Laut einer neuen Studie des Hohen Gesundheitsrats (HGR) in Belgien ist ein Verbot sozialer Medien für Jugendliche unter 16 Jahren unnötig. Die Studie wurde von der flämischen Landesregierung in Auftrag gegeben, nachdem mehrere Experten Bedenken hinsichtlich der schädlichen Auswirkungen der Smartphone- bzw. Handynutzung auf junge Menschen geäußert hatten.
Soziale Medien: Belgiens Hoher Gesundheitsrat fordert besseren Schutz junger Menschen bei der Bildschirmnutzung aber kein Verbot
Der HGR betont jedoch, dass Jugendliche unter 13 Jahren die Zustimmung ihrer Eltern benötigen und dass Jugendliche unter 16 Jahren über die Gefahren sozialer Medien aufgeklärt werden sollten. Ein Verbot sei daher nicht notwendig, so der Gesundheitsrat, doch einige Regeln könnten strenger sein, sagt Ernst Koster, Psychologieprofessor an der Universität Gent (UGent) und Mitautor der Studie.
Der HGR verweist aber auf eindeutige körperliche Auswirkungen wie Bewegungsmangel, Sehprobleme und Schlafstörungen. „Übermäßiger Bildschirmkonsum bei kleineren Kindern wird mit Verzögerungen in der motorischen, sprachlichen und kognitiven Entwicklung in Verbindung gebracht. Das gemeinsame Ansehen von Lerninhalten hingegen kann positive Effekte haben“, so Koster.
Darüber hinaus sind psychologische Auswirkungen entscheidend: „Die Art der Inhalte, die Gestaltung der Plattform im Falle sozialer Medien und der Nutzungskontext, z.B. gemeinsames Betrachten von Inhalten, spielen eine viel größere Rolle als die Bildschirmzeit an sich.“
Was sagt die flämische Landesregierung?
Ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 16 Jahren ist keine gute Idee. Das ist auch die Meinung der flämischen Medienministerin Cieltje Van Achter (N-VA). Die Ministerin reagiert damit auf die Empfehlung des Hohen Gesundheitsrats. Die flämische Regierung gab eine Studie zu den Auswirkungen sozialer Medien und übermäßiger Bildschirmzeit auf das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Auftrag, die jetzt vorgelegt wurde.
„Wir haben Experten konsultiert und eine umfassende Studie in Auftrag gegeben, um die Vor- und Nachteile abzuwägen und die beste politische Antwort zu finden“, so die Medienministerin, die der Ansicht ist, dass die Ergebnisse eindeutig sind.
„Die derzeitige Altersgrenze von 13 Jahren für soziale Medien ist gerechtfertigt und sollte in der Praxis besser durchgesetzt werden. Ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter 16 Jahren ist, wie die Studie zeigt und wie ich wiederholt betont habe, keine gute Idee“, erklärte Van Achter. Laut der Ministerin unterstreicht die Studie nachdrücklich den Bedarf an Unterstützung, Beratung und Medienkompetenz für Jugendliche und Eltern.
„Diese Studie macht auch ganz klar, welchen Weg wir einschlagen müssen. Er stellt wörtlich fest: ‚Wir haben die Pflicht, Kinder nicht aus ihrer Online-Welt zu entfernen, sondern sie sicherer zu machen.‘ Genau das ist unsere Verantwortung“, so Van Achter, die die Empfehlungen in ihren Aktionsplan zur Medienkompetenz einarbeiten wird, der bald vorgelegt werden soll.
