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2025 bereits über 700 Hausverbote bei häuslicher Gewalt verhängt

Tätern von häuslicher Gewalt wird immer häufiger ein temporäres Hausverbot auferlegt. Die Zahl der Fälle hat sich in den letzten Jahren verdreifacht. Laut der Behörde für Justiz und Vollzug wird 2025 mit einem Rekord von rund 760 verhängten Hausverboten enden. Die Frage bleibt, ob die Maßnahme in der Praxis tatsächlich wirkt.

Belga Martina Luxen
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Ein temporäres Hausverbot bedeutet, dass eine Person, von der Gefahr ausgeht, die Wohnung sofort für 14 Tage verlassen muss. Gleichzeitig verhängt die Staatsanwaltschaft ein Kontaktverbot. Mit dieser Abkühlungsphase soll verhindert werden, dass Gewalt in der Familie eskaliert. Wichtig ist, dass Opfer ihre vertraute Umgebung nicht verlassen dürfen und dass für alle Familienmitglieder wird zugleich passende Hilfe organisiert wird.

„Bei einem Konflikt zwischen zwei Partnern ist es wichtig, schnell einzugreifen. Sobald einer das Haus verlässt, kann sich die Lage beruhigen. Dann gibt es Zeit, nachzudenken und die nächsten Schritte zu planen“, erklärt Liesbeth Wyseur von der Behörde für Justiz und Vollzug: „Wir sehen, dass das Familiengericht die Maßnahme meist verlängert. Ein temporäres Hausverbot dauert im Schnitt etwa zwei Monate.“

Deutlicher Anstieg

Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2020 steigt die Zahl der temporären Hausverbote in Flandern jedes Jahr. Vor fünf Jahren wurde die Maßnahme 217 Mal verhängt. Im Jahr 2025 sind es bisher bereits 707 Fälle.

„Wir werden dieses Jahr bei etwa 760 Fällen landen“, schätzt Wyseur. „Das sind rund 64 pro Monat, also mehr als zwei pro Tag. Der starke Anstieg liegt vor allem an der Einführung der Veilige Huizen (Sichere Häuser). Davon gibt es inzwischen zehn in Flandern, wo Polizei, Justiz und Gemeinden gemeinsam an Fällen häuslicher Gewalt arbeiten.“

Zu wenig Kontrolle 

Die Staatsanwaltschaft greift also häufig zu Wohnungs- und Kontaktverboten im Kampf gegen häusliche Gewalt. Doch in der Praxis zeigt sich, dass die Maßnahme nicht immer wirkt. Ohne strenge Kontrolle ist ein Verstoß schnell geschehen. Das hat oft tödliche Folgen.

Bei dem Beziehungsdrama in Roeselare im September kamen drei Menschen ums Leben.

Mehrere aktuelle Fälle zeigen, wie Täter solche Verbote ignorieren:

  • In Antwerpen wurde letzte Woche eine 29-jährige Frau in ihrer Wohnung erstochen – der Verdächtige ist ihr Ex-Partner, der Hausverbot hatte.

  • Im Sommer in Houthalen-Helchteren (Provinz Limburg): Ein Mann zündete seine Ex-Partnerin an, obwohl er sich nicht in ihrer Nähe aufhalten durfte.

Femizid bleibt ein Problem

Offizielle Zahlen fehlen, aber Experten schätzen, dass jedes Jahr mindestens 22 Frauen von ihrem (Ex-)Partner getötet werden. Trotz Maßnahmen wie Kontaktverboten sinkt diese Zahl nicht. Ein wissenschaftliches Komitee soll nun die Muster, Warnsignale und Probleme analysieren, die Gewalt oft vorausgehen. Der erste Bericht mit konkreten Empfehlungen wird nächstes Jahr erwartet.

Elektronische Fußfessel als Lösung?

Um Gewalt zu verhindern, kündigte die flämische Justizministerin Zuhal Demir vor zwei Jahren an, Täter künftig mit einer Fußfessel und GPS-Tracker zu überwachen. Das System wird derzeit getestet. Für die Umsetzung muss jedoch zunächst ein belgisches Gesetz angepasst werden, das noch nicht verabschiedet ist.

„In Fällen mit hohem Risiko wäre eine Fußfessel sicher sinnvoll. So könnte eingegriffen werden, wenn Täter sich dem Opfer nähern“, sagt Wyseur: „Wir sehen aber auch schon Wirkung bei einem temporären Hausverbot. Wenn die Polizei eingreift und jemand aus dem Haus muss, ist das sehr einschneidend.“ 

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