Eine neue Binnenschifffahrtsverbindung zwischen der Inland Terminals Group (ITG) in Meerhout und PSA Antwerpen im dortigen Hafen soll jährlich rund 10.000 zusätzliche Lkw von der Autobahn E313 fernhalten. Dies schreibt die flämische Tageszeitung Gazet Van Antwerpen. Ab diesem Sommer sollen zudem umfangreiche Verbesserungen der Schieneninfrastruktur im Hafen von Antwerpen die Straßenbelastung weiter reduzieren, wie das Blatt weiter meldet.
Rund um den Antwerpener Hafen: Binnenschiffe sollen den Straßentransport weiter entlasten
Täglich erreichen zahllose Container den Hafen von Antwerpen. Diese Container müssen anschließend an die Kunden ausgeliefert werden. Laut den aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2024 werden mehr als die Hälfte dieser Transporte auf dem Binnenschiffsweg abgewickelt. Nur gut 30 % des Transports erfolgen auf der Straße. Lastwagen sind daher weiterhin ein beliebtes Transportmittel, doch sie führen zu erheblichen Staus.
Ab dieser Woche nehmen die Terminalbetreiber ITG in Meerhout im Kempenland am Albertkanal und PSA in Antwerpen gemeinsam eine neue Binnenschifffahrtsverbindung in Betrieb. Dreimal wöchentlich (dienstags, donnerstags und samstags) verkehrt ein Schiff zwischen Meerhout und dem PSA-Nordseeterminal an Kai 913 im Hafen von Antwerpen.
„Diese neue Verbindung macht es für viele Unternehmen attraktiver, ihre Lkw zwischen dem Hafen von Antwerpen und unserem Terminal in Meerhout abzustellen und ihre Container auf eine Binnenschifffahrtsstraße zu verladen, da wir nun in eine pünktliche und zuverlässige Wasserstraßenverbindung investiert haben“, sagte David Huybrechts, Geschäftsführer von ITG in Meerhout gegenüber Gazet Van Antwerpen.
200 Lkw pro Woche weniger
„Basierend auf der Anzahl der LKW, die wir mit unserem Terminal in der Vergangenheit von der Straße geholt haben, deuten erste Berechnungen darauf hin, dass unser neuer Service problemlos weitere 200 LKW pro Woche von der Straße zwischen dem Hafen von Antwerpen und der Region Kempen, also der Autobahn E313, fernhalten wird. Das sind etwa 10.000 Lkw pro Jahr“, so David Huybrechts weiter.
Von Meerhout aus werden die Container zu ihrem endgültigen Bestimmungsort in der Region Antwerpen-Kempen, Limburg und Deutschland weiterbefördert. Werden durch das neue Angebot mit Binnenschiffen die Staus reduziert? „Das wird mit Sicherheit dafür sorgen, dass die Staus auf dem Antwerpener Ring nicht mehr so schnell zunehmen“, sagt Thierry Vanelslander, Verkehrsökonom an der Universität Antwerpen (UAntwerpen) dazu gegenüber Gazet Van Antwerpen.
Der Schienengüterverkehr hinkt hinterher
Während die Binnenschifffahrt im Hafen von Antwerpen immer höhere Umschlagzahlen erreicht, hinkt der Schienengüterverkehr hinterher. Im Jahr 2024 wurden lediglich 5 % der Container aus dem Hafen von Antwerpen per Güterzug transportiert. „Das liegt daran, dass der Schienengüterverkehr mit mehreren Einschränkungen zu kämpfen hat“, so Thierry Vanelslander weiter.
Personenverkehr auf der Schiene hat immer Vorrang vor dem Güterverkehr, was bedeutet, dass Güterzüge oft bis spät in die Nacht fahren müssen, wodurch es schwieriger wird, Personal zu finden. Die profitabelsten Bahnlinien werden vom Marktführer Deutsche Bahn belegt. Bahnunternehmen wie die verlustbringende belgische Güterbahn Lineas sind daher gezwungen, sich mit weniger attraktiven Strecken zufriedenzugeben.
Ein weiteres großes Problem: „Viele Gleise im Hafen von Antwerpen sind nicht elektrifiziert, sodass Züge nur mit Diesellokomotiven fahren können. Teilweise beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Güterzugs, inklusive Wartezeiten unterwegs, kaum 15 km/h pro Stunde“, sagt Thierry Vanelslander.
Infrabel investiert massiv
Infrabel, der Infrastruktur-Dienstleister der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, setzt sich mit Nachdruck für die Lösung dieses Problems ein. „Bis Ende Juni dieses Jahres werden wir fünf Kilometer zusätzliche Gleise auf der Bahnlinie 11 am rechten Ufer im Hafen von Antwerpen verlegen“, sagte Thomas Baeken, Sprecher von Infrabel, gegenüber Gazet Van Antwerpen.
„Wir werden die gesamte Strecke elektrifizieren. Dadurch sollten sich die Wartezeiten deutlich verkürzen. Außerdem haben wir bereits drei Gleise im Gleisbündel ‚Oorderen‘ elektrifiziert. Dieses befindet sich zwischen dem Rangierbahnhof Antwerpen-Noord und dem Churchill Dock. Ein viertes Gleis wird bis Juni dieses Jahres hinzukommen. Im Laufe dieses Jahres werden wir auch mit den Vorbereitungen für die Elektrifizierung der wichtigen Güterbahnlinie 211 im Hafen von Antwerpen beginnen,“ so der Infrabel-Sprecher gegenüber GVA.
