Beim Chemiekonzern BASF Antwerpen werden bis Ende 2028 rund 600 Arbeitsplätze abgebaut. Dies gab das Unternehmen am Mittwoch bekannt. Das betrifft fast jeden fünften Arbeitsplatz am BASF-Standort im Antwerpener Hafen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die Fixkosten bis 2028 (im Vergleich zu 2024) strukturell um 100 Mio. € senken zu wollen. Diese Summe ist inzwischen auf 150 Mio. € erhöht worden. Flanderns Ministerpräsident Matthias Diependaele (N-VA) wertet den Stellenabbau bei BASF als Hinweis darauf, dass die Industrie in Belgien ein strukturelles Problem hat.
BASF Antwerpen baut bis 2028 rund 600 Arbeitsplätze ab
„Der wirtschaftliche Kontext sowie das Fehlen einer greifbaren Wirkung von Maßnahmen zur Unterstützung der Industrie zwingen das Unternehmen, erneut einzugreifen“, heißt es bei BASF dazu. Da die Fixkosten hauptsächlich aus Personalkosten bestehen, führen die zusätzlichen Einsparungen zwangsläufig zu Arbeitsplatzverlusten, wie BASF weiter erklärt.
Betriebsbedingte Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen seien bei BASF kein Thema, lässt man dort wissen: „Das Unternehmen setzt maximal auf die Übergänge von Job zu Job.“ Der deutsche Chemiekonzern wird aber auch das Managementteam in Antwerpen verkleinern. Danach wird dort jede dritte Führungsposition gestrichen.
BASF Antwerpen ist das zweitgrößte Produktionszentrum des deutschen Chemiekonzerns weltweit. Hier arbeiten aktuell über 3.000 Beschäftigte.
Gewerkschaften: „Die Auswirkungen werden enorm sein“
„Die Auswirkungen werden enorm sein, sowohl für die Menschen, deren Arbeitsplätze verschwinden, als auch für diejenigen, die ihre Arbeitsplätze behalten, aber die Arbeit anderer übernehmen müssen“, sagte Jan Vlegels von der sozialistischen Gewerkschaft ABVV zu der Hiobsbotschaft bei BASF: „In den kommenden Wochen sollte klar werden, welche Abteilungen und Stellen abgebaut werden müssen. Arbeitnehmer und Gewerkschaften werden dann systematisch informiert“, erklärt Vlegels.
Er unterstreicht, dass sich die Gewerkschaften dagegen wehren werden. Was den Gewerkschaften auch üben aufstößt, ist die Tatsache, dass die Aktionäre bei den geplanten Einsparungen bei BASF wohl einmal mehr verschont werden und, wie gewohnt, ihre Dividenden bekommen.
Hat die Industrie in Belgien ein strukturelles Problem?
Flanderns MP Diependaele glaubt angesichts des Stellenabbaus bei BASF, dass die belgische Industrie an einem strukturellen Problem leidet. Dass sie sich in einer Krise befinde, die nur vorübergehend sei, habe sich als Fehler erwiesen.
Es handelt sich nach Ansicht des flämischen Nationaldemokraten vielmehr um ein strukturelles Problem. Er rief u.a. die EU dazu auf, mehr für die Wettbewerbsfähigkeit für die belgische Wirtschaft zu unternehmen.
Arbeitgeberverbände: „Weiterer Schlag für die Industrie“
Die Nachricht ist nicht nur für die BASF-Mitarbeiter ein Schock. Sie ist „ein weiterer Schlag für die Industrie in Flandern“, glaubt Frank Beckx, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands VOKA in Flandern in einer ersten Reaktion: „Wir müssen alles tun, um die Kronjuwelen der flämischen Industrie hier zu erhalten. Die Industrie ist die Grundlage unseres Wohlstands.“
Eine ähnliche Meinung äußert auch Essenscia, der Dachverband der Chemiebranche in Belgien. „Das sind schlechte, traurige Nachrichten für alle Betroffenen“, sagte Essencia-CEO Yves Verschueren: „Gleichzeitig müssen wir uns eingestehen, dass dies leider vorhersehbar war. Seit Monaten fordern wir drastische Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie wiederherzustellen. Diese Ankündigung unterstreicht einmal mehr die Dringlichkeit dieser Forderung gegenüber der Regierung, den Sozialpartnern und allen, denen der Fortbestand der Industrie in unserem Land am Herzen liegt.“
„Wir werden uns weiterhin mit allen Mitteln für den Erhalt des starken Chemieclusters im Hafen von Antwerpen einsetzen. Wir wollen diese Zukunft durch Vereinbarungen mit politischen Entscheidungsträgern und den Sozialpartnern sichern,“, so Verschueren abschließend.“
