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Flanderns Innenministerin lässt „Parallelgesellschaften“ in flämischen Gemeinden untersuchen: „Kann zu Misstrauen und Feindseligkeit führen“

Flanderns Innenministerin Hilde Crevits (CD&V, Foto) wird die Segregation in einigen flämischen Gemeinden untersuchen. Neben den Großstädten betrifft dies auch z.B. Beringen und Heusden-Zolder in der Provinz Limburg sowie Zele im Arrondissement Dendermonde in Ostflandern. Die Studie soll Einblicke in Gemeinschaften oder Viertel geben, in denen sich Menschen aufgrund ihrer Religion oder ihres kulturellen Hintergrunds von den anderen abgrenzen. Die flämische Regierung lässt sich diese Studie rund 200.000 € kosten.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Untersuchung sogenannter „Parallelgesellschaften“ in Flandern beginnt im Februar 2026, um der sogenannten „Segregation“ - dem Phänomen des Lebens in getrennten Gemeinschaften - entgegenzuwirken. Dies berichtete das flämische Nachrichtenmagazin Knack. Das Kabinett von Innenministerin Crevits bestätigte die Meldung gegenüber VRT NWS. Für die entsprechende Studie wurden insgesamt rund 200.000 € eingeplant. „In einer hochdiversen Gesellschaft ist es daher nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere Neuankömmlinge, zunächst nach einer eigenen Gemeinschaft suchen“, heißt es in der Aufgabenbeschreibung.

„Wenn dies jedoch zu einem weit verbreiteten Reflex wird und sich Menschen vollständig in ihre vertrauten Umgebungen zurückziehen, wird der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft potenziell untergraben“, so die Beschreibung weiter. „Im Extremfall entstehen parallele, segregierte oder geschlossene Gemeinschaften, die sich - bewusst oder unbewusst - aufgrund ethnokultureller und/oder religiöser Zugehörigkeit räumlich abgrenzen und sich von der übrigen Gesellschaft abschotten. Wenn Menschen wenig oder gar keinen Kontakt zur Gesellschaft haben, besteht die Gefahr von Fehlinformationen und Desinformationen über die ‚Außenwelt‘. Dies kann zu Misstrauen, Missverständnissen und Feindseligkeit sowie zur Ablehnung der Gesellschaft führen.“

Die Untersuchung besteht aus zwei Hauptteilen: Zunächst müssen die Wissenschaftler genau erfassen, welche parallelen Gemeinschaften existieren. Dies basiert auf ethnokulturellen und/oder religiösen Kriterien. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Initiierung und Auswertung von Experimenten in den Kommunalverwaltungen, die auf den Erkenntnissen des ersten Teils beruhen. Alle Ergebnisse sollen bis 2029 vorliegen.

Anzeichen für Segregation in den ehemaligen Bergbaustädten Heusden-Zolder und Beringen in Limburg

Das Kabinett bzw. das Büro der flämischen Innenministerin hat bereits Hinweise darauf erhalten, wo Segregation auftritt. Neben Großstädten wie Antwerpen, Gent und Brüssel umfasst die Studie auch Zele (Bezirk Dendermonde in Ostflandern) sowie Beringen und Heusden-Zolder in Limburg.

Der Bürgermeister von Heusden-Zolder, Mario Borremans (GOED), ist fest entschlossen, an der Studie teilzunehmen. Auch er hat festgestellt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen getrennt vom Rest der Bevölkerung leben: „Wir haben natürlich eine Bergbauvergangenheit  und Segregation hat sich historisch entwickelt. In Heusden-Zolder leben hauptsächlich Türken und Italiener. Über die Jahre hinweg hat sich eine eigene Gemeinschaft innerhalb der Stadt entwickelt. Ich denke, wir müssen uns verstärkt um Integration bemühen. Es gibt immer Verbesserungspotenzial, insbesondere in der Raumordnung und im Bildungswesen. Selbstverständlich müssen wir die freie Schulwahl respektieren, aber es wäre gut, wenn wir als Stadtverwaltung Instrumente hätten, um dies besser zu steuern.“

Auch Beringen ist eine ehemalige Bergbaustadt und hat wie Heusden-Zolder mehrere eigenständige Gemeinschaften. „Wir haben unter anderem eine große türkische Gemeinde. Sie hat sich über die Jahre hinweg in bestimmten Vierteln niedergelassen und so eine Art Stadt in der Stadt geschaffen“, konstatierte Bürgermeister Thomas Vints (CD&V) gegenüber VRT NWS: „Daran ist nichts auszusetzen, aber wir müssen darüber nachdenken, wie wir gut zusammenleben können. Ich denke, wir können definitiv daran arbeiten, eine Verbindung zueinander aufzubauen. Wir sollten das nicht tun, indem wir übereinander reden, sondern miteinander.“

Interkulturelles Fest in Beringen

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