Am Dienstag haben zehntausende Demonstranten in den Straßen von Brüssel gegen die Einsparungen im belgischen Sozialsystem protestiert. Zwischen 80.000 und 100.000 Demonstranten waren dem Aufruf der Gewerkschaften und zahlreicher Sozialverbände aus dem Mittelfeld gefolgt und in die Hauptstadt gekommen. Doch für Schlagzeilen sorgte eine kleine Gruppe von Krawallmachern, die Zerstörungen anrichteten und die auf Konfrontation mit der Polizei aus waren. Wer waren diese Randalierer? Die Mitarbeiter des von ihnen angegriffenen Ausländeramtes bekommen inzwischen psychologische Hilfe...
Nationaler Aktionstag der Gewerkschaften: Wer waren die Randalierer, die die Großdemo in Brüssel störten?
Die Schäden am Sitz der belgischen Ausländerbehörde an der Pachecolaan waren kaum zu übersehen. Alle Fensterscheiben waren eingeworfen und die Fassade mit Parolen beschmiert. Auch andernorts kam es zu Zerstörungen und die Krawallmacher nutzten alles, was sie finden konnten, um Straßensperren aufzubauen. Bilder und Videos von Zusammenstößen zwischen diesen stets in schwarz gekleideten und maskierten Männern zeigen, dass sie auf Konfrontation aus waren.
VRT NWS-Reporterin Marjan Temmerman machte sich im Zuge der Großdemo auf die Spur der Randalierer und konnte mit einigen von ihnen sprechen: „Sie sagen, dass sie für die einfachen Leute da sind.“ Auffallend war zunächst, dass es sich bei ihnen in erster Linie um junge französischsprechende Männer zwischen zumeist 18 und 20 Jahren handelte. „Einige gaben an, dass sie für den Klimaschutz sind und gegen Faschismus“, so Temmerman weiter: „Die Gewerkschaften unterstreichen, dass diese Leute nichts mit ihnen zu tun haben.“
Extrem linke frankophone Gruppierungen?
Diese linksradikalen jungen Leute waren am Dienstag äußerst gut aufgestellt. Es gab eine ständige Kommunikation über soziale Medien und offenbar unterrichteten Beobachter die Angreifer punktgenau über die Bewegungen der Polizei. Nach Ansicht von Kollegin Temmerman stand die ganze Aktion wohl unter einem einzigen Kommando. Die VRT NWS-Factcheck-Redaktion fand heraus, dass die Krawalle von verschiedenen linksradikalen frankophonen Gruppen ausging.
Diese radikalen Gruppierungen sorgten auch sofort für juristischen Beistand, wenn einer der jungen Krawallmacher festgenommen wurde. Die Polizei nahm etwa 20 Krawallmacher fest und etwa eben so viele Randalierer wurden in Krankenhäusern nach Verletzungen medizinisch versorgt.
Am Dienstag meldete die Brüsseler Staatsanwaltschaft, dass 5 der gefassten Randalierer dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Ihnen wird vorgeworfen, am Yserplein ein Feuer gelegt zu haben, bzw. am Ausländeramt an Zerstörungen beteiligt gewesen zu sein.
Die Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde erhalten psychologische Hilfe
Die Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde an der Pachecolaan in Brüssel bekommen am Mittwoch, wenn sie es denn wünschen, psychologische Hilfe und Beratung. Während der Demonstration am Dienstag wurde das Gebäude dieses Amtes in Brüssel von maskierten linksradikalen Randalierern angegriffen.
44 Fenster wurden dabei eingeworfen, während das dortige Personal seine Arbeit verrichtete. Die Fenster sind inzwischen mit Holzpaneelen abgedeckt worden. Auch der Haupteingang ist durch die Zerstörungen unbrauchbar und wer jetzt dorthin gehen muss, wird durch einen Nebeneingang geleitet. Am Mittwochmorgen konnte das Amt seine Arbeit wieder aufnehmen und die Anträge auf Asyl können stattfinden.
Die Mitarbeiter sind sehr schockiert über das, was gestern passiert ist. „Es ist sehr seltsam, so hierher zu kommen“, sagt ein Mitarbeiter des Ausländeramtes gegenüber VRT NWS: „Aber wir können normal arbeiten. Wir haben sehr schnell gehandelt, um das Gebäude wieder ‚betriebsbereit‘ zu machen.“
