Ein ehemaliger Mitarbeiter des Schokoladenherstellers Callebaut ist wegen Vertrauensmissbrauchs zu 6 Monaten Haft verurteilt worden. Kurz vor seinem Wechsel zu einem Konkurrenzunternehmen hatte er noch 19.000 Dateien heruntergeladen, darunter mehrere Schokoladenrezepte und interne Dokumente.
6 Monate Haft für Ex-Mitarbeiter des Schokoladenherstellers Callebaut, der kurz vor dem Wechsel zur Konkurrenz Rezepte stahl
G. hatte zwanzig Jahre für Barry Callebaut in den Vereinigten Staaten gearbeitet und im September 2021 eine neue Funktion in der belgischen Filiale übernommen. Kaum einen Monat später kündigte er jedoch an, das Unternehmen zu verlassen und für einen Konkurrenten arbeiten zu wollen. Einige Wochen danach lud er aus einem IT-Geschäft in Liedekerke 19.000 Dateien aus der Cloud des Unternehmens herunter.
„Angeblich ging es um Familienfotos und Steuererklärungen, doch unter diesen Dateien befanden sich auch Produktrezepte und Marketingstrategien. In seiner Vernehmung hat er selbst zugegeben, dass er diese in seinem neuen Job verwenden wollte. Hier lag also eindeutig ein Vertrauensmissbrauch vor“, sagte die Anwältin von Callebaut.
G. wurde Anfang November 2021 bereits von Callebaut mit den Vorwürfen konfrontiert und gab die Taten zu. Einige Wochen später übergab er dem Unternehmen den USB-Stick, auf dem er die heruntergeladenen Dateien gespeichert hatte.
„Auf diesem Stick befanden sich jedoch nur rund 6.000 Dateien, den Rest soll er gelöscht haben“, erklärte die Zivilpartei weiter. „Dafür haben wir lediglich sein eigenes Wort, denn zunächst behauptete er, keine weitere Kopie zu besitzen. Bei seiner polizeilichen Vernehmung im Jahr 2023 gab er jedoch plötzlich zu, sehr wohl eine Kopie angefertigt zu haben, die er nach eigenen Angaben ebenfalls sofort gelöscht habe.“
Vertrauensmissbrauch
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde kein Beweis dafür gefunden, dass G. die Dateien mit anderen geteilt hatte. Deshalb wurde der Mann nur wegen Vertrauensmissbrauchs und nicht wegen Hehlerei verfolgt. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von einem Jahr. Am Dienstag wurde er schließlich zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
„Mein Mandant hat den Arbeitsplatz gewechselt, weil er nach 20 Jahren eine neue Funktion bei Callebaut angenommen hatte, aber schnell gemerkt hat, dass diese ihm nicht lag. Als er seinen Weggang ankündigte, musste er auch seinen Firmenlaptop zurückgeben, auf dem sich jedoch auch zahlreiche private Dateien wie Familienfotos befanden“, erklärte der Anwalt von G.
„Er konnte diese zwar wiederherstellen, musste dafür jedoch einen Antrag bei der IT-Abteilung stellen. Da mein Mandant befürchtete, die Dateien vor seinem Wechsel zu dem anderen Unternehmen nicht mehr zurückzuerhalten, hat er selbst die Initiative ergriffen und diese Dateien aus der Cloud heruntergeladen.“
„Mein Mandant hatte niemals vor, diese Dateien zu missbrauchen, weder für sich selbst noch für seinen neuen Arbeitgeber“, so die Verteidigung weiter. „Auch sein Arbeitgeber hat erklärt, niemals Kenntnis von diesen Dateien erhalten zu haben.“
