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Babynamen in Brüssel werden kürzer und vielfältiger

Ziyad, Audrey oder Sacha? In 30 Jahren haben sich die Babynamen in Brüssel stark verändert. Jungen- und Mädchennamen mit den Anfangsbuchstaben A und M sind mit Abstand am beliebtesten, während Unisex-Namen eher selten vorkommen. Das flämische Medienhaus in Brüssel, BRUZZ, hat über 2.000 Namen von fast 300.000 Brüsseler Babys analysiert, die zwischen 1995 und 2024 geboren wurden.

BRUZZ Martina Luxen
Veröffentlicht:

BRUZZ beleuchtet die Vornamen in Brüssel anhand von Statbel-Daten sowie Experten- und Elternmeinungen. Hier liegt der Fokus auf der Namensform: kurz oder lang, beliebt oder selten, Unisex oder geschlechtsspezifisch, die häufigsten Buchstaben und die seltensten ...

Fünf auffällige Trends: 

  • Namen werden vielfältiger. 

  • Namen werden kürzer. 

  • Unisex-Namen sind selten, aber im Kommen. 

  • Die beliebtesten Anfangsbuchstaben sind A und M.

  • Der Buchstabe Y feiert ein Comeback. 

Listen mit den Favoriten:

Solche Listen erscheinen jedes Jahr. In Brüssel stehen bei den Jungen seit zehn Jahren Adam und Mohamed abwechselnd an der Spitze, während bei den Mädchen Aya, Lina, Nour und Sofia die Topplätze belegen. Vor 30 Jahren waren Namen wie Sarah, Laura, Marie, Nicolas, Alexandre und Kevin am beliebtesten.

Brüsseler Babys haben immer weniger Namensvettern ihres Alters.

Mehr Vielfalt, mehr Originalität

Doch diese Rankings bekommen vielleicht mehr Aufmerksamkeit, als sie verdienen. Das Brüsseler Namensrepertoire ist in den letzten 30 Jahren deutlich größer und vielfältiger geworden, und immer weniger Eltern wählen einen „Modenamen“ (einen Namen aus der jeweiligen Top-20-Liste).

„Das ist logisch“, sagt VUB-Demograf Patrick Deboosere, „denn Großstädte wie Brüssel werden immer heterogener.“ Er nennt noch eine zweite Tendenz: „Eltern wollen sich abheben; ihr Kind ist etwas Besonderes, also bekommt es auch einen besonderen Namen. Soziale Medien verstärken das, weil man sich zunehmend als einzigartiges Individuum präsentiert.“ 

Die Daten bestätigen das: Brüsseler Babys haben immer weniger Namensvettern ihres Alters. 2024 trug die Hälfte der Babys einen seltenen Namen. 

Blick in die Zukunft

Und wie sieht es mit den beliebtesten Vornamen der Zukunft aus? „Das ist Kaffeesatzlesen“, sagt Gerrit Bloothooft. „Wie sollen wir die Namen von morgen vorhersagen, wenn wir nicht einmal verstehen, warum die Namen von heute beliebt sind?“ 

Bloothooft koordiniert seit 2009 die niederländische Vornamenbank, die alle Vornamen seit 1790 erfasst. Mithilfe von Modellen versucht er, die  Liste des nächsten Jahres vorherzusagen. „Die Beliebtheit von Vornamen ist eine langfristige Entwicklung mit gelegentlichen Wellen oder Hypes. Eigentlich können wir einen Namen erst modellieren, wenn der Höhepunkt vorbei ist. Meist hält sich ein Modename eine Generation lang, aber oft gilt: Je schneller ein Name aufkommt, desto schneller verschwindet er auch wieder.“ 

Früher waren fast ausschließlich Namen von Heiligen oder historischen Persönlichkeiten erlaubt.

Freie Namenswahl erst seit 1987 

„Früher war es einfach: Kinder wurden nach Großeltern oder anderen Familienmitgliedern benannt“, erklärt Bloothooft: „Heute gibt es mehr Freiheit, was zur Vielfalt beiträgt.“ 

Wussten Sie, dass Belgier erst seit 1987 die freie Wahl des Vornamens haben? Vorher waren fast ausschließlich Namen von Heiligen oder historischen Persönlichkeiten erlaubt. Auch heute darf ein Standesbeamter einen Namen ablehnen, wenn er als verwirrend oder schädlich gilt. 

"Hannes" abgelehnt, wegen Aussprache wie "ânesse" (Eselin)

In mehrsprachigen Städten wie Brüssel führt das manchmal zu kuriosen Situationen: So wurde 2021 der Name Hannes (von Johannes) zunächst abgelehnt, weil der Brüsseler Standesbeamte fand, er ähnele zu sehr dem französischen Wort „ânesse“ (Eselin). 

Vornamen werden kürzer

Brüsseler Namen werden zudem immer kürzer: Vor 30 Jahren hatten die meisten Namen sechs Buchstaben, aber seit 2014 bevorzugen Eltern eher fünf. Besonders Namen mit vier Buchstaben gewinnen an Beliebtheit. Die längsten Namen (ohne Bindestrich) haben 11 oder 12 Buchstaben: Konstantinos, Abderrahmane, Ramatoulaye, Salaheddine und Christopher.

Auf diesem Familienfoto könnte ein "Henk" oder eine "Petronella" dabei sein.

„Unsere Großeltern hießen offiziell zum Beispiel Hendrikus und Petronella, aber alle nannten sie Henk und Nel. Heute ist der offizielle Name einfach der Rufname“, erklärt der Namensforscher Gerrit Bloothooft. Das passt zu einem anderen Trend: „Wir wollen starke Kinder – und vor allem starke Mädchen. Kurze Namen lassen sich kraftvoll rufen.“

Demograf Deboosere berücksichtigt auch die Mehrsprachigkeit und Vielfalt des Brüsseler Umfelds: „Namen werden hier schnell falsch ausgesprochen, also suchen Eltern nach einem Namen, der nicht nur in den beiden Landessprachen vorkommt, sondern auch etwa im Arabischen. Außerdem gilt: Je weniger Silben, desto geringer die Chance, die Betonung falsch zu setzen.“

Unisex-Namen: Selten, aber im Kommen 

Vor 30 Jahren war Andrea fast der einzige Name, der sowohl Mädchen als auch Jungen gegeben wurde. In den letzten Jahren sind einige Unisex-Namen hinzugekommen, aber auch wieder verschwunden. Heute gibt es noch 185 Vornamen (2,5 Prozent des gesamten Namensbestands), die in 30 Jahren mindestens fünfmal an beide Geschlechter vergeben wurden. 

Von echter Geschlechtsneutralität kann jedoch keine Rede sein. Die meisten dieser Namen werden deutlich häufiger entweder Mädchen oder Jungen gegeben. Eine Ausnahme: Der Name Eden ging zunächst nur an Mädchen, jetzt ausschließlich an Jungen. 

Die für Jungen und Mädchen am häufigsten gewählten Unisex-Namen sind Sasha und Noa. Die alternativen Schreibweisen Sacha und Noah hingegen werden fast nur für Jungen verwendet. 

Im Jahr 2024 erhielt weniger als 1 Prozent der Neugeborenen einen Unisex-Namen. Sie bleiben also sehr selten, gewinnen aber langsam an Boden. 

Buchstaben: Von A bis M 

Die beliebtesten Anfangsbuchstaben stechen deutlich hervor: Ein Drittel der Neugeborenen im Jahr 2024 bekam einen Namen mit A oder M, zum Beispiel Adam und Mohammed. In den Top-10 der beliebtesten Mädchennamen finden sich daher auch Maria und Amira wieder. 

Vor 30 Jahren waren auch S und J beliebte Anfangsbuchstaben. 

Acht von zehn Mädchen bekommen einen Namen, der auf -a oder -e endet. Vor 30 Jahren endeten Namen meist auf -e, heute vor allem auf -a. Mit anderen Worten: Aus Marie wurde Maria, aus Sophie wurde Sofia, und Julie wurde wieder Julia. Bei Jungen ist die Vielfalt größer. Die Endung -n ist am beliebtesten, aber weniger als früher. 

Das Comeback des Y

Das Ypsilon ist zurück, allerdings an anderer Stelle. Als Endbuchstabe, einst besonders beliebt in den 1990er-Jahren, verschwindet es allmählich. Mit anderen Worten: Kelly, Audrey, Fanny, Jeremy und Anthony machen sich rar. Vielleicht erhalten Sie aber noch eine Geburtskarte von Lily, Romy oder Charly. 

In der Liste der aufstrebenden Namen – Namen, die zwischen 2023 und 2024 stark an Popularität gewonnen haben – taucht das Y vor allem in der Mitte des Namens auf. Beispiele: Inaya, Ziyad, Aylan, Oussayd, Zayn, Rym, Leya, Laya, Layan, Layane, Nelya oder Amaya. Ob diese Namen jemals die Top 20 erreichen, bleibt abzuwarten. 

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