekündigte Absicht formell im Rahmen eines Informations- und Konsultationsverfahrens umsetzen. Dieser Prozess erfolgt in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern. Direktor Geert Bussé erklärt, er erkenne die „großen Auswirkungen“ der Entscheidung auf alle Beschäftigten und ihre Familien an. „Deshalb werden wir diesen Prozess mit größter Sorgfalt, Transparenz und Respekt durchführen“, verspricht Bussé.

Gewerkschaft: „Die arbeitende Klasse in Europa zahlt die Zeche“

Die großen Unternehmen hinken den Entwicklungen hoffnungslos hinterher. Zu diesem Schluss kommt die sozialistische Gewerkschaft ABVV angesichts der Nachricht. „Wir wissen natürlich schon seit Längerem, dass sich der Glasfasermarkt nicht zu unseren Gunsten entwickelt“, räumt Dries Terneven ein, Sprecher der Gewerkschaften bei Envalior.

„Die arbeitende Klasse in Europa zahlt eindeutig die Zeche für die Investitionen, die in großem Umfang nach China abwandern“, merkt Terneven an. „Wir werden nun das Verfahren gemäß dem Renault-Gesetz einleiten. Ich hoffe, dass die meisten Beschäftigten an den Standort in Lillo versetzt werden können, aber wir müssen realistisch bleiben.“

Envalior beschäftigt in Belgien etwas mehr als 800 Mitarbeitende. Durch diese Entscheidung könnte der Personalbestand also um 25 Prozent schrumpfen. Weltweit zählt Envalior rund 4.000 Beschäftigte.

Das Renault-Gesetz

Das Gesetz beschreibt die Etappen der Konsultierungsprozedur, die der Arbeitgeber bei kollektiven Entlassungen einhalten muss. Das Gesetz ist eine Folge der dramatischen Schließung des Renault-Werks in Vilvoorde bei Brüssel im Februar 1997, bei der über 3.000 Beschäftigte von einem Tag auf den anderen ihre Jobs verloren. 

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