Zum Hauptinhalt springen
Gesundheit

Getrickse mit unter anderem Oregano: Labor in Geel untersuchte Betrug mit Küchenkräutern in der EU

Bei jeder sechsten getesteten Verpackung von Küchenkräutern oder Gewürzen liegt Betrug bei der Zusammensetzung vor. Das geht aus Analysen von fast 2.000 Proben in einem Labor der Europäischen Kommission in Geel (Provinz Antwerpen) hervor. „In einem Viertel des Oreganos finden wir Olivenblätter“, sagt der Forscher Thomas Linsinger im VRT-Podcast „Het Uur van de Waarheid“.

Jens Van Reet Dennis van den Buijs
Veröffentlicht:

In Geel in der Antwerpener Kempen befindet sich das Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission, das Lebensmittel untersucht. Im Labor überprüfen 27 Wissenschaftler Proben von Lebensmitteln aus der gesamten EU. Stimmen die Angaben zur Zusammensetzung auf dem Etikett? Und wie steht es um die Lebensmittelsicherheit? Denn oft ist Betrug im Spiel.

Honig, Milch, Thunfisch, Gewürze und viele andere Lebensmittel werden in Geel unter die Lupe genommen. „Unsere internationalen Mitarbeiter bringen manchmal selbst Produkte aus Geschäften in ihrem Heimatland mit, wenn sie nach der Ferienzeit nach Geel zurückreisen. Vor allem wenn es um getrocknete Kräuter und Gewürze geht, die leicht in den Koffer passen“, erzählt Thomas Linsinger vom JRC in Geel.

Auf der Grundlage von 10.000 Analysen von 1.885 Proben solcher Gewürze kam das Labor zu einer Reihe auffälliger Schlussfolgerungen. Es handelt sich um die weltweit größte Untersuchung ihrer Art. Insgesamt lag bei 17 Prozent, also bei jeder sechsten Probe, Betrug vor. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Kräutern.

Forschung zur Betrug mit Kräutern und Gewürzen

  • 1/3

    Eine Forscherin führt eine Testprobe durch.

  • 2/3

    Paprika-Test.

  • 3/3

    Auch Honig wird getestet.

Olivenblätter im Oregano

„Wir sehen, dass es vor allem bei Oregano ein Problem gibt. Das ist auffällig, denn es handelt sich nicht um ein teures Produkt“, sagt Linsinger. „Bei der Hälfte der 295 getesteten Proben wurde absichtlich an der Zusammensetzung manipuliert. In jeder vierten Packung mit angeblich reinem Oregano fanden wir getrocknete Blätter von Olivenbäumen. Dieser Betrug kommt also am häufigsten vor. Daneben sehen wir oft unerklärlich hohe Mengen an Thymian, Majoran und Salbei.“

Beim deutlich teureren Safran gibt es bei jeder zehnten getesteten Probe ein Problem. In manchen Fällen wurde sogar keinerlei DNA der Narben der Safranblüte gefunden.

Auch mit schwarzem Pfeffer, dem in Europa am meisten importierten Gewürz, wird getrickst. „Zwischen schwarzen Pfefferkörnern fanden wir früher schon einmal getrocknete Papayakerne. Die sehen sehr ähnlich aus“, sagt Linsinger. „In unserer jüngsten Untersuchung sehen wir bei Pfeffer Betrug bei 17 Prozent der Proben. Gemahlener Pfeffer wird dann mit Reis, Buchweizen oder anderen Getreiden gestreckt. Manchmal auch mit Asche oder Senfsamen.“

Gefährlich für Allergiker

Nach Angaben der Föderalagentur für die Sicherheit der Lebensmittelkette (FAVV) werden Olivenblätter nicht häufig konsumiert. „Sie werden daher auch nicht oft in Lebensmitteln gefunden“, sagt Hélène Bonte vom FAVV. „Sie kommen allerdings gelegentlich in Nahrungsergänzungsmitteln vor. Olivenblätter stehen auch nicht auf der Liste gefährlicher Pflanzen in Belgien. Auf dieser Grundlage erwarten wir, dass kein großes Risiko besteht.“

Es stellt ein Problem für Menschen dar, die allergisch gegen bestimmte Kräuter sind

Thomas Linsinger, JRC Geel

Viele der beigemischten Produkte sind an sich also nicht gefährlich für die öffentliche Gesundheit, wohl aber irreführend. Als Verbraucher erhält man nicht das, was man zu kaufen glaubt.

„Aber es stellt sehr wohl ein Problem für Menschen dar, die allergisch gegen bestimmte Kräuter wie Senfsamen sind. Wenn das Vorhandensein des Stoffes nicht auf dem Etikett der Gewürze angegeben ist, riskieren sie körperliche Beschwerden“, sagt Thomas Linsinger vom JRC Geel.

„Was draufsteht, muss auch drin sein“

Diese Etiketten müssen jedoch stets korrekt, klar und nicht irreführend sein. „Was draufsteht, muss auch tatsächlich drin sein“, sagt Lien Meurisse, Sprecherin des FÖD Wirtschaft.

„Das ist in erster Linie zum Schutz der Verbraucher. Sie müssen bekommen, wofür sie bezahlen, und sie müssen auf der Grundlage der Zutaten eine informierte Wahl treffen können.“ Auch für Händler sind korrekte Etiketten wichtig. „Sie sorgen für fairen Wettbewerb und Vertrauen in die Lebensmittelkette“, schließt Meurisse.

Bei roten und gelben Gewürzen treten mitunter Probleme mit nicht zugelassenen Farbstoffen auf. Das war bei 2 Prozent der Proben der Fall.

„In Paprika, Chili, Kurkuma und Currypulver befinden sich manchmal Farbstoffe, die das Produkt gelber oder röter machen. In einer Safranprobe fanden wir zum Beispiel Sudan I. Dieser Farbstoff ist in der EU verboten und kann Leberkrebs verursachen“, fügt Linsinger hinzu.

Täter unbekannt

Jährlich importiert Europa 300.000 Tonnen getrockneter Gewürze, vor allem aus Ostasien. JRC Geel untersuchte verschiedene Proben von Kräutern, die in Supermärkten in der EU, bei Großhändlern und Importeuren, Verpackungsfirmen und teilweise direkt an der Quelle in den Produktionsländern gesammelt wurden.

Wer nun genau in der Produktionskette betrügt, kann je nach Gewürzart unterschiedlich sein. Es ist unmöglich, einen einzigen Schuldigen oder Täter zu benennen. Fest steht jedoch, dass viele Beteiligte im Gewürzhandel versuchen, ihren Gewinn zu maximieren, indem sie billigere Produkte mit den Kräutern vermischen, die die Verbraucher tatsächlich kaufen wollen.

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5