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Umweltorganisationen reichen neue Klage gegen den Ineos-Ethan-Cracker in Antwerpen ein

Fünfzehn Umweltorganisationen haben am Donnerstag eine neue Klage gegen das „Project One“, den Ethan-Cracker von Ineos im Hafen von Antwerpen, eingereicht. Sie stützen ihre Klage auf neue Studien, die auf bis zu 410 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung über einen Zeitraum von 40 Jahren hinweisen. Die Organisationen hoffen, dass der belgische Rat für Genehmigungsstreitigkeiten die fast fertiggestellte Anlage nun endgültig stilllegt. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Fünfzehn Umweltorganisationen, darunter Greenpeace Belgien, Dryade vzw und der WWF, reichen aufgrund ernsthafter Bedenken hinsichtlich der Luftverschmutzung und der Auswirkungen auf das Klima eine neue Klage gegen den fast fertiggestellten Ethan-Cracker von Ineos im Hafen von Antwerpen ein.

Neuen Studien zufolge könnte die Anlage über 40 Jahre bis zu 410 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung verursachen, zu Asthmafällen bei Kindern und vermehrten Krankenhausaufenthalten aufgrund von Atemwegs- und Herzerkrankungen führen. Der Ethan-Cracker könnte jährlich bis zu 3,8 Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen - vergleichbar mit den gesamten Emissionen eines Landes wie Kongo.

Ineos zeigte sich enttäuscht über die Klage und betonte, dass der Cracker laut Firmengründer Sir Jim Ratcliffe „der umweltfreundlichste in Europa“ sein werde. Umweltorganisationen wie Greenpeace Belgien, der WWF und Bond Beter Leefmilieu behaupten hingegen, dass sowohl die Klimaauswirkungen als auch die gesundheitlichen Folgen des Ethan-Crackers massiv unterschätzt worden seien. Die Umweltorganisationen verweisen vor allem auf die Gesamtemissionen im Zuge der gesamten Produktionskette.

Anlage fast fertig

„Da die Anlage fast fertiggestellt ist, können wir jetzt die Dringlichkeit des Problems verdeutlichen“, sagt Dries Verhaeghe von der gemeinnützigen Umweltorganisation Dryade: „Das ist der Unterschied zu früheren Verfahren. Normalerweise dauert ein Verfahren vor dem Rat für Genehmigungsstreitigkeiten ein Jahr. Jetzt müsste eine Entscheidung nur noch drei bis vier Monate dauern.“

Die gesamten CO₂-Emissionen sind vergleichbar mit denen eines Landes wie dem Kongo. Angesichts des aktuellen Klimanotstands müssen wir die Emissionen reduzieren und dürfen keine zusätzlichen Emissionen verursachen“

Dries Verhaeghe von Dryade vzw

Ineos selbst schätzt die direkten jährlichen Emissionen von Projekt One auf 655.000 Tonnen. „Ein Genehmigungsantrag für ein so großes Industrieprojekt muss den gesamten Produktionszyklus repräsentieren“, erklären die Organisationen. Die Berichte, auf denen die Beschwerde basiert, stammen von Energy and Clean Air Analytics und dem Centre for Research on Energy and Clean Air. Diese analysierten die geschätzten gesundheitlichen Auswirkungen im Umkreis von 50 Kilometern um „Project One“ herum. Laut diesen Studien würde alleine die Stickstoffbelastung innerhalb von 40 Jahren zu etwa 280 Todesfällen führen.

Ineos enttäuscht

Ineos reagiert enttäuscht auf die neue Klage. „Die NGOs entscheiden sich erneut für den Rechtsweg, obwohl wir sie zum Dialog über ihre Bedenken eingeladen haben“, so ein Sprecher. Das Unternehmen bedauert, dass die Rechtssicherheit für Investitionen in die europäische Industrie immer wieder untergraben wird. Trotz des Widerstands ist Ineos-Gründer Sir Jim Ratcliffe weiterhin vom Geschäftsmodell überzeugt. „Wir brauchen Ethylen für alles. Von den 42 Crackern in Europa wird dieser der umweltfreundlichste und daher der interessanteste sein“, erklärte er bei einem Besuch vor Ort im vergangenen Sommer. Der Ethylen-Cracker soll Mitte 2027 in Betrieb gehen.

Tatiana Luján, Anwältin bei ClientEarth, betont die Bedeutung dieses Falls: „Dies ist das erste Mal, dass ein Gericht über Scope-3-Emissionen im Zusammenhang mit der Kunststoffproduktion entscheidet.“ Scope 3 umfasst Emissionen über den gesamten Lebenszyklus aller Produkte, die ein Unternehmen kauft, herstellt oder verkauft.

Schon vier Klagen gegen „Project One“

Der Ethylen-Cracker hat bereits eine turbulente Geschichte hinter sich. Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA) erteilte im Januar 2024 eine bedingte Genehmigung, gefolgt von einer neuen Genehmigung Ende Juli nach dem Inkrafttreten des neuen flämischen Stickstoffabkommen. Die niederländischen Provinzen Zeeland und Nord-Brabant hatten zuvor ebenfalls Klage eingereicht, diese jedoch später zurückgezogen.

Die britische und die flämische Regierung haben umfangreiche finanzielle Garantien für das Projekt zugesagt. Die britische Regierung hat eine Garantie in Höhe von 700 Mio. € zugesagt und die flämische Regierung bietet eine Garantie in Höhe von 500 Mio. € an. Flandern hat für den Bau des Ethan-Crackers kürzlich auch einen Nachhaltigkeitszuschuss in Höhe von 2 Mio. € gewährt.

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