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Warum darf Sint-Gillis als einzige Brüsseler Gemeinde ihr Rathaus als Stadthaus bezeichnen?

Neben Brüssel-Stadt ist Sint-Gillis die einzige Brüsseler Gemeinde, die über ein Rathaus, auf Französisch „Hôtel de Ville“, verfügt. Und das, obwohl die Gemeinde nie eine Stadt war. Der Hintergrund: Ein besonderes Gebäude, das einst auf dem Gebiet stand, wie die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ in ihrer Reihe Big City herausgefunden hat. „Es zeigt, wie stolz die Einwohner von Sint-Gillis schon immer auf ihre Gemeinde waren”, erzählt der „Pate“ von Sint-Gillis selbst, PS-Bürgermeister Jean Spinette. „Offiziell keine Stadt sein, aber dennoch die Bezeichnung Rathaus wählen”, sagt er lachend.

Andreas Kockartz
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Dass ein Ort zu einer Stadt heranwuchs, konnte früher verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel, weil sich auf dem Gebiet eines Dorfes oder einer Gemeinde ein wichtiges Gebäude befand, wie ein Schloss oder eine andere Residenz eines Machthabers. Aber auch, weil die Einwohnerzahl eines Dorfes oder Weilers innerhalb weniger Jahre exponentiell anstieg.

Für Sint-Gillis hätte letzteres ein plausibler Grund sein können. Die Gemeinde war nämlich früher ein Weiler namens „Obbrussel”. Der Name leitet sich wörtlich von der Lage des Weilers ab, der sich in einem höher gelegenen Teil gegenüber der Stadt Brüssel befand. Im 13. Jahrhundert wuchs die Einwohnerzahl des Dorfes so stark an, dass es sich veränderte und zur Gemeinde Sint-Gillis wurde: dem Vorort von Brüssel im Süden.

Obwohl die Einwohnerzahl in den folgenden Jahrhunderten weiter anstieg und heute etwa 50.000 beträgt, war Sint-Gillis nie eine Stadt. Man hat sich hier das Privileg angeeignet, das Bürgerhaus inoffiziell als Rathaus zu bezeichnen. „Der Grund dafür ist das Fort von Monterey“, erzählt Bürgermeister Spinette: „Es stand nicht weit von dem Ort entfernt, den wir heute als Vorplatz von Sint-Gillis kennen.“

Das Fort von Monterey

Im 17. Jahrhundert entstand an der Stelle, an der sich heute noch die Fortstraat befindet, das Fort von Monterey. Es war sechs Hektar groß. Dass die Mauern sechs Meter dick und sieben Meter hoch waren, hatte einen guten Grund. Das Fort diente dazu, die Stadt an der Südseite vor Feinden zu schützen. In dem Gebäude befanden sich auch ein Gefängnis, eine „Kommandozentrale“ und eine Kaserne.

Die Vergangenheitsform ist hier angebracht, denn die letzten Teile der Festung verschwanden 1862. Heute ist davon im Straßenbild nichts mehr zu sehen. Aber das Rathaus verdankt seinen Namen noch immer der Festung. Die Gemeinde war der Meinung, dass sie mit einer Festung auf ihrem Gebiet das Privileg hatte, ihr Rathaus so zu nennen.

Damals war es allerdings noch nicht das prestigeträchtige Rathaus am Maurice Van Meenenplein, das wir heute kennen. Dieses wurde erst 1904 eingeweiht. Die Grundsteinlegung des Gebäudes ist übrigens leicht zu finden. Rechts unterhalb des Eingangs befindet sich ein Stück Beton mit der Aufschrift „eerste steen” (erster Stein). Es geht das Gerücht um, dass in diesen Stein alte Münzen und Pläne des Gebäudes mit eingegossen wurden… 

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