Die flämische Bildungsministerin Zuhal Demir (N-VA, Foto) wird die Disziplinarverfahren an flämischen Universitäten und Hochschulen überprüfen. Sie reagiert damit auf einen Bericht des VRT NWS-Nachrichtenmagazins „Pano“, der enthüllte, dass in den letzten zehn Jahren 45 Disziplinarverfahren gegen Professoren eingeleitet wurden. Nur drei davon führten zu einer Entlassung.
Toxisches Verhalten von Uni-Professoren: Disziplinarverfahren führen in Flandern kaum zu Sanktionen
Flanderns Bildungsministerin Demir lässt die Disziplinarverfahren an flämischen Universitäten und Hochschulen überprüfen. Ihrer Ansicht nach zeigt die neue Pano-Reportage, dass die Bildungseinrichtungen dieses doch hinlänglich bekannte Problem nicht allein bewältigen können. In den meisten Fällen geht es um toxisches Verhalten oder toxische Führung, oft begleitet von sexistischem Verhalten gegenüber Mitarbeitern oder Studierenden.
Zweite Reportage
Drei Jahre nachdem Pano in einer ersten diesbezüglichen Reportage aufgedeckt hatte, dass verschiedene Universitäten nicht ausreichend gegen unangemessenes Verhalten von Professoren vorgehen, legt ein neuer Pano-Bericht nahe, dass sich seither nicht viel geändert hat. Einige Universitäten haben ihre Verfahren zwar verschärft, doch Demir hält dies für unzureichend.
„Auch Professoren stehen nicht über dem Gesetz“, sagte sie am Donnerstagvormittag beim VRT-Sender Radio 1: „Die Zeiten, in denen alles intern geregelt wurde, sind vorbei.“ Demir wird die Disziplinarverfahren an allen Universitäten und Hochschulen überprüfen und gegebenenfalls anpassen lassen – „das sollte in den nächsten sechs Monaten geschehen.“
Unabhängiger Disziplinarausschuss?
Die flämische Nationaldemokratin setzt sich - gemeinsam mit Experten - für die Einrichtung einer unabhängigen Disziplinarbehörde ein. Laut Demir könnte eine solche Einrichtung entsprechende Meldungen oder Klagen auch schneller bearbeiten. „Warum muss ein Verfahren immer Jahre dauern? (…) Dieses Problem zieht sich schon seit Jahren hin. Sie (die Universitäten, Anm. d. Red.) hatten 2022 die Gelegenheit dazu, etwas zu unternehmen. Ich fand sie schon damals zu nachlässig, aber sie wollten das Problem selbst lösen und das ist offensichtlich nicht geschehen.“
Mehrere Universitäten haben seit dem letzten Pano-Bericht neue Rektoren bekommen. Jan Danckaert (VUB) und Petra De Sutter (UGent) signalisierten gegenüber der VRT-Pano-Redaktion ihre Bereitschaft zur Einrichtung eines unabhängigen Disziplinargremiums. „Die neuen Rektoren sind bereit, Fenster und Vorhänge zu öffnen, damit neues Licht hereinströmen kann“, schloss Demir.
