Der Verwaltungsrat des Nationalen Instituts für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV, in Flandern RIZIV) hat das Gesundheitsbudget 2026 genehmigt, so Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit). Die Regierung hatte das Budget vorgeschlagen, weil sich die Partner innerhalb der LIKIV nicht einigen konnten.
Eigenbeteiligung bei Medikamenten und Antibiotika nur noch für die Dauer der Behandlung: Das Gesundheitsbudget in Belgien für 2026
„Kranken muss geholfen werden, ohne, dass sie Angst vor unbezahlbaren Rechnungen haben zu müssen“, sagte Gesundheitsminister Vandenbroucke von den flämischen Sozialisten Vooruit. Da die Menschen inzwischen länger leben und die Gesundheitsversorgung komplexer und teurer wird, ist es dem Minister wichtig, die verfügbaren Ressourcen sparsam und effizient einzusetzen. Dennoch erhält die Krankenversicherung im nächsten Jahr zusätzliche 1,5 Mia. €. Das entspricht dem Wachstumsziel von 2 % zuzüglich Indexierung. Um das steigende Budget einzuhalten, müssen die Kosten aber in Grenzen gehalten werden. Die verschiedenen Gesundheitssektoren müssen dazu beitragen.
Pharmasektor: 228 Mio. €
Die Regierung will unnötigen Medikamentenverbrauch und -verschwendung verhindern. Die wichtigsten Maßnahmen sind: Pharmaunternehmen werden verpflichtet, einen Rabatt auf ihre Medikamente anzubieten.
Antibiotika müssen für den Behandlungszeitraum statt pro Packung verschrieben werden.
Eine Mindestzuzahlung/Eigenbeteiligung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten von mindestens 2 € pro Packung bzw. 1 € für Personen mit geringem Einkommen wird eingeführt.
Die Kostenbeteiligung durch die Gesundheitsversicherung wird auf weitere Medikamente ausgeweitet und umfasst u.a. auch Antiallergika.
Die Zuzahlung für Antazida (Medikamente zur Linderung von Magensäure) und cholesterinsenkende Medikamente wird für Patienten mit leichteren Erkrankungen erhöht.
Medizinische Leistungen von Ärzten: 150 Mio. €
Die wichtigsten Neuerungen betreffen vor allem die medizinische Bildgebung (Scans, Röntgenbilder) und die entsprechende Verschreibung:
CT-Scans müssen von mehreren Fachärzten verschrieben werden, um zu viele Verschreibungen zu vermeiden.
Chirurgische Assistenz während einer Operation darf nur dann abgerechnet werden, wenn sie wirksam war. Derzeit geschieht dies noch zu oft automatisch.
Ärzte müssen kosteneffizienter und rationaler verschreiben.
Krankenhäuser und andere Sektoren: 97 Mio. €
Die Regierung will vor allem durch Effizienzsteigerungen Kosten einsparen. Darüber hinaus werden hier und da zusätzliche Investitionen getätigt. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
Telefonische Beratung oder Videosprechstunden in Ärztehäusern werden wieder erstattet.
Die Kostenbeteiligung durch die Gesundheitsversicherung wird um psychiatrische Behandlungen und Medikamente wie Antiallergika erweitert.
Die Eigenbeteiligung für Hausarztbesuche wird nicht erhöht.
Unterschiedliche Reaktionen
Luc Van Gorp von der christlichen Krankenkasse CKK (CM in Flandern) ist erfreut darüber, dass die Regierung einen früheren Vorschlag der Krankenkassen und Gesundheitsdienstleister für das Gesundheitsbudget weitgehend übernommen hat. Er weist jedoch darauf hin, dass der Gesundheitssektor weiterhin mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat: „Die Sparmaßnahmen werden in den kommenden Jahren fortgesetzt und der Haushaltsrahmen könnte noch schwieriger und enger werden. Dies wird den Gesundheitssektor erheblich belasten.“
Die Ärztegewerkschaft BVAS ist weniger zufrieden. „Minister Vandenbroucke hat sich durchgesetzt“, sagte der BVAS-Vorsitzende Patrick Emonts: „Die 150 Mio. € an Einsparungen, die er den Ärzten in seinem Mandatsschreiben ohne jede Begründung auferlegt hat, sind damit Realität geworden.“ Darüber hinaus seien weitere Kürzungen für die Ärzte geplant.
