In Houthulst in Westflandern wurden vier Personen im Zuge von Ermittlungen wegen Sozialbetrugs durch eine selbstständige Heim-Krankenpflegerin verhaftet. Die Pflegerin, ihr Partner, ihre Mutter und ein Mitarbeiter wurden festgenommen. Worum geht es genau?
Selbstständige Krankenpflegerin und Gemeinderätin in Houthulst wegen Sozialbetrugs in großem Stil verhaftet
Die Krankenpflegerin soll zeitweise bis zu 90 Leistungen bei Hausbesuchen von Patienten pro Tag abgerechnet haben, obwohl man nur bis zu 20 Patienten täglich betreuen kann. Daher vermuten die Behörden, dass viele dieser Leistungen nicht erbracht wurden, obwohl die Frau die entsprechenden Erstattungen von der Krankenkasse erhielt, so Filiep De Ketelaere vom Arbeitsauditoriat: „Man kann sich da schon fragen, ob es überhaupt menschlich möglich ist, so viele Leistungen an einem einzigen Tag zu erbringen.“
Die Krankenpflegerin wurde gestern bei einer Hausdurchsuchung verhaftet. Ihre Mutter, ihr Partner und eine Kollegin wurden ebenfalls festgenommen. Der potenzielle Schaden belief sich auf Millionen. Im Zuge der Durchsuchung und der Festnahmen wurden 17 Luxusfahrzeuge, Luxusgüter, Immobilien und Bargeld beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet diesen Fall als Betrug, der den belgischen Sozialstaat untergräbt.
Extrem schwerwiegende Folgen
„Die Folgen für die Gesellschaft sind äußerst schwerwiegend“, betont die Staatsanwaltschaft: „Solche Praktiken führen zu unrechtmäßig eingenommenen Beträgen in Millionenhöhe. Letztendlich muss der Steuerzahler die Zeche zahlen. Sie untergraben das belgische Sozialsystem und den in unserem Land bestehenden Sozialschutz. Dies setzt den Staat zusätzlich unter Druck. Daher ist es wichtig, gegen solche Missstände vorzugehen.“
Bei der betroffenen Krankenpflegerin handelt es sich um Stefanie Sander, Gemeinderätin für die rechtsradikale Partei Vlaams Belang in Houthulst. Sie und ihr Partner wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Vlaams Belang hat Sander vorläufig suspendiert.

