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Zwei Grabhügel mit Kreisgräben aus der Bronzezeit und gefesselte Skelette: einzigartige archäologische Funde in Ostflandern

Zwei bemerkenswerte archäologische Entdeckungen in der Provinz Ostflandern: In Aalter haben Archäologen zwei große Grabhügel mit Kreisgräben aus der Bronzezeit (ca. 3000 bis 800 v. Chr.) freigelegt. In den Hügeln wurden damals mehrere Menschen bestattet. In Aalst wiederum stießen Forscher auf zwei Skelette. Es handelt sich um Männer, die mit Fesseln im Grab lagen. Ein Novum in Belgien.

Jens Van Reet
Veröffentlicht:

Zwei große Grabhügel mit Kreisgräben in Aalter

Neben den Grabhügeln mit Kreisgräben entdeckten die Archäologen in Aalter auch einen Pfostenkranz. Weitere Proben werden derzeit ins Labor geschickt, um die genaue Datierung zu bestimmen.

Luftaufnahmen aus den 1980er-Jahren der archäologischen Fachgruppe der Universität Gent hatten bereits gezeigt, dass sich die Grabmonumente unter der Erde befanden. Erst durch jüngste archäologische Untersuchungen konnten sie nun tatsächlich freigelegt und bestätigt werden.

Der kleinere Kreisgraben hat einen Durchmesser von etwa 20 Metern, der größere misst 36 Meter. Die Kreise konnten jedoch nicht vollständig ausgegraben werden: Einer lag teilweise außerhalb des Projektgebiets, der andere wurde durch einen später angelegten Graben gestört.

Obwohl keine Grabbeigaben oder menschlichen Überreste gefunden wurden, handelt es sich laut den Archäologen dennoch um einen einzigartigen Fund. „Es ist außergewöhnlich, dass wir die Kreisgräben so dicht beieinander antreffen. Zudem ist ein Pfostenkranz vorhanden. Wir haben es also mit drei funerären Strukturen aus der mittleren Bronzezeit zu tun, vermutlich zwischen 1800 und 1500 v. Chr.“, sagt Jasper Deconynck, Projektleiter bei Ruben Willaert nv.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter.)

Der freigelegte Pfostenkranz

Auch Spuren aus römischer und mittelalterlicher Zeit

„Das Besondere ist außerdem, dass es auch Spuren aus jüngeren Perioden gibt, etwa aus der römischen und der mittelalterlichen Zeit. Daraus geht hervor, dass die Römer um das 1. Jahrhundert nach Christus die Grabhügel vermutlich bewusst mieden, da sie noch sichtbar waren und respektiert wurden.“

„Ab dem Mittelalter, etwa zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert nach Christus, sind jedoch Störungen erkennbar. Das könnte darauf hindeuten, dass die Grabhügel damals nicht mehr sichtbar waren oder ihre Bedeutung verloren hatten.“

„Das gibt Einblick in die Siedlungslandschaft über einen Zeitraum von mehr als 2000 Jahren. Es ist also die größere Geschichte, die diesen Fund einzigartig macht“, so Deconynck.

Gefesselte Skelette in Aalst

Die beiden gefesselten Skelette wurden bei Ausgrabungen auf einem ehemaligen Friedhof in Aalst entdeckt, der aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert stammt.

Das erste Skelett gehört zu einem etwa 40-jährigen Mann. Die Analyse der Knochen zeigt, dass er in seiner Jugend unterernährt war. Oberhalb seines linken Knies sind Spuren einer Infektion sichtbar, zudem hatte er mindestens einen Bandscheibenvorfall im unteren Rücken.

Auffällig ist, dass der Mann mit schweren Fußfesseln bestattet wurde. Die Fesseln waren durch eiserne Ketten miteinander verbunden.

Auch das zweite Skelett stammt von einem erwachsenen Mann. Er wurde mit Handschellen begraben. Das Skelett ist schlechter erhalten, weshalb bislang nur wenige Informationen vorliegen. Auch die Handschellen sind stark beschädigt, erhalten blieb lediglich ein Schloss.

„Es ist derzeit noch zu früh, um die Skelette mit Sicherheit zu datieren“, sagt die Archäologin Louise Savels. „Wir können jedoch feststellen, dass sie in derselben Ausrichtung und in etwa derselben Zone des Friedhofs bestattet wurden.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter.)

Kriminelle?

„Der Fund der gefesselten Leichname ist bemerkenswert, da dies in Belgien bisher noch nicht festgestellt wurde“, heißt es. „Weitere biochemische Untersuchungen in Kombination mit Archivstudien sollen in den kommenden Jahren mehr Klarheit über die Gründe für diese Art der Bestattung bringen.“

Denn die Skelette werfen viele Fragen auf. „Derzeit arbeiten wir mit verschiedenen Hypothesen“, so Savels. „Handelt es sich um begrabene Kriminelle? Um Hingerichtete?“

„Die Funde zeigen, dass ein großer Teil unserer jüngeren Geschichte noch unbekannt ist“, sagt die zuständige Stadträtin Sarah Smeyers (N-VA). „Wir sind daher sehr gespannt auf die weiteren Ergebnisse der Untersuchungen, denn diese Entdeckungen könnten potenziell ein völlig neues Kapitel unserer Geschichte offenlegen.“

Führungen

Wer mehr über die Ausgrabungen und die Skelette erfahren möchte, kann am Sonntag, dem 18. Januar, die archäologische Fundstelle besuchen. Die Archäologen bieten Führungen von 10 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr an.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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