Mitten in einem Wohngebiet im Brüsseler Stadtteil Jette liegt ein Wallfahrtsort, „die Domäne Unserer Lieben Frau von Lourdes“, besser bekannt als das „Grotteke“ (etwa „die kleine Grotte“). Diese Wallfahrtsstätte ist eine Nachbildung der berühmten Grotte von Massabielle in Lourdes in Südfrankreich. Millionen von Pilgern strömen jedes Jahr zu dieser Lourdes-Grotte, da Maria dort im Jahr 1858 mehrmals erschienen sein soll. Warum aber gibt es eine Nachbildung dieser „Lourdes-Grotte“ in Jette (Foto: Cato Beljaars/BRUZZ)? Dieser Frage ging die regionale Nachrichtenplattform BRUZZ in ihrer Reihe „BigCity“ einmal nach.
Warum findet man in der Brüsseler Gemeinde Jette eine Lourdes-Grotte?
Wir müssen Sie leider enttäuschen: Die Jungfrau Maria wurde hier in Jette nie gesehen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstand in Europa ein regelrechter Bauboom für Nachbildungen der Lourdes-Grotte. In der Zwischenkriegszeit spezialisierten sich sogar Unternehmen darauf. Das ferne Lourdes war schließlich nicht für jeden erreichbar, insbesondere nicht während des Krieges. Doch gerade damals war es besonders wichtig, für die Soldaten an der Front zu beten. Grotten schossen wie Pilze aus dem Boden, darunter auch eine im Stadtteil Esseghem von Jette.
Die Geschichte des „Grotteke“ (kleinen Grotte) begann bereits 1913, als die Pfarrei in Jette für die rasch wachsende Bevölkerung zu klein geworden war. Pfarrer Swalus, ein begeisterter Marienverehrer, gründete damals die Pfarrei „Unserer Lieben Frau von Lourdes“. Er baute eine neue Kirche, doch am Ostermontag 1915 wurde deutlich, dass diese zu klein geworden war, um für die Soldaten des Ersten Weltkriegs beten zu können. Der Pfarrer war gezwungen, seine Gottesdienste auf einem unbebauten Grundstück neben der Kirche abzuhalten. Noch am selben Tag beschloss er, genau an dieser Stelle eine Lourdes-Grotte zu errichten.
Kleinere Ausgabe
Und so geschah es: Die Grotte wurde im Maßstab 1:4 nachgebaut und man versuchte, die Falten und Vertiefungen des ursprünglichen Felsens so genau wie möglich nachzubilden. Die Grotte in Jette wurde zu einer recht getreuen Kopie der Grotte in Lourdes. Unter der Marienstatue in unseres „Grotteke“ liegt ein Stein aus der Originalgrotte. Bei der Einweihung im August 1915 waren nicht weniger als 20.000 Gläubige anwesend. Auch danach blieb der Wallfahrtsort beliebt.
Das änderte sich erst, als die Grotte in den 1980er Jahren verfiel und beinahe verschwand. Proteste einiger Gläubiger ermöglichten jedoch schließlich ihren Erhalt. Sie renovierten die Stätte und gründeten ein Komitee von Ehrenamtlichen. Diese Freiwilligen kümmern sich bis heute um die Grotte und erhalten sie. Unterstützt werden sie dabei von einer Katze mit einem unglaublichen Kuschelfaktor von 10, die seit Jahren zur festen Institution der Grotte gehört.
Die Stätte empfängt durchschnittlich hundert Besucher täglich. Manche kommen zum Beten, andere suchen die Ruhe und Stille. Eines ist sicher: Die Grotte in Jette ist zu einem einzigartigen Teil des Brüsseler Kulturerbes geworden. Sie ist sogar die einzige ihrer Art in einem urbanen Umfeld in Belgien. Wenn Lourdes zu weit entfernt ist, stellt die Grotte in Jette eine lohnende Alternative dar. Ein Wunder ist dort zwar nicht garantiert, aber Ruhe und Frieden findet man dort mit Sicherheit.
