In Brüssel gibt es zu wenige öffentliche Duschen, geht aus einer Studie in der Fachzeitschrift Brussels Studies hervor. Der Zugang zu sanitären Einrichtungen ist ein Grundrecht, doch im Jahr 2021 hatten schätzungsweise mehr als 100.000 Brüsselerinnen und Brüsseler bei einer Gesamtbevölkerung von 1,2 Millionen „keinen Zugang zu ausreichendem und qualitativ genügendem Wasser“, heißt es.
In Brüssel gibt es laut Studie zu wenige öffentliche Duschen - „100.000 Menschen ohne Wasser zum Duschen“
Betroffen sind unter anderem Menschen, die in schlecht ausgestatteten Wohnungen leben, Brüsselerinnen und Brüsseler, die ihren Wasserverbrauch rationieren müssen, oder Einwohner, die Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu bezahlen.
Zwar gibt es einige öffentliche Möglichkeiten, diese seien jedoch zu begrenzt, so die Studie. Öffentliche Duschen in Brüssel finden sich bei rund 15 Organisationen sowie die sozialen Duschen im Schwimmbad in den Marollen. „Hier und da bietet ein Schwimmbad oder eine Sporthalle auf informelle Weise Zugang zu bestehenden Duschen“, heißt es in der Studie. „In Winterunterkünften gibt es sehr gelegentlich Zugang zu Duschen.“
Anfang der 2000er-Jahre gab es noch an sieben öffentlichen Orten Duschen. Unter anderem infolge der Corona-Krise haben einige dieser Einrichtungen in jüngerer Zeit ihre Türen geschlossen. Diese Zentren verzeichneten weniger Nutzer, doch laut den Autoren der Studie dürfe dies nicht mit einer „gesunkenen Nachfrage“ verwechselt werden.
Anhand von drei Beispielen in Molenbeek, Laken und Schaarbeek zeigen die Wissenschaftler, dass der Rückgang der Besucherzahlen auf ein reduziertes Angebot, zeitweilige Schließungen und mangelhafte Kommunikation über die Wiedereröffnung zurückzuführen war. So beschloss Molenbeek im Jahr 2014, die Duschen in der Ransfortstraße künftig am Mittwochvormittag statt am Mittwochnachmittag für Frauen und Kinder zu öffnen.
Nicht auf die Regierung warten
Das Angebot in Brüssel reicht demnach nicht aus und ist zudem fragmentiert: Bestimmte Dienste sind bestimmten Zielgruppen vorbehalten. Auch wenn dies „vollkommen logisch“ sei, schränke es zugleich die Zugänglichkeit ein, heißt es in der Studie.
Um der Nachfrage gerecht zu werden, müssten die Gemeinden sofort aktiv werden, ohne auf die regierungslose Region zu warten. Die Gemeinden verfügten über Schwimmbäder, Sporthallen und Schulen, die sie dafür einsetzen könnten, meinen die Autoren.
