Bauern aus mehreren europäischen Ländern protestieren an diesem Donnerstag (18. Dezember) in Brüssel gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und mehreren südamerikanischen Ländern. Es wurden rund 10.000 Demonstranten erwartet, doch so hoch war die Zahl wohl nicht. Die Polizei riet dringend davon ab, mit dem Auto in die Hauptstadt zu fahren. Die ersten Traktoren hatten Brüssel bereits in der Nacht erreicht. Weite Teile des Europaviertels in Brüssel waren blockiert. Unsere Fotos und Videos zeigen die Ereignisse des Tages.
Europäische Bauern protestierten in Brüssel gegen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten - Aufgeheizte Stimmung
Schon am Mittwoch gab es Bauerndemos in Kortrijk in Westflandern und am Lütticher Regionalflughaben in Bierset. Bis zum Mittag rollten am Donnerstag Kolonnen von Traktoren aus allen Himmelsrichtungen in die belgische und europäische Hauptstadt ein.
Auf den Autobahnen E411und E40 verlief der Verkehr durch die langsam fahrenden Landmaschinen sehr langsam und an verschiedenen Stellen, z.B. in Haasrode, gab es kurze Blockaden des Verkehrs. Im Laufe des Vormittags wurden in und um Brüssel herum Kreuzungen blockiert und der Verkehr staut sich weiter. Der Große Ring um Brüssel, der R0, war zeitweise verstopft und einige Verkehrstunnel in der Innenstadt mussten gesperrt werden.
Schon kurz vor 9 Uhr musste die Polizei zum ersten Mal in der Wetstraat im Regierungsviertel einen Wasserwerfer einsetzen und am Luxemburgplatz musste ein erstes Feuer gelöscht werden - hier wurden im Laufe des Tages mehrere Feuer angezündet. Zudem bewarfen erboste Bauern die Polizisten mit Kartoffeln und Eiern.
An einigen Orten, z.B. im Regierungsviertel an der Wetstraat und am Luxemburgplatz, war die Stimmung sehr aufgeheizt und die Polizei stand permanent in Alarmbereitschaft. Einige Beamte wurden im Einsatz gegen die Randalierer verletzt.
Derweil versammelten sich Landwirte aus verschiedenen EU-Mitgliedsländern am Brüsseler Nordbahnhof, um von dort aus zum Europaviertel zu ziehen. Darunter waren etwa 1.000 Italiener und dutzende Bauern aus Bulgarien, Polen, Irland und Slowenien.
Polizei zählt 7.300 Demonstranten und 1.000 Traktoren und musste hart vorgehen
Die Polizei zählte 7.300 Demonstranten und 50 Traktoren bei der offiziellen Bauerndemonstration. Weitere 950 Traktoren, die sich im Europaviertel befanden, gehören nicht zur offiziellen Demonstration. Sie wurden im Laufe des Nachmittags von der Polizei weggedrängt.
Die Brüsseler Polizei ging auf dem Luxemburgplatz zeitweise recht hart gegen Demonstranten vor, wo sich die Lage zunehmend anspanne. Mehrere Brände wüteten auf dem Platz und Bauern bewarfen Polizei und die Kamerateams der Presse mit Feuerwerkskörpern. Die Polizei setzte Tränengas, Pfefferspray und Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Anschließend marschierten sie mit einer Polizeikette auf den Platz zurück. Die Demonstranten und ihre Traktoren wurden zurückgedrängt, die Ausschreitungen dauerten jedoch an.
Die Demonstration erreichte doch nicht das Europaviertel
Die offizielle Bauerndemonstration in Brüssel erreichte, anders als geplant, doch nicht das Europaviertel. Die Demonstration löste sich gegen 13:45 Uhr auf dem Kleinen Ring vorzeitig auf. Hunderte Bauern haben sich inzwischen abgespalten und begaben sich auf den Weg zum Luxemburgplatz, wo es den ganzen Tag über zu Unruhen gekommen ist.
Die Organisatoren der Demonstration, unter anderem der "Grüne Kreis", der Verband der Jungbauern in Belgien, distanzieren sich von den Randalierern. Die Krawalle hatten das eigentliche Ziel der Demonstranten, friedlich gegen Mercosur zu demonstrieren, einmal mejr ad absurdum geführt.



