ArcelorMittal Belgium ist noch nicht bereit, die größte Klimainvestition in der Geschichte Belgiens umzusetzen. Dies erklärte CEO Frederik Van De Velde diese Woche bei einer Anhörung im belgischen Bundesparlament. Laut Van De Velde hält das Stahlunternehmen weiterhin an der Nachhaltigkeit seines Werks in Gent (Fotos) fest, die aktuelle Marktlage lasse einen solchen Schritt aktuell jedoch nicht zu.
ArcelorMittal verschiebt die Umstellung seines Stahlwerks in Gent auf Nachhaltigkeit: „Der Markt ist noch nicht bereit dafür“
„Angesichts der Marktlage würde eine solche Investition zum jetzigen Zeitpunkt einen negativen Ertrag bringen“, so Van De Velde: „Wir halten an unserem Plan fest, werden ihn aber zum geeigneten Zeitpunkt umsetzen.“ Die geplante Investition wurde 2021 angekündigt und wäre die größte Klimainvestition in der Geschichte Belgiens gewesen. In Gent war die vollständige Umstellung des konventionellen Hochofenprozesses auf ein CO₂-armes Produktionsverfahren mit neuen Anlagen zur Herstellung von vorreduziertem Eisenerz (DRI) in sogenannten Lichtbogenöfen geplant. Die geplante Investition von rund 2 Mia. € sollte die CO₂-Emissionen des Werks drastisch reduzieren und die Stahlproduktion in Flandern dauerhaft verankern und eben nachhaltiger gestalten.
Solche Investitionen in Europa vorerst ausgesetzt
Das Werk in Gent sollte innerhalb des europäischen Teils des internationalen Stahlkonzerns eine Vorreiterrolle einnehmen. ArcelorMittal plant außerdem, sein Werk in Dünkirchen (Nordfrankreich) umweltfreundlicher zu gestalten, wo die Strompreise dank des günstigen französischen Atomstroms deutlich niedriger sind. Doch der Vorstandsvorsitzende des ArcelorMittal, Aditya Mittal, hat all diese Investitionen vorerst gestoppt. Dies hat sowohl in Belgien als auch in Frankreich für politische Turbulenzen gesorgt, wo sich das Management von ArcelorMittal vor einem Parlamentsausschuss verantworten musste.
Belgien-CEO Frederik Van De Velde hält diese Entscheidung jedoch für realistisch, wie er gegenüber belgischen Abgeordneten im Rahmen einer Anhörung erklärte: „Die Kunden sind derzeit nicht bereit, mehr für kohlenstoffarm produzierten Stahl zu zahlen. Ohne eine europäische Verpflichtung zur Reduzierung der CO₂-Intensität von Fertigprodukten bleibt die Nachfrage begrenzt.“
Steuern?
Zudem führen hohe Energie- und Lohnkosten sowie die europäische CO₂-Steuer weiterhin zu einem wenig fairem Wettbewerb, so der belgische Arcelor-CEO: „Europa kann nicht von uns Milliardeninvestitionen in die Dekarbonisierung verlangen, während wir eine CO₂-Steuer zahlen, die andere nicht zahlen müssen.“ Van De Velde betonte außerdem, dass die Zukunft der europäischen Stahlindustrie stark vom Automobilsektor abhängt, einem der größten Kunden von ArcelorMittal: „Wenn wir diese Kunden verlieren, sehe ich keine Zukunft für unsere Unternehmen.“
Keine Investitionen, keine Subventionen
Nach der Ankündigung von ArcelorMittal bezüglich der Umstellung auf kohlenstoffarme Stahlproduktion stellten die Regierungen in Bund und Ländern in Belgien erhebliche Mittel bereit. Flandern beteiligt sich über die Finocas-Investitionsgesellschaft und auch auf Bundes- und EU-Ebene wurden Unterstützungen gewährt. Frederik Van De Velde bekräftigte jedoch am Dienstag, dass das Unternehmen keine Subventionen für nicht realisierte Projekte erhalten werde: „Wir erhalten keine Subventionen für Dinge, die wir nicht tun. Es muss eine echte wirtschaftliche Rechtfertigung geben, andernfalls ist diese Unterstützung sinnlos.“
Arbeitsplätze sind nicht gefährdet
ArcelorMittal beschäftigt derzeit 5.000 Mitarbeiter in Belgien und Studien zufolge hängen weitere 30.000 indirekte Arbeitsplätze mit der belgischen Stahlindustrie zusammen. Während der Anhörung in dieser Woche stellten einige Fraktionen – N-VA, CD&V, Vooruit, PS und Les Engagés – Fragen zur Zukunft der Beschäftigung in Belgien. Die Abgeordneten wollten wissen, ob die Verschiebung von Investitionen Auswirkungen auf den Personalbestand in Gent und anderen belgischen Standorten haben würde.
Van De Velde versicherte ihnen, dass die Beschäftigung nicht gefährdet sei: „Wir wollen unsere Präsenz in Belgien und in Europa aufrechterhalten. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Werke in den verschiedenen Regionen eine Zukunft haben. Einige Dienstleistungen werden zwar nach Indien verlagert, aber dies wird nur begrenzte Auswirkungen auf die Beschäftigung in Belgien haben.“
