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ETCS-Sicherheitssystem: Das belgische Schienennetz ist komplett mit "Cruisecontrol" ausgestattet

Fünfzehn Jahre nach dem schweren Zugunglück von Buizingen sind alle Hauptstrecken des belgischen Schienennetzes mit dem Sicherheitssystem European Train Control System (ETCS) Level 2 ausgestattet. Dieses System überwacht kontinuierlich die Geschwindigkeit von Zügen und greift ein, wenn ein Zug zu schnell fährt oder droht, ein rotes Signal zu überfahren. Damit ist Belgien eines der ersten Länder in Europa, deren Gleisnetz vollständig ETCS-fähig ist.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Das Europäische Zugbeeinflussungssystem (ETCS) wurde in den vergangenen 10 Jahren in Belgien für rund 2,8 Mia. € eingeführt. Mittlerweile sind alle Hauptstrecken mit einer Gesamtlänge von 6.399 Kilometern damit ausgestattet. Laut dem Betreiber des Schienennetzes, das bahneigene Infrastrukturunternehmen Infrabel, wurden mehr als 48.000 Lichtschranken und über 11.000 neue Signale installiert. Infrabel arbeitete dazu mit Siemens Mobility und Equans (eine Tochtergesellschaft der französischen Bouygues-Gruppe) zusammen.

Das Sicherheitssystem ETCS funktioniert nur, wenn auch die Züge mit dem System ausgestattet sind. Bei der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB wird dies bis Ende des Jahres für die gesamte Flotte der Fall sein. „Die letzten Personenzuglokomotiven ohne ETCS werden in den kommenden Wochen schrittweise außer Betrieb genommen“, so NMBS-Sprecher Dimitri Temmerman. Ab Ende 2027 dürfen in Belgien nur noch Züge mit ETCS verkehren.

Die Einführung von Sicherheitssystemen - zunächst TBL1+ und später ETCS - wurde nach dem Zugunglück von Buizingen (Foto weiter unten), bei dem am 15. Februar 2010 19 Menschen ums Leben kamen, beschleunigt. Laut Infrabel hat die schrittweise Einführung von ETCS die Sicherheit im Schienennetz bereits verbessert. Die Zahl der potenziell gefährlichen Durchfahrten von roten Haltesignalen, z.B. an Weichen, über die auch andere Züge fahren, sank zwischen 2010 und 2024 von 51 auf 14.

Neben Belgien ist auch das kleine Nachbarland Luxemburg vollständig mit ETCS ausgerüstet. 

Das Zugunglück von Buizingen am 15. Februar 2010

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„Ich bin sehr stolz darauf, dass wir diesen historischen Meilenstein erreicht haben“, sagte Infrabel-CEO Benoît Gilson, in Interviews mit den belgischen Zeitungen De Morgen und Le Soir: „ETCS bietet in Kombination mit den digitalisierten Zugverkehrsleitsystemen unseren Kunden ein Höchstmaß an Sicherheit und stärkt Belgiens Position. Belgien verfügt nun über eines der bestausgestatteten und damit sichersten Eisenbahnnetze Europas.“

Belgiens Ministerin für die Modernisierung der staatlichen Behörden und Unternehmen, Vanessa Matz (Les Engagés), damit auch zuständig für die Eisenbahnsicherheitspolitik, betont Belgiens Vorreiterrolle ebenfalls. Belgien ist nach dem Großherzogtum Luxemburg das zweite Land in Europa, das sein Eisenbahnnetz vollständig mit ETCS ausstattet: „Dank der Einführung des ETCS-Systems wird die Sicherheit im Schienenverkehr deutlich erhöht und das Risiko tragischer Unfälle, wie dem in Buizingen, erheblich reduziert“, so die Ministerin.

„ETCS bietet Lokführern zuverlässige technische Unterstützung und verbessert gleichzeitig den Schutz von Fahrgästen und Gütern“, sagte Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés): „Dies stärkt Belgiens Position in Europa und schafft eine moderne Grundlage für die Weiterentwicklung des Schienenverkehrs zum Wohle aller Fahrgäste und für eine nachhaltigere Mobilität.“

„Belgien ist das erste Land, das ETCS in einem hochkomplexen Netz im laufenden Betrieb nahezu ohne Streckensperrungen implementiert hat - ein Beispiel, dem Europa folgen sollte“, sagte Michael Peter, CEO von Siemens Mobility dazu: „Die termingerechte Fertigstellung und Inbetriebnahme dieses Projekts, genau 10 Jahre nach seinem Start, unterstreicht die Stärke unserer Partnerschaft mit Infrabel und das konsequente Engagement des Konsortiums (mit Equans, Red.). Da jetzt ein Großteil des belgischen Schienennetzes mit ETCS Level 2 betrieben wird, bietet unsere bewährte Signaltechnik höchste Sicherheitsstandards und ein effizienteres, zukunftssicheres Schienennetz für das ganze Land.“ 

Zu schnell geht quasi nicht mehr
ETCS-Lichtschranke (auch als Baken bezeichnet)

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