Flandern sucht Arbeitskräfte, Wallonien hat Arbeitssuchende. Dennoch fällt es den beiden Regionen weiterhin schwer, sich zu vernetzen. Um dieses Problem strukturell zu lösen, unterzeichneten die flämische Arbeitsministerin Zuhal Demir (N-VA) und ihr wallonischer Amtskollege Pierre-Yves Jeholet (MR) am Montag in der Nudelfabrik Soubry in Roeselare (Westflandern, Foto) ein neues Kooperationsabkommen.
Beschäftigungspolitik in Belgien: Neues Abkommen zur Erleichterung der Beschäftigung von Wallonen in Flandern
Der flämische Arbeitsvermittlungsdienst (VDAB) und der wallonische Arbeits- und Ausbildungsdienst (Forem) haben sich dazu verpflichtet, flämische Stellenangebote und wallonische Arbeitssuchende deutlich schneller zusammenzubringen.
Es ist kein Zufall, dass die Unterzeichnung bei Soubry stattfand. Das Unternehmen beschäftigt 420 Mitarbeiter, darunter nicht weniger als 180 französische Staatsangehörige, aber nur zehn Wallonen. „Die Lage ist dringlich. In Flandern brauchen wir dringend Arbeitskräfte: Sobald eine Stelle frei wird, bewerben sich nur drei Kandidaten“, erklärte Flanderns Arbeitsministerin Demir gegenüber der Nachrichtenagentur Belga.
„Wir suchen nicht mehr außerhalb Europas nach Kandidaten, sondern hier in Belgien: in Flandern, aber auch in Wallonien. Diese Kooperationsvereinbarung zwischen dem VDAB (Flämischer Arbeitsvermittlungsdienst) und dem Forem (Wallonischer Arbeits- und Ausbildungsdienst) soll dieses Problem lösen. Konkret werden jetzt alle offenen Stellen ausgetauscht. Sollten wallonische Arbeitssuchende auf mehrere Stellenangebote nicht reagieren, können sie auch sanktioniert werden.“
Ihr wallonischer Amtskollege Jeholet bestätigte, dass wallonische Arbeitssuchende zur Rechenschaft gezogen werden, versicherte aber, dass die Vernunft siegen werde: „Wir werden keinen Arbeiter aus Arlon bitten, in Roeselare zu arbeiten. Aber die Überquerung der Sprachgrenze zum Arbeiten sollte selbstverständlich möglich sein. Sprachkenntnisse sollten kein Hindernis darstellen. Die hohe Anzahl der bereits bei Soubry beschäftigten Franzosen beweist dies.“
„Flämische Unternehmen sind bereit, motivierte Wallonen einzustellen“, heißt es bei Voka dazu. Der flämische Arbeitgeberverband begrüßte das Abkommen. „Die Behörden waren viel zu lange zu nachlässig. Flämische Unternehmen sind bereit, motivierte Wallonen einzustellen. Lasst sie kommen!“, betonte Frank Beckx, Geschäftsführer von Voka, in einer Pressemitteilung.
