Die Bombe ist geplatzt: Rechteinhaber DAZN beendet seinen Vertrag mit der Pro League. Seit Monaten gab es Spannungen zwischen DAZN und den belgischen Profivereinen, da DAZN mit Telekommunikationsanbietern wie Telenet und Proximus keine tragfähige Vereinbarung erzielen konnte und weniger als die vereinbarten 84 Mio. € für den TV-Vertrag zahlen will. DZAN steigt damit vorzeitig und einseitig aus dem laufenden 5 Jahres-Vertrag mit dem belgischen Verband der Profi-Clubs aus.
Fußball-Übertragungen: Rechteinhaber DAZN erklärt den Vertrag mit der Pro League für "gemäß belgischem Recht gekündigt"
Es hat sich lange angedeutet, jetzt ist die Entscheidung gefallen: Fußball-Rechteinhaber DAZN beendet seinen Vertrag mit der belgischen Pro League, dem Verband der Profi-Clubs und behauptet, dies geschehe „gemäß belgischem Recht“. In einer Pressemitteilung vom Dienstag erklärte DAZN, es sei unmöglich gewesen, einen „wirtschaftlich tragfähigen Vertriebsvertrag“ abzuschließen.
„Daher bleibt DAZN keine andere Wahl, als die Kündigung des Vertrags mit der Pro League zu verkünden“, heißt es in der Erklärung. DAZN ist weiterhin gesprächsbereit mit der Pro League: „Wir sind weiterhin bereit, die Übertragung des belgischen Fußballs für den Rest der Saison im Rahmen einer neuen Vereinbarung mit der Pro League fortzusetzen, damit die Fans keine Nachteile erleiden.“
DAZN-Geschäftsführer Massimo D’Amario sagte dazu gegenüber der VRT-Sportredaktio, Sporza: „Kein Unternehmen kann gezwungen werden, Verluste zu machen. Das ist schlichtweg nicht machbar. In den vergangenen fünf Jahren hat DAZN die Pro League, ihre Vereine und ihre Fans unterstützt und damit unser langfristiges Engagement für den belgischen Fußball deutlich unter Beweis gestellt. Unser belgisches Team wird die Fans weiterhin professionell und respektvoll betreuen. Wir stehen weiterhin zum belgischen Fußball, seiner Leidenschaft, seinen Fans und der Fairness, die er verdient.“
Diese Entwicklung stellt nicht nur ein Problem für die Zuschauer dar, sondern ganz sicher auch für die Vereine selbst. Die Fernseheinnahmen, sprich die DAZN-Gebühren für die Ausstrahlungsrechte, sind eine bedeutende Einnahmequelle für die Clubs aus der ersten und der zweiten belgischen Fußballliga.
Wird belgischer Fußball dieses Wochenende noch zu sehen sein? Und was bedeutet das für die Vereine? Offene Fragen
Warum passiert das gerade jetzt?
Die Hinrunde der Jupiler Pro League ist gerade zu Ende, aber damit hat das nichts zu tun. Das Monatsende naht und das bedeutet, dass DAZN eine weitere Rate an die Pro League zahlen muss. Vor einem Monat herrschte bereits erhebliche Unsicherheit darüber, ob der Rechteinhaber diesen Betrag überweisen würde, was schließlich geschah. Da der Vertrag gekündigt wurde, werden keine weiteren Zahlungen geleistet. Eine Klage ist wahrscheinlich, dürfte aber kurzfristig wenig Erfolg bringen.
Wird dieses Wochenende kein belgischer Fußball im Fernsehen zu sehen sein?
Müssen Fußballfans ohne Stadiontickets jetzt leer ausgehen? Nicht unbedingt, so eine Mitteilung von DAZN: „DAZN ist offen für weitere Gespräche mit der Pro League und bereit, den belgischen Fußball für den Rest der Saison im Rahmen einer neuen Vereinbarung mit der Pro League weiter zu übertragen, damit die Fans nicht benachteiligt werden.“
DAZN drängt nun offenbar auf einen neuen Vertrag mit geänderten finanziellen Konditionen. Dieser neue Vertrag würde nur für die laufende Saison gelten. Sollte bis zum Wochenende keine Einigung erzielt werden, besteht die Möglichkeit, dass die Fans tatsächlich keinen Fußball im TV sehen werden. Es sei denn, die Pro League selbst hat einen Notfallplan mit einem eigenen Medienkanal. Die notwendigen Recherchen dazu wurden bereits durchgeführt, aber welcher Vertriebspartner ist zu einer möglichen Zusammenarbeit bereit?
Sollte die Zusammenarbeit mit DAZN endgültig scheitern, muss die Pro League selbst wieder aktiv werden. Dies kann durch eine Neuausschreibung erfolgen, wobei der günstige Preis dieses Deals wohl kaum erreicht werden wird.
Was bedeutet das für die Vereine?
Um es gelinde auszudrücken: Der Medienvertrag ist für viele Vereine von entscheidender Bedeutung. Eine wichtige Einnahmequelle - neben variablen Ablösesummen und beispielsweise gelegentlichen Europapokal- oder anderen internationalen Spielen - versiegt. „Sollte DAZN die Zahlungen einstellen - und das betrifft eine beträchtliche Summe, könnte dies für viele Vereine Liquiditätsprobleme verursachen“, erklärte Medienökonom Tom Evens vor einiger Zeit gegenüber Sporza: „Einige belgische Vereine sind zu einem Fünftel oder sogar einem Viertel von diesen Einnahmen abhängig.“
Dies betrifft vor allem mittelgroße und kleine Vereine. Sie könnten dann nicht mehr in der Lage sein, die Gehälter ihrer Spieler zu zahlen. Für diese Vereine kann dies tatsächlich den Unterschied zwischen Überleben und Aus bedeuten. Wenn Fußballspiele nicht mehr im Fernsehen übertragen werden, sinkt auch die Sichtbarkeit für alle Sponsoren. Die Vereine müssten daher in dieser Hinsicht einen Wertverlust hinnehmen.
Was passiert mit DAZN-Abonnenten?
Für Fußballfans mit einem DAZN-Abonnement gibt es viele Ungewissheiten. DAZN hat seine Kunden per E-Mail informiert. „Wir wollten Sie persönlich über diese Entwicklung informieren und Ihnen versichern, dass DAZN die Pro League um Rat fragt, wie die Auswirkungen auf Sie als Fußballfan minimiert werden können“, hieß es darin: „Es ist uns sehr wichtig, dass jeder Fan so früh wie möglich individuell über die Folgen dieser Situation informiert wird. Sobald die Situation weiter geklärt ist, werden wir Sie mit allen notwendigen Informationen kontaktieren.“
