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Inland
Justiz

Dramatische Fälle: Akuter und struktureller Platzmangel in den Brüsseler Jugendgefängnissen

Ein Brüsseler Jugendrichter musste kürzlich einen 16-jährigen Jungen freilassen, obwohl dieser im vergangenen Jahr bereits sechsmal wegen Gewaltdelikten festgenommen worden war. Grund dafür ist der akute Platzmangel in Jugendstrafanstalten. Laut Brüsseler Staatsanwaltschaft ist dies ein alltäglicher Fall - also kein Einzelfall. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Staatsanwaltschaft der Hauptstadt-Region gibt an, dass derzeit über hundert Minderjährige auf einen Platz in einer Jugendstrafanstalt warten und dass die Liste stetig länger wird. Es herrscht ein struktureller Platzmangel in Brüssel, weshalb junge Straftäter oft auf freiem Fuß bleiben.

Brüssels Staatsanwaltschaft nennt konkrete Beispiele, etwa den Fall eines 16-Jährigen, der vor einem Jahr wegen Vergewaltigung in einem Park in Evere festgenommen wurde. Kurz darauf wurde er mehrfach verhaftet, u.a. wegen Körperverletzung, Angriffen von Personen im öffentlichen Raum, Erpressung eines anderen Jugendlichen und Raub mit Gewalt. Trotz dieser Vielzahl schwerer Straftaten steht der kriminelle Jugendliche derzeit erst auf Platz 73 der Warteliste für eine Einweisung in eine Justizvollzugsanstalt für Minderjährige.

Ein weiterer 16-Jähriger wurde innerhalb von drei Wochen dreimal wegen Drogen- und Waffenbesitzes festgenommen. Am 25. Oktober wurde er mit mehreren Beuteln Drogen erwischt und wieder freigelassen. Am 9. November wiederholte sich das Ganze. Er wurde wegen Drogendelikten festgenommen und musste aufgrund von Platzmangel in der Jugendstrafanstalt wieder freigelassen werden. Knapp drei Tage später wiederholte sich das Ganze. Er und ein anderer Minderjähriger wurden mit Munition in ihrem Auto erwischt. Und wieder wurde er freigelassen.

 Die Brüsseler Staatsanwaltschaft kündigt an, weiterhin täglich über diese Fälle zu informieren und betont damit die dringende Notwendigkeit politischen Handelns in diesem Bereich.

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