Zum Hauptinhalt springen

"Keine leichte Aufgabe angesichts all unserer Dialekte" - Flandern baut ein eigenes automatisches Untertitelsystem für die Medien auf

Das belgische Bundesland Flandern bekommt ein eigenes automatisches Untertitelungssystem, das korrekte Untertitel auch bei flämischen Dialekten und bei der Umgangssprache gewährleisten soll. Die flämische Landesregierung investiert insgesamt über 1 Mio. €, um Videoinhalte für alle zugänglicher zu machen – von Hörgeschädigten bis hin zu Nicht-Niederländischsprachigen. Das Projekt ist eine Kooperation der Mediengruppen VRT, Play Media, DPG Media und NORTV mit Universitäten und Technologiepartnern. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Video gewinnt in unserem Alltag immer mehr an Bedeutung. Plattformen wie VRT MAX, Play.tv, Nachrichtenseiten und soziale Medien bieten täglich eine Fülle von Inhalten. Doch diese Menge an Inhalten wächst so schnell, das professionelle Untertitler kaum noch mithalten können. Automatische Untertitelungssysteme bieten dabei bisher nicht immer eine Lösung. Die größte Herausforderung? Die große Vielfalt an Akzenten und Dialekten in der flämischen Sprache.

„Wer online Videos oder Fernsehen schaut, kennt das Problem: Automatische Untertitel, die Wörter falsch erkennen, Dialekte nicht verstehen oder Sätze in unleserlichen Text umwandeln“, sagt die flämische Medienministerin Cieltje Van Achter (N-VA). Deshalb investiert Flandern in ein eigenes automatisches Untertitelsystem, das an die flämische Sprache in all ihren Formen angepasst ist. Das Gesamtbudget des Projekts beträgt 1,027 Mio. €, wovon 749.000 € vom Medienministerium selbst finanziert werden.

Das Projekt „Automatische Untertitel“ läuft über zwei Jahre und vereint Medienunternehmen, Universitäten und Technologiepartner. Auch unser Haus, der flämische öffentlich-rechtliche Rundfunk VRT, ist an der Entwicklung beteiligt, ebenso wie DPG Media, Play Media, NORTV (der Dachverband der regionalen Rundfunkanstalten), die Katholische Universität Löwen (KU Leuven), die Universität Antwerpen (UAntwerpen) und das Forschungsinstitut IMEC in Löwen (Flämisch-Brabant).

Inhalte für alle zugänglicher gestalten

„Als öffentlich-rechtlicher Sender möchten wir unsere Inhalte für alle Flamen so zugänglich wie möglich machen“, sagt Lieven Vermaele, Direktor für Partnerschaften, Daten & KI bei VRT: „Untertitel sind für viele unerlässlich, insbesondere für diejenigen, die den Ton nicht verstehen können.“

„In einer Zeit, in der immer mehr Flamen Videos mit Untertiteln ansehen - von Hörgeschädigten über junge Menschen, die unterwegs fernsehen, bis hin zu anderssprachigen Mitbürgern - wird dieses Problem immer dringlicher“, fügt Ministerin Van Achter hinzu: „Mit dieser Investition gehen wir dieses Problem endlich gemeinsam mit all unseren Medienpartnern an.“

Inklusive Innovation

Das Projekt wird ins Leben gerufen, weil der Druck wächst, Medien für alle zugänglich zu machen. Europäische und flämische Vorschriften schreiben unter anderem klare und präzise Untertitel vor. „Und auch die Zuschauer selbst erwarten, dass die Untertitel präzise und leicht lesbar sind“, so Medienministerin Van Achter.

Das übergeordnete Ziel ist Innovation in drei Bereichen. Erstens ein flämisches Spracherkennungsmodell, das die Vielfalt an Dialekten, Aussprachen und Ausdrücken in Text umwandelt. Zweitens ein Untertitelmodell, das die automatischen Transkriptionen gut lesbar macht und schließlich ein System zur Prüfung und Verbesserung der Untertitelqualität.

„Untertitelung ist immer ein Balanceakt zwischen Genauigkeit, Lesbarkeit und natürlichem Lesefluss“, so Vermaele weiter: „Dies sorgfältig in einen zuverlässigen, automatisierten Prozess umzusetzen, ist ein wichtiger Schritt nach vorn. So gestalten wir eine Zukunft, in der barrierefreie und innovative Medien zum Standard gehören.“

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5