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Die neue Straßenbahn in Lüttich: Die erste Halbjahresbilanz

Die Straßenbahn in Lüttich ist seit sechs Monaten in Betrieb. Die Fahrgastzahlen sind gut, doch es gab mehr Unfälle als erwartet. Zudem braucht das neue Tramnetz noch einiger Optimierungen. Mit 30.000 Fahrgästen täglich zum offiziellen Betriebsstart Ende April 2025 und aktuell 50.000 Pendlern während der Schulwochen bewertet die regionale ÖPNV-Gesellschaft TEC die Akzeptanz dieses neuen Verkehrsmittels in der Stadt positiv. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Man freut sich bei der Lütticher Tram über die rund 300.000 Fahrgäste pro Woche. Weniger erfreulich ist allerdings die Tatsache, dass es in sechs Monaten zu 33 Unfällen mit den Straßenbahnen kam, zumeist Zusammenstöße mit Autos aber auch Personenunfälle - zum Glück ohne tödlichen Ausgang. Aber, mehr Unfälle als erwartet. Es braucht offenbar Zeit, bis sich die anderen Verkehrsteilnehmer in Lüttich an die Straßenbahn gewöhnt haben.

In den letzten Wochen scheint sich die Situation aber verbessert zu haben. Die Unfälle führten zu teilweise längeren Stillständen der Straßenbahnen, z.B. wenn Reparaturen erforderlich waren. Der Wartungspartner, Tram Liège Maintenance (TLM), musste sich ebenfalls erst einarbeiten und seine Teams und Abläufe anpassen. Zwischen einem öffentlichen und einem privaten Betreiber sind die Abläufe, Maßstäbe und Anforderungen nicht immer gleich…

Was läuft nicht?

Die Park-and-Ride-Parkplätze in Bressoux und Sclessin - die jeweiligen Endpunkte der Lütticher Tramlinie - funktionieren nicht, denn sie werden kaum genutzt. Wie bei Unfällen braucht es Zeit, bis sich die Bevölkerung und die Pendler an die Straßenbahn und ihre Möglichkeiten gewöhnt haben. Viele Pendler von außerhalb wissen offenbar einfach noch nicht, dass man mit einer Tramfahrt eine Autofahrt ins Lütticher Stadtzentrum vermeiden kann.

 „Auch wir müssen unsere eigenen Abläufe verbessern“, erklärte Michel Schoonbroodt, Geschäftsführer der wallonischen Nahverkehrsgesellschaft TEC für die Region Lüttich-Verviers gegenüber der regionalen Nachrichtenplattform qu4re: „Der Betrieb der P+R-Parkplätze und die Preisgestaltung sind zu unklar. Das müssen wir gemeinsam mit TLM klären.“

Neue Abläufe auch im Lütticher Busnetz

Die Einführung der Straßenbahn ging mit einer kompletten Modernisierung des Busnetzes und der Inbetriebnahme der ersten Busspurlinie einher. Schoonbroodt betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit der Stadt Lüttich, den Nachbargemeinden und anderen Beteiligten.

Er räumte ein, dass die Gewohnheiten der gesamten Bevölkerung, einschließlich der betroffenen rund 1.000 TEC-Busfahrer, beeinträchtigt wurden. Dies könne zu Spannungen führen. Anpassungen an bestimmten Strecken seien bereits vorgenommen worden und die Anpassungen, die aufgrund der jetzt gesammelten Erfahrungen, werden fortgesetzt, so Schoonbroodt gegenüber qu4tre.

Die Straßenbahn von Lüttich

Das Lütticher Netz besteht aus 12 Kilometern Tramschienen zwischen Bressoux/Droixhe und Sclessin via Place Saint-Lambert und dem Bahnhof Liège-Guillemins (insgesamt 23 Haltestellen).

Für den Betrieb wurden 20 siebenteilige Straßenbahnen des Typs Urbos des spanischen Herstellers CAF angeschafft (Foto oben). Die Zweirichtungswagen sind 45,4 m lang und 2,65 m breit und verfügen über 8 Türen pro Seite und 58 Sitzplätze bei insgesamt 310 Fahrgästen.

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