Mehr als 100 Unternehmen in Flandern werden im kommenden Jahr keinen Stromanschluss erhalten, da das Stromnetz bereits überlastet ist. Einige Unternehmen sind sogar dazu gezwungen, auf Dieselgeneratoren umzusteigen. Der flämische Wirtschafts- und Arbeitgeberverband Voka fordert die Priorisierung von Projekten mit wirtschaftlichem und sozialem Mehrwert.
Mindestens 100 Unternehmen in Flandern erhalten aufgrund überlasteter Netze keinen Stromanschluss
In den Niederlanden ist dieses Problem seit Längerem bekannt. Dort ist das Stromnetz so überlastet, dass Tausende von Unternehmen keinen Anschluss bekommen. In manchen Regionen betragen die Wartezeiten über zehn Jahre.
Flandern ist noch nicht an diesem Punkt, aber da die Anzahl von Rechenzentren, Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen zunimmt und immer mehr Industriezweige auf Strom auch aus erneuerbaren Quellen umsteigen, stoßen auch die hiesigen Stromnetze zunehmend an ihre Grenzen.
Stromerzeugung mit Dieselgeneratoren?
Beispiel: Eine drohende Überlastung am Verbindungspunkt zwischen dem Hochspannungsnetz von Elia und den Nieder- und Mittelspannungsnetzen von Fluvius in Deinze (Ostflandern) sorgt in der Wirtschaft in der Region für größer werdend Probleme. Die für zusätzliche lokale Anschlüsse erforderlichen Investitionen seien jedoch „noch nicht absehbar“, so Fluvius.
Einige Unternehmen haben ihr Bestes getan, um die CO₂-Emissionen, beispielsweise durch Neubauten, zu minimieren. Sie benötigen aber weiterhin Strom für ihre Maschinen oder ganz einfach für ihren Energieverbrauch - unter anderem durch den Einsatz umweltschädlicher Dieselgeneratoren. Dadurch werden die CO₂-Einsparungen klimaschonende Um- oder Neubauten oder für ein komplett neues entsprechendes Unternehmen innerhalb weniger Tage zunichtegemacht.
Zahlreiche Unternehmen betroffen
Laut dem flämischen Arbeitgeberverband Voka stehen über 100 Unternehmen auf der Warteliste für einen Anschluss und die Netzauslastung nimmt zu. Um es klarzustellen: Das Problem betrifft nur die, die einen leistungsstärkeren Anschluss benötigen – also Unternehmen, nicht Privathaushalte.
„Die Situation verschärft sich von Monat zu Monat“, sagt Voka-Geschäftsführer Frank Beckx. „Wenn wir nicht eingreifen, landen wir in einer ähnlichen Situation wie die Niederlande. Heute sehen wir, wie sich die Karte dort komplett rot färbt. Mehr als 12.000 Unternehmen stehen dort buchstäblich in der Warteschlange und müssen jahrelang, manchmal sogar 10 Jahre, warten. Das ist natürlich schädlich für unser Wirtschaftsklima.“
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst
Aktuell wenden die belgischen Netzbetreiber Elia (zuständig für Hochspannung) und Fluvius (zuständig für Mittel- und Niederspannung) das gesetzlich vorgeschriebene Prinzip an: first come, first served (Wer zuerst kommt, mahlt) zuerst. Wer zuerst einen Antrag stellt, erhält einen Anschluss. Selbst wenn dieser nicht voll ausgeschöpft, erst später oder gar nicht genutzt wird.
Voka will das ändern. „Wir müssen bewerten, welche Projekte für einen effektiven Netzanschluss bereit sind“, so Beckx: „Und wir müssen auch die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen eines Projekts berücksichtigen: Beschäftigung, Wertschöpfung - das muss ein Kriterium werden.“
Das Problem ist bekannt
Elia und Fluvius sind sich des Problems selbstverständlich bewusst. Beide Netzbetreiber werden in den kommenden Jahren Milliarden investieren, um das Netz zu stärken – sowohl das Hochspannungsnetz (Elia) als auch das Verteilnetz (Fluvius).
Auch die Umspannwerke, die die Hochspannungs- und Vertriebsnetze verbinden, werden ausgebaut. Derzeit drohen in 16 dieser 235 Umspannwerke Überlastungsprobleme. Der Energieausschuss des Flämischen Parlaments befasst sich mit diesem Thema mit einer Ausschussdebatte, an der alle Beteiligten teilnehmen.
