Die Brüsseler Regierung hat große Teile des Bahnhofs Brüssel-Nord unter Denkmalschutz gestellt. Dabei geht es unter anderem um den Uhrenturm und die große Empfangshalle, aber auch um die Bahnsteige und die dort noch vorhandenen Holzbänke. Das bestätigt das Kabinett der Brüsseler Staatssekretärin für Stadtplanung und Kulturerbe, Ans Persoons, nach einer Veröffentlichung im Staatsblatt.
Brüssel erkennt Nordbahnhof als Denkmal an: „Eines der wichtigsten Eingangstore zur Hauptstadt“
Der Nordbahnhof, gelegen in der Brüsseler Gemeinde Schaarbeek, wurde zwischen 1938 und 1956 errichtet. Das modernistische Gebäude stammt von den Architekten Paul und Jacques Saintenoy sowie Jean Hendrickx-Van den Bosch.
„Der Nordbahnhof ist nicht einfach ein Ort, an dem man vorbeikommt, oder ein rein funktionales Gebäude: Er gehört zu den wichtigsten Eingangstoren nach Brüssel und ist ein Orientierungspunkt in der Stadtsilhouette unserer Hauptstadt“, sagt die Brüsseler Staatssekretärin für Stadtplanung und Kulturerbe, Ans Persoons (flämische Sozialisten, Vooruit).
„Dieses Eisenbahnerbe anzuerkennen, zu schützen und wertzuschätzen bedeutet daher eine Bestätigung der Identität unserer Stadt und stellt sicher, dass ihre typische modernistische Nachkriegsarchitektur für künftige Generationen erhalten bleibt.“
Die Unterschutzstellung sei laut der Vooruit-Staatssekretärin auch Teil der Neugestaltung des Brüsseler Nordviertels zu einem „lebendigen, grünen und multifunktionalen Raum“, in dem der Nordbahnhof eine zentrale Rolle spielen soll.
Uhrenturm, Empfangshalle und Holzbänke
Der Schutz umfasst unter anderem den Uhrenturm des Bahnhofs, Fassaden und Dächer, die Schalterhalle „mit ihrer monumentalen U-förmigen Treppe“, die sieben Bahnsteige „und die zugehörigen ursprünglichen Einrichtungen, die integraler Bestandteil davon sind (Vordächer, Wartesäle oder Unterstände, die ehemaligen hölzernen Telefonzellen, Massivholzbänke)“.
Um diese Holzbänke gab es vor einigen Jahren einiges Aufsehen. Die belgische Bahn NMBS/SNCB hatte einige davon durch Metallbänke ersetzt, was zu Protest führte. Ein Teil der Holzbänke blieb schließlich erhalten.
Die Bahnhofsteile „werden aufgrund ihres historischen, ästhetischen und künstlerischen Wertes als Denkmal in die Schutzliste eingetragen“, heißt es offiziell im Staatsblatt. „Durch diese Entscheidung wird der Erhalt der bemerkenswerten historischen Elemente des ikonischen Gebäudes des Brüsseler Modernismus gewährleistet“, fügt Persoons hinzu.
Was bedeutet die Unterschutzstellung?
Die Anerkennung bedeutet nicht, dass Eigentümerin NMBS/SNCB im Gebäude nichts mehr verändern darf, betont das Kabinett Persoons. Die Bahn „kann das Gebäude weiterhin an moderne Bedürfnisse und den Komfort der Reisenden anpassen“. So können etwa Rolltreppen oder Aufzüge installiert werden, ebenso Bildschirme oder Lautsprecher – „unter Wahrung des Kulturerbes“.
Die NMBS/SNCB teilt mit, dass sie kürzlich über die Entscheidung informiert wurde und diese derzeit analysiert. Sie weist darauf hin, dass Ende 2019 umfangreiche Renovierungsarbeiten am Bahnhof abgeschlossen wurden. So wurde die Empfangshalle „in ihrem alten Glanz restauriert“ und an jedem Bahnsteig wurden Aufzüge und Rolltreppen eingebaut.
