Heutzutage machen wir uns Sorgen um Drohnen, die über Brüssel fliegen. Vor über 150 Jahren erregte ein anderes spektakuläres Fluggerät in der belgischen Hauptstadt Aufsehen - ein Heißluftballon. Der französische Fotograf (und Autor, Zeichner, Journalist und Ballonfahrer) Gaspard-Félix Tournachon (1820-1910) wollte mit seinem Ballon Fotos in Brüssel machen. Was das mit einer heute allgegenwärtigen Umzäunung zu tun hat, wollte die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ in ihrer Reihe „BigCity“ wissen.
Wie die "Nadar-Zäune" nach einem Ballonflug in Brüssel zu ihrem Namen kamen
Gaspard-Félix Tournachon, genannt Nadar, war ein französischer Künstler, Journalist und Fotograf, der für seine Drucke und Porträts berühmter französischer Persönlichkeiten bekannt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts wollte er seine Fotografie jedoch auf eine neue Ebene heben, im wahrsten Sinne des Wortes. Er beabsichtigte, als erster Fotograf eine Luftaufnahme von Paris zu machen.
Doch er stieß fast sofort auf ein Problem. Die Verschlusszeiten der Kameras jener Zeit waren lang, was bedeutete, dass man immer ein nahezu stillstehendes Objekt fotografieren musste, um ein scharfes Bild zu erhalten. Daher suchte Tournachon nach einem Weg, der ihm ermöglichen würde, fast bewegungslos in der Luft zu schweben, um so seine Langzeitaufnahmen machen zu können zu. Die Lösung - ein Heißluftballon.
Nach einigen Fehlversuchen gelang es ihm endlich, Paris aus der Luft einzufangen. Um seine Technik weiter zu verfeinern, suchte er nach zusätzlichen Geldgebern, um seinen gigantischer, 60 m hohen Heißluftballon, zu finanzieren. Sein „Le Géant“ („Der Riese“) genannte Ballon verursachte hohe Kosten. Er bereiste ganz Europa damit und finanzierte sein Projekt u.a. durch den Verkauf von kurzen Mitfahrten (in einem Heißluftballon fliegt man nicht, sondern man fährt…).
Jedes Mal, wenn er mit seinem Ballon irgendwo ankam, zog er eine Menge Schaulustiger an. Brüssel war dabei keine Ausnahme. Am 26. September 1864 ließ er seinen Ballon im Botanischen Garten aufstellen. Die Stadtverwaltung rechnete mit großen Menschenmengen und stellte überall Zäune auf, um die vielen Besucher einzudämmen.
Dies blieb der damaligen Presse nicht verborgen. Bei der Beschreibung der Zäune prägten sie sogar einen Namen: „Nadar-Zäune“. Nicht nur der Ballon, sondern auch der Name dieser Zäune blieb haften. Nadar selbst war alles andere als begeistert. Er schrieb sogar einen Protestbrief an den damaligen belgischen König Leopold I. Wie konnte schließlich ein Fotograf, der Grenzen überschreiten wollte, einer Erfindung seinen Namen geben, die Menschen einschränkt?
Seine Bemühungen halfen nicht: Bis heute werden die metallenen Zäune und Absperrgitter in Belgien „Nadar-Zäune“ genannt.
