Die Wirtschafts- und Einzelhandelsverbände Comeos und Unizo sind empört darüber, dass die halbstaatliche belgische Post, Bpost, künftig verstärkt Logistikdienstleistungen für das umstrittene chinesische E-Commerce-Unternehmen Temu übernehmen wird. Beide Unternehmen unterzeichneten dazu eine Grundsatzvereinbarung. Comeos und Unizo bezeichnen diese Entwicklung als Affront und fordern die Ministerin für öffentliche Unternehmen, Vanessa Matz (Les Engagés), zum Eingreifen auf. Bpost hingegen sieht darin allerdings eher Chancen für lokale Unternehmen.
Bpost unterzeichnet Exklusivvertrag mit Temu - Einzelhandel in Belgien reagiert schockiert
Wie das die belgische Post in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat das Unternehmen mit Temu eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet. Die Unternehmen wollen ihre bestehende Zusammenarbeit in Belgien und in Kanada intensivieren, verschiedene neue Zustellmodelle testen und die Erreichbarkeit durch Abhol- und Abgabestellen verbessern.
Die verstärkte Kooperation wirft Fragen auf, insbesondere da die belgische Bundesregierung versucht, die Flut chinesische Pakete ins Land einzudämmen. Die Billigwaren sind so zahlreich, dass sie bei der Einfuhr nach Europa nur schwerlich zu kontrollieren sind. Die Regierung hatte bereits zuvor vor den Geschäftspraktiken chinesischer Händler und der Qualität ihrer Produkte gewarnt.
Unizo und Comeos betrachten die Zusammenarbeit zwischen bpost, einem zu 50 % in Staatsbesitz befindlichen Unternehmen, und Temu als „Schlag ins Gesicht für die belgischen Unternehmen, die sich an die Regeln halten“. Die Verbände hoffen auf ein Eingreifen von Ministerin Matz. Unizo fordert dringend ein Treffen mit der Ministerin: „Durch die Zusammenarbeit mit Temu normalisiert bpost Praktiken, die unsere Wirtschaft und unsere Werte untergraben.“
Der Einzelhandelsverband verweist auf staatliche Maßnahmen wie die Paketsteuer von 2 €, die auf Billigpakete aus China abzielt: „Mit dieser Kooperation holt bpost hingegen ein trojanisches Pferd ins Land.“ Bpost erklärt in einer Stellungnahme, verantwortungsvoll zu handeln. Man unterstütze die Forderung nach zusätzlichen Maßnahmen zum Schutz europäischer Unternehmen vor unlauteren Geschäftspraktiken. Die Post weist darauf hin, dass es bei den Plänen mit Temu um die Einführung der Temu-Verkaufsplattform in Europa geht. Dies werde lokalen Anbietern „deutlich größere Absatzmöglichkeiten“ über das chinesische Unternehmen eröffnen.
Belgien spiele in diesem europäischen Pilotprojekt eine wichtige Rolle. Bpost erklärte weiter, dass man einer der kleineren Partner von Temu für die Zustellung von Temu-Paketen in Belgien ist: „Bpost gewährleistet einen sicheren, effizienten und zunehmend nachhaltigen Transport der Pakete.“ Temu nahm bisher keine Stellung zu der Grundsatzerklärung und reagierte auch auf Anfragen von VRT NWS bisher nicht.
