Mehrere Naturschutzorganisationen und 1.330 Brüsseler Bürger hatten vor Gericht einen vorläufigen Baustopp für Grünflächen beantragt. Ein Richter gab ihnen jetzt Recht und untersagte der Brüsseler Hauptstadt-Region vorläufig, Grünflächen zu bebauen, bis ein neuer Flächennutzungsplan verabschiedet ist, wie die Nachrichtenplattform BRUZZ meldet. Unser Foto zeigt das ehemalige Bahngelände am Josaphat-Park in Schaarbeek, um das schon lange getstritten wird. Hier sollen Sozialwohnungen entstehen, doch Naturschützer und Anwohner wollen diese "grüne Lunge" in der Gemeinde behalten.
Erfolg für Naturschützer: Richter ordnet Baustopp auf Brüsseler Grünflächen an
„Am Mittwoch, dem 29. Oktober, entschied das französischsprachige Gericht erster Instanz gegen die Region Brüssel“, meldeten mehrere regionale Naturschutzorganisationen, darunter „We Are Nature“ und „Bruxelles Nature“. Das Gericht ordnete an, dass die Region „die notwendigen Maßnahmen ergreifen muss, um die Bebauung und Versiegelung von unbebauten Flächen über 0,5 Hektar innerhalb ihres Gebiets auszusetzen“.
Damit gilt ein vorläufiger Baustopp für Grünflächen bis zum 31. Dezember 2026, sofern bis dahin kein neuer regionaler Flächennutzungsplan verabschiedet wurde. „Dieses Urteil ist das Ergebnis langer Bemühungen und ermöglicht den vorübergehenden Schutz zahlreicher bedrohter Gebiete“, erklärten die klagenden Verbände.
Laut ihren Angaben wird das Urteil Auswirkungen auf Bauvorhaben in Gebieten wie Josaphat (Foto oben) und Distelhoek in Schaarbeek, Wielsmoeras und Bempt in Vorst sowie im Grand Forestier an der Grenze zwischen Auderghem und Watermael-Boitsfort haben. Der vorübergehende Baustopp gilt für Bauvorhaben mit einer Fläche von mehr als einem halben Hektar, was in etwa der Größe eines Fußballfeldes entspricht.
Historisch?
„Ein gerichtliches Bauverbot für bestimmte Gebiete ist eine historische Entscheidung, nicht nur regional, sondern global“, so die klagenden Verbände. „Wir haben geklagt, weil diese Grünflächen wichtig sind, um die Stadt vor den Auswirkungen der Klimakrise zu schützen“, erklärte Søren Stecher-Rasmussen von „We Are Nature“: „Brüssel wird in den kommenden Jahren extreme Hitzewellen oder Starkregen erleben, wie wir es bereits in Valencia und Verviers gesehen haben. Naturschutzgebiete tragen dazu bei, diese Auswirkungen abzumildern, indem sie die Temperaturen senken und Wasser aufnehmen.“
Die Naturschutzorganisationen wollen die letzten verbliebenen Naturflächen schützen, die laut Stecher-Rasmussen etwa 150 bis 200 Hektar in Brüssel umfassen: „Wir wollen dies in einem neuen regionalen Flächennutzungsplan verankern. Da dieser Plan aber noch nicht existiert, haben wir das Gericht gebeten, ein Moratorium für die Bebauung dieser Grünflächen zu verhängen. Andernfalls werden all diese Gebiete bebaut sein, bevor wir sie schützen können.“
Vertagt
Stecher-Rasmussen ist mit dem Urteil zufrieden: „Der Richter hat unsere Argumente akzeptiert. Brüssel hat sich in verschiedenen internationalen Verträgen zum Naturschutz verpflichtet. Wir haben nun bis Ende nächsten Jahres Zeit, an einem klimaresistenten Flächennutzungsplan weiterzuarbeiten.“
Abschließend fügt er hinzu, dass sich seine Organisationen der Wohnungskrise in Brüssel bewusst sind: „Für uns gehen der Kampf gegen die Klimakrise und die Wohnungskrise Hand in Hand, und es gibt kein ‚Natur versus Wohnen‘. Unserer Meinung nach sollte Brüssel dem Beispiel von Städten wie Amsterdam, Paris und Berlin folgen und sich viel stärker darauf konzentrieren, leerstehende Bürogebäude in Wohnraum umzuwandeln, freie Wohnungen verfügbar zu machen und den Wohnungsmarkt besser zu regulieren. Denn die Wohnungskrise trifft vor allem die einkommensschwächsten Bevölkerungsschichten. Es besteht keine Notwendigkeit, noch mehr Grünflächen zu bebauen.“
