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Inland
Justiz

Der frühere belgische Spitzenpolitiker Didier Reynders steht offiziell wegen Geldwäsche unter Anklage

Gegen den ehemaligen EU-Kommissar und belgische Finanzminister Didier Reynders (MR, Foto) ist offiziell wegen Geldwäsche unter Anklage gestellt worden. Dies berichten die Tageszeitungen De Standaard und Le Soir sowie das Magazin Le Vif und die niederländische Rechercheplattform „Follow The Money“. Inzwischen sind diese Meldungen gegenüber VRT NWS aus Justizkreisen bestätigt worden. Reynders soll bereits am 16. Oktober von Ermittlern vernommen worden sein.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Im Dezember 2024 wurde bekannt, dass eine gerichtliche Untersuchung wegen möglicher Geldwäschepraktiken durch Didier Reynders läuft. Der frankophone Liberale, Ex-EU-Justizkommissar und mehrfache belgische Bundesminister soll jahrelang mit Bargeld Lose der Nationalen Lotterie an einer Tankstelle in der Brüsseler Gemeinde Ukkel gekauft haben, um die Gewinne „gewaschen“ wieder auf sein Konto einzahlen zu können. Der Ball kam ins Rollen, nachdem die Nationale Lotterie 2022 den zuständigen Behörden einen Verdacht auf Geldwäsche gemeldet hatte.

Die Geldwäscheuntersuchung befasst sich auch mit der regelmäßigen Einzahlung unterschiedlicher Bargeldbeträge bei der Bank von Didier Reynders. Es soll sich um verdächtige Transaktionen in Höhe von insgesamt 1 Mio. € handeln. Fast ein Jahr nach Bekanntwerden des Falls steht Reynders jetzt offiziell unter Verdacht. Dies sei jedoch nicht der Fall für Reynders' Ehefrau, die frühere Richterin Bernadette Prignon, schreibt De Standaard. Am Anfang der Untersuchung wurde auch gegen sie ermittelt. Prignon ist heute Ehrenrichterin am Berufungsgericht von Lüttich.

Weder die Staatsanwaltschaft, noch der Betroffene selbst oder seine Anwälte äußerten sich zu der Anklage: „Wir behalten unseren Kommentar der Justiz vor.“ Eine Anklage hebt die Unschuldsvermutung nicht auf. Allerdings bedeutet ein solcher Vorgang auch, dass ernste Hinweise auf eine mögliche Schuld vorliegen.

Hintergrund

Didier Reynders soll jahrelang mit Bargeld Lose der Nationalen Lotterie gekauft haben. Dabei soll es um Lose im Wert von bis zu 200.000 € gekauft haben. Die Gewinne zahlte er auf sein Konto ein. Auf diese Weise konnte das Geld gewaschen werden.

Die Ermittlungen beziehen sich auch auf Bargeldbeträge, die Reynders zwischen 2008 und 2018 auf ein Konto bei der ING-Bank eingezahlt hat. Es handelte sich jeweils um relativ kleine Beträge, die sich jedoch insgesamt auf 700.000 € beliefen. Zusammen mit den Beträgen für die Rubbellose der Nationallotterie handelt es sich um insgesamt etwa 1 Mio. €.  

Die Staatsanwaltschaft Brüssel führt auch eine separate Untersuchung zur Rolle der ING in dieser Angelegenheit durch. Die Bank stellte erst 2018 erstmals Fragen zu den Einzahlungen und informierte die Behörde für Finanzinformationen (CFI), sprich die belgische Kontrollbehörde für Finanztransaktionen und Geldwäsche erst 2023. Normalerweise müssen Banken verdächtige Transaktionen sofort melden.

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