Zum ersten Mal seit zehn Jahren nahm König Philippe seine Weihnachtsansprache an einem anderen Ort auf Schloss Laken auf, als üblich. Der Monarch wandte sich vom Oktagon der Bibliothek des Schlosses aus an das belgische Volk. Dieser Pavillon wurde nach dem Brand auf Schloss Laken im Jahr 1890 gebaut und beherbergt eine reiche Sammlung von Büchern aus der Zeit vor der belgischen Unabhängigkeit.
Einzigartiger Ort für die königliche Weihnachtsansprache: Entdecken Sie das Oktagon der Bibliothek von Schloss Laken
Aufmerksamen Zuschauern mag es aufgefallen sein: König Philippe wählte dieses Jahr einen neuen Ort für seine Weihnachtsansprache. Seit 2015 hatte er die Ansprache in seinem Büro auf Schloss Laken aufgezeichnet, doch dieses Mal fand sie in einem anderen Raum seiner Residenz statt, im Oktagon der Bibliothek. „Es gab schon seit einigen Jahren Gespräche über einen Ortswechsel für die Weihnachtsansprache“, sagt Koen Heymans, der VRT-Regisseur der niederländischsprachigen Ansprache des Königs: „In seinem Büro waren wir in der Anzahl der möglichen Aufnahmen für die Rede stark eingeschränkt.“
Die Bibliothek befindet sich in einem der beiden achteckigen Pavillons, die man vor Schloss Laeken sieht (Foto oben). Links steht das Apollo-Oktagon, rechts das Bibliotheks-Oktagon. „Zwei Gebäude, die zwar identisch aussehen, aber unterschiedliche Funktionen erfüllen.“ Diese Pavillons wurden nach dem großen Brand im Schloss am 1. Januar 1890 errichtet, bei dem Napoleons Bibliothek zerstört wurde. Ende 1905 wurde das Bibliotheks-Oktagon mit einigen Büchern und Möbeln des kurz zuvor verstorbenen Prinz Philippe, Graf von Flandern, ausgestattet.
„In der Bibliothek sah ich hauptsächlich deutschsprachige Bücher, viele davon aus der Zeit vor 1830, und Atlanten“, erzählt Heymans. Das ist nicht verwunderlich. Der Graf von Flandern hatte diese Bücher von seinem Vater, König Leopold I., geerbt, der in Deutschland geboren war. Im Laufe der Jahre wurde das Bibliotheks-Oktagon um einen Teil der Bibliothek der Grafen von Flandern ergänzt.
Studien von Albert II. und Rede von Baudouin
1950 kehrte König Leopold III. während der Königsfrage aus der Schweiz nach Belgien zurück. Sein Sohn, Prinz Albert (der spätere König Albert II.), unterlag damals noch der Schulpflicht. In der Schweiz hatte er ein Gymnasium besucht, wurde aber nach seiner Rückkehr nach Belgien – wie damals üblich – zu Hause unterrichtet. Um Prinz Albert eine hochwertige Ausbildung zu ermöglichen, wurde die Bibliothek in ein Klassenzimmer mit Tafel umgebaut. Dort wurde er von zwei Lehrern unterrichtet. Er ist das einzige Mitglied der königlichen Familie, das jemals im Oktagon der Bibliothek unterrichtet wurde.
König Philippe ist nicht der einzige Monarch, der eine Weihnachtsansprache in der Bibliothek von Schloss Laeken aufgenommen hat. König Baudouin gelang dies als Erster im Jahr 1984. Er war auch der erste Monarch, der mit einer Weihnachtsansprache begann (1961).
Wie wird eine Weihnachtsansprache vorbereitet? Drei Sprachen, drei Aufnahmen
Die Weihnachtsansprache des Königs ist in unserem Land seit über 60 Jahren Tradition. Am 24. Dezember um 13:00 Uhr wird die Ansprache auf allen belgischen Fernsehsendern übertragen. König Philippe spricht fünf bis sechs Minuten, doch der Vorbereitung zu dieser Ansprache, bzw. TV-Aufnahme geht viel Arbeit voraus. „Das dauert mindestens zwei Tage“, sagt Heymans. „Man braucht einen halben Tag, um die gesamte technische Ausrüstung mit mehreren Kameras, Ton- und Lichtanlagen aufzubauen, und einen weiteren halben Tag, um sie wieder abzubauen.“
Der König hält selbstverständlich eine Ansprache auf Niederländisch, Französisch und Deutsch. „Und für jede dieser drei Ansprachen sind mehrere Aufnahmen nötig, um sie zu einer flüssigen Rede zusammenzuschneiden.“ Das ist in manchen Sprachen einfacher als in anderen: „Die niederländische Rede ist eine halbe Minute länger als die französische. Die deutsche Rede ist sogar noch länger.“
Die drei öffentlich-rechtlichen Sender sind auch für die Aufzeichnung der Rede in ihren jeweiligen Sprachen verantwortlich. Die frankophone RTBF stellt einen Regisseur für die französische Rede, der deutschsprachige Rundfunk BRF für die deutsche, und Koen Heymans führt Regie bei der niederländischsprachigen Fassung für den flämischen Rundfunk VRT.
