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Eisenbahn: In Belgien sind die Züge pünktlicher als man denkt – Deutschland schneidet schlecht ab

Laut einer vergleichenden Studie des belgischen Technologie-Startups Chuuchuu zur Pünktlichkeit der Bahn und zu Zugverspätungen in sieben europäischen Ländern, fuhren im vergangenen Jahr 88,6 % der Hochgeschwindigkeitszüge, Intercity-Züge und Fernzüge in Belgien pünktlich. Die Eisenbahn in unserem Land liegt damit nur hinter der Schweiz und den Niederlanden und schneidet deutlich besser ab als Deutschland, wo lediglich 58,5 % der entsprechenden Züge pünktlich waren. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Im vergangenen Jahr verzeichneten Hochgeschwindigkeitszüge, Intercity-Züge und Fernzüge in Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien insgesamt 71,3 Millionen Minuten Verspätung, was einem Zeitraum von 136 Jahren entspricht. Allein in Deutschland belief sich die Verspätung auf 67 Jahre – fast so viel wie in den anderen sechs Ländern zusammen.

Diese Zahlen stammen von Chuuchuu, einem Technologie-Startup aus Belgien, das einen auf Zuverlässigkeit ausgerichteten Fahrplaner für Bahnreisen entwickelte . „Wir versuchen, die Menschen davon zu überzeugen, öfter mit dem Zug zu fahren“, so Chuuchuu-CEO Arne Nys. Es überrascht nicht, dass die Schweiz die pünktlichsten Züge hat: 97,8 % der Züge fuhren im letzten Jahr pünktlich. Die Schweiz gilt als Paradebeispiel für effizienten öffentlichen Nah- und Bahnverkehr in Europa.

5 Minuten oder 6 Minuten Toleranz?

In den Niederlanden lag die Pünktlichkeitsquote bei 93,9 %, in Belgien bei 88,6 %, in Deutschland hingegen bei lediglich 58,5%. „Die Wahrnehmung in unserem Land ist jedoch oft schlechter“, so Nys weiter. Chuuchuu verwendet eine Pünktlichkeitstoleranz von 5 Minuten - Züge gelten als pünktlich, wenn sie ihren Zielbahnhof mit weniger als 5 Minuten Verspätung erreichen.

Die Pünktlichkeitszahlen für Belgien sind laut dieser Studie niedriger als die der Belgischen Staatsbahn (NMBS/SNCB), die je nach Monat zwischen 89,6 und 93,7 % schwanken. Die NMBS verwendet eine Pünktlichkeitstoleranz von 6 Minuten und berücksichtigt zudem alle Züge. Chuuchuu zählt hingegen nur Hochgeschwindigkeitszüge, internationale Züge und Intercity-Züge, nicht aber S-, L- und P-Züge. Züge mit kürzeren Strecken verspäten sich seltener.

ICE der DB in Köln HBF - nicht wirklich pünktlich

Kleines Bahnland Belgien

Ein weiterer Aspekt ist, dass Intercity-Züge in kleineren Ländern wie Belgien, den Niederlanden und der Schweiz nicht direkt mit Intercity-Zügen in größeren Ländern wie Deutschland oder Italien vergleichbar sind.

„Ein belgischer Intercity-Zug würde in Deutschland als Regionalzug bezeichnet“, erklärt Arne Nys: „Obwohl wir sie nicht mitzählen, wissen wir, dass auch deutsche Regionalzüge erhebliche Verspätungen haben, einfach weil sie die gleichen Gleise wie die Fernzüge benutzen. Verspätungen hängen nicht nur von der Entfernung, sondern auch von der Gleisauslastung ab. Man könnte sagen, Deutschland ist Opfer seines eigenen Erfolgs, weil dort vergleichsweise mehr Menschen mit der Bahn reisen.“

Nachtzüge können auch mal ziemlich unpünktlich sein

Nachtzug oder Albtraum?

Interessanterweise verspäten sich europäische Nachtzüge am häufigsten. Laut Arne Nys liegt das an den längeren Strecken, den komplexen Grenzkontrollen und der Konkurrenz mit Güterzügen um die Vorfahrt. Die drei am häufigsten verspäteten Züge sind allesamt Nachtzüge.

• Stockholm–Berlin (durchschnittlich 81,1 Minuten)

• Innsbruck–Amsterdam (durchschnittlich 80,8 Minuten)

• Wien–Amsterdam (durchschnittlich 79,1 Minuten)

Die am häufigsten verspätete Zugverbindung tagsüber war die EC-Verbindung Zürich–Hamburg (durchschnittlich 59,4 Minuten).

Eurostar gilt auch nicht gerade als besonders pünktlich

Und in Belgien?

In Belgien beobachten wir ein ähnliches Phänomen: Die längsten Verspätungen treten bei Nachtzügen, Hochgeschwindigkeitszügen von und nach Deutschland sowie bei der Eurostar-Verbindung Amsterdam–Brüssel–London auf.

• European Sleeper ES 452 Prag–Brüssel (durchschnittlich 29,6 Minuten)

• Nightjet NJ 40468 Wien–Brüssel (durchschnittlich 21,1 Minuten)

• ICE 318 Frankfurt–Brüssel (durchschnittlich 19,8 Minuten)

• ICE 10 Frankfurt–Brüssel (durchschnittlich 17,4 Minuten)

• Eurostar 9115 Amsterdam–Brüssel–London (durchschnittlich 15,5 Minuten)

• Eurostar 9474 Köln–Brüssel–Paris (durchschnittlich 13,7 Minuten)

• Eurostar 9426 Dortmund–Brüssel–Paris (durchschnittlich 13,5 Minuten)

Die pünktlichsten Züge fahren auf der eher kurzen Verbindung zwischen Arlon (Provinz Luxemburg) und Luxemburg selbst. An bestimmten belgischen Bahnhöfen kommt es derzeit zu den größten Verspätungen, insbesondere in Städten in der flämischen Provinz Limburg und in Lüttich. Dies hängt hauptsächlich mit eingleisigen Strecken zusammen, die man in Limburg häufiger findet und in Lüttich sorgen internationale Zügen aus Deutschland regelmäßig für Verspätungen (ICE, Eurostar und Arriva).

In Lüttich-Guillemins hängt die Pünktlichkeit auch gerne mal von Zügen aus dem Ausland ab...

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