Jede vierte flämische Lehrkraft läuft ein sehr hohes Risiko, ein Burn-out zu erleiden. Zudem denkt jede sechste ernsthaft darüber nach, den Beruf aufzugeben. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Motivationsmonitor-Erhebung hervor, einer Befragung der UGent unter mehr als 3.500 Lehrkräften. Die Unterstützung der Autonomie von Lehrkräften könne die Wende bringen, heißt es.
Uni Gent: Jede vierte flämische Lehrkraft steuert auf Burn-out zu
Im Frühjahr 2025 wurden 3.503 Lehrkräfte aus 163 Schulen befragt. Die Ergebnisse sind alarmierend. Jede vierte Lehrkraft (23,93 Prozent) berichtet von einem sehr hohen Maß an Burn-out-Symptomen. Eine von drei (32,96 Prozent) ist stark mental erschöpft. Ein ebenso großer Anteil (31,36 Prozent) gibt an, dass die Arbeit so belastend ist, dass die kognitive Leistungsfähigkeit sinkt.
Noch besorgniserregender: Jede sechste Lehrkraft (16,92 Prozent) denkt konkret über einen Ausstieg nach. Weitere 21,4 Prozent beschäftigen sich „mäßig“ mit diesem Gedanken.
Autonomie, Verbundenheit und Kompetenz
Die Forschenden orientieren sich am ABC-Modell, dem zufolge Lehrkräfte (wie andere Beschäftigte auch) drei psychologische Grundbedürfnisse benötigen, um gut zu funktionieren: Autonomie, Verbundenheit mit Kolleginnen, Kollegen und Lernenden sowie das Gefühl von Kompetenz im Beruf. Diese drei Bedürfnisse seien essenziell für das Wohlbefinden, heißt es. Auffällig: 84,72 Prozent der Lehrkräfte mit hohem Burn-out-Risiko schneiden bei diesen Pfeilern schlecht ab. Für jene, die erwägen, den Schuldienst zu verlassen, gilt dasselbe: 82,47 Prozent erleben starke Frustration in allen drei Bereichen.
Die hohen Burn-out-Zahlen überraschen der Motivationspsychologe und Professor Maarten Vansteenkiste nicht: Sie ähnelten früheren Untersuchungen, sagt er. Das Bemerkenswerteste sei, dass flämische Lehrkräfte hohe Werte bei der Verbundenheit, aber relativ niedrige bei der Autonomie aufweisen. Eine große Mehrheit fühlt sich stark mit Kolleginnen und Kollegen (78,25 Prozent) oder mit Schülerinnen und Schülern (85,83 Prozent) verbunden, aber weniger als vier von zehn (39,09 Prozent) erleben ein hohes Maß an Autonomie im Klassenzimmer.
Lehrkräfte würden mit neuen Aufgaben überfrachtet, heißt es, doch Schulleitung und Regierung erklärten oft zu wenig, warum etwas getan werden müsse. Dadurch entstehe Frustration. Der Motivationspsychologe verweist ausdrücklich auf die neuen ambitionierten Mindestziele. „Sie sind absolut willkommen, aber die Begleitung bei der Umsetzung ist entscheidend. Sonst wirft man die Lehrkräfte in ein Schwimmbecken ohne Schwimmreifen“, sagt er.
Ein weiteres Problem ist der Mangel an Kompetenzgefühl vor der Klasse: Nur sechs von zehn (61,23 Prozent) geben an, sich sehr kompetent zu fühlen. „Wenn man nicht sicher ist, ob man eine Klasse ruhig halten oder Lernende motivieren kann, führt das zu Stress“, sagt Vansteenkiste.
Strengere Regeln?
Auch die flämische Bildungsministerin Zuhal Demir betont regelmäßig die Bedeutung von Ordnung und Struktur im Klassenzimmer. Sie ist eine große Befürworterin des (strengen) englischen Modells. Strenge um der Strenge willen sei jedoch überholt, sagt Vansteenkiste.
„Externe Belohnungen oder drohende Sanktionen aktivieren Lernende zwar, aber sie wirken nicht nachhaltig. Wenn morgen die Lehrkraft nicht mehr droht, verschwindet oft auch die Motivation. Man will, dass Lernende Regeln befolgen, weil sie deren Mehrwert verstehen, nicht um der Lehrkraft einen Gefallen zu tun. Das bedeutet, dass man Regeln gut erklärt und gemeinsam nach Lösungen sucht, wenn sie systematisch verletzt werden.“
