Die Zahl der registrierten Schenkungen in Flandern ist in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 22,4 %gestiegen. Dies geht aus den Zahlen von notaris.be hervor, dem Dachverband der Notare: „Wir vermuten stark, dass der Anstieg auf die Verlängerung der Erbschaftsteuerfrist zurückzuführen ist.“
Über 20 % mehr Schenkungen in Flandern: "Die Leute gehen auf Nummer sicher"
In den ersten 11 Monaten des Jahres 2025 registrierten Notare rund 11.168 Schenkungen beweglicher Güter, verglichen mit nur 9.123 solcher Vorgänge im Vorjahr. Laut Helena Verwimp, Notarin und Sprecherin von notaris.be, ist dieser Anstieg nicht überraschend: „Immer mehr Flamen wollen ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen. Sie wollen selbst entscheiden, was sie verschenken und wie viel Steuer sie darauf zahlen.“
Schenkt jemand bewegliche Güter - wie zum Beispiel Geld, ist dies steuerfrei möglich, solange der Schenker während der sogenannten „Streitfrist“ nach der Schenkung noch einige Jahre lebt. Bisher betrug dieser Zeitraum drei Jahre, wurde aber Anfang des Jahres auf fünf Jahre verlängert. „Und die Menschen haben heute mehr Angst, diese längere Zeitspanne nicht zu überstehen“, so Notarin Verwimp gegenüber VRT NWS.
Man will sich absichern
So entscheiden sich z.B. viele Menschen im Alter von über 75 Jahren auch dafür, einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf ihres Elternhauses oder anderer Immobilien an die nächste Generation weiter zu schenken, fährt Verwimp fort: „Früher waren sie überzeugt, die drei Jahre noch zu überleben, aber jetzt haben sie daran mehr Zweifel. Durch die Verlängerung dieses unsicheren Zeitraums müssen sie bis zum 80. Lebensjahr leben.“
„Die Leute gehen daher auf Nummer sicher: Sie registrieren ihre Schenkung und zahlen die Steuer sofort. Der Steuersatz beträgt 3 %. Sobald die Schenkungssteuer bezahlt ist, kann die Schenkung nicht mehr in die Erbschaft einbezogen werden“, erklärt Verwimp. Wer seine Schenkung nicht registriert und somit keine Schenkungssteuer zahlt, aber innerhalb von fünf Jahren verstirbt, muss dennoch mit Erbschaftssteuer rechnen: „Diese kann 9 % betragen, aber auch bis zu 27 %. Ein Steuersatz von 3, 9 oder 27 % - die Registrierung macht also einen erheblichen Unterschied.“
Letzte Ersparnisse
Als Notarin wickelt Verwimp zahlreiche Schenkungen ab: „Die meisten Menschen verschenken Geld, Aktien oder Immobilien. Doch manchmal wollen sie zu viel verschenken. Wir müssen die Leute manchmal wirklich warnen.“
Zum Beispiel wenden sich Betroffene manchmal an Verwimp, weil sie ihr Haus ihren Kindern vermachen wollen. Man hört oft, dass Schenken günstiger ist als Erben. Aber wenn das Haus ihre Altersvorsorge, ihre letzte Ersparnis, darstellt, ist Schenken keine gute Idee. Sobald etwas verschenkt ist, ist es endgültig aus ihrem Vermögen verschwunden. Angenommen, so Verwimp, „sie müssen später in ein Pflegeheim und haben nur begrenzte finanzielle Mittel… Wenn das Haus später verkauft wird, erhalten sie nichts davon. Und es ist wichtig, sich nicht auszuziehen, bevor man ins Bett geht…“
