Belgiens Innenminister Bernard Quintin (MR) hat dem französischen Entwickler von i-Police, dem ambitionierten Digitalisierungsprojekt für die Polizei, eine Mahnung zugestellt und den laufenden Millionenvertrag aufgekündigt. Dies berichteten Tageszeitungen De Standaard und Le Soir am Freitag.
Belgien bricht Millionenvertrag für ein Digitalisierungsprojekt bei der Polizei auf
Mit i-Police hätte die Polizei Daten aus rund 80 Anwendungen und Datenbanken auf einer zentralen Informationsplattform verknüpfen und darauf zugreifen können. 2021 unterzeichnete die Regierung einen Rahmenvertrag im Wert von 299 Mio. € mit dem französischen IT-Consultance-Giganten Sopra Steria Group. „Dieser 2017 vorbereitete und 2021 unterzeichnete Vertrag hat keine greifbaren Ergebnisse gebracht“, so Quintin: „Nach eingehender Prüfung habe ich beschlossen, das Projekt zu beenden.“
„Bis heute wurde kein Projekt vollständig abgeschlossen“, heißt es in einem internen Polizeibericht, der De Standaard vorliegt. Von dem Gesamtbudget von 299 Mio. € wurden bereits 75,8 Mio. € an Sopra Steria ausgezahlt. Innenminister Quintin betont, dass seit Beginn der laufenden Amtszeit lediglich 1,8 Mio. € davon ausgezahlt wurden.
In einer Stellungnahme gegenüber der flämischen Zeitung De Standaard räumt der Generalkommissar der belgischen Bundespolizei, Eric Snoeck, ein, dass sich die Digitalisierung bei der Polizei verzögert hat. Sowohl er als auch Innenminister Quintin betonen, dass die Polizei jetzt einen neuen Ansatz verfolgt, der sich auf Projekte in kleinerem und spezifischen Maße konzentriert, die stärker auf den internen IT-Dienste der Polizei basieren.
