Zum Hauptinhalt springen
Inland
Politik

Heftige Einsparungen bei der Königlichen Akademie für Niederländische Sprache und Literatur: „Schwerer Schlag für das Niederländisch in Flandern“

Auch die Königliche Akademie für Niederländische Sprache und Literatur (KANTL) bekommt in Zukunft deutlich weniger Geld von der flämischen Landesregierung. Kulturministerin Caroline Gennez (Vooruit) wird einen großen Teil der Betriebsmittel kürzen: 2026 um 22 % und ab 2027 möglicherweise um 44 %. “Solche Einsparungen machen das Arbeiten und das Überleben für die KANTL unmöglich,“ so die Akademie in einer ersten Reaktion.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Letzten Sommer präsentierte die KANTL den erneuerten Kanon der niederländischsprachigen Literatur und Anfang Oktober wurde die erste Nacht des Niederländischen (Foto oben) mit dem „Großen Preis Martine Tanghe“ gefeiert, doch jetzt ziehen dunkle Wolken über der Königlichen Akademie für Niederländische Sprache und Literatur in Gent auf. Kulturministerin Caroline Gennez von den flämischen Sozialisten Vooruit hat beschlossen, dass die Betriebsmittel für die KANTL ab 2026 um 180.000 € (22 %) gekürzt werden. Ab 2027 folgt quasi eine Halbierung der Mittel um 360.000 € (4%).

“Solche Einsparungen machen den Betrieb und das Überleben der KANTL unmöglich. Die Entscheidung ist auch nicht an einen Audit, eine Bewertung oder an Inhalte geknüpft,” so die Akademie, die von den Zuschusskürzungen überrascht wurde: “Die KANTL wird alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die zusätzlichen Einsparungen ab 2027 abzuwenden, damit sie weiterhin ihre gesellschaftliche Mission erfüllen kann: Verfechter des Niederländischen, Motor der Leseförderung und Offenheit für Sprache, Literatur, Wissenschaft und Öffentlichkeit.“ 

Brückenbauer seit fast 140 Jahren

Die KANTL ist eigentlich ein unabhängiger multidisziplinärer Think Tank mit einer Handvoll Vorstandsmitgliedern und Mitarbeitern und vielen ehrenamtlich Engagierten: Linguisten und Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten. Ziel ist, die Stellung des Niederländischen in all seinen Varianten zu stärken und den Reichtum der literarischen Tradition zu fördern und zu unterstützen. Die KANTL wurde 1886 als Fürsprecherin des Niederländischen in Flandern und Belgien gegründet. Sie erfüllt eine Brückenfunktion zwischen Wissenschaft, Schriftstellern, politischen Entscheidungsträgern, Studierenden und der breiten Öffentlichkeit. Sie vernetzt dabei Universitäten, Hochschulen, Kulturerbe-Einrichtungen, Literaturorganisationen und Medien rund um Sprache, Literatur und Gesellschaft. 

Da die Lesefähigkeit bei den Jugendlichen besorgniserregend sinkt und die Anglisierung weiter zunimmt, investiert KANTL in Niederländisch als Motor für Chancengleichheit und als gemeinsame Sprache, die Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund verbindet: „Gerade deshalb ist es überraschend, dass die Landesregierung diese nicht voll unterstützt, sondern eher einschränkt.” Die KANTL verteidigt sich gegen die bevorstehenden Einsparungen: „Die Akademie entwickelte sich zu einem gesellschaftlich wichtigen Akteur, der sich auf Öffentlichkeitsarbeit und Bildung konzentriert." 

Soziale Debatte

Dies geschieht bei öffentlichen Veranstaltungen im „Huis van Oombergen“, dem Standort der KANTL in Gent. Mit pädagogischen Lernressourcen und der Plattform www.literairecanonindklasse.be engagiert sich die KANTL aktiv im Kampf für das Lesen, eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. 

Die KANTL organisiert Kolloquien, in denen Erkenntnisse aus Linguistik und Literatur (beispielsweise zur KI) einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden und verleiht außerdem Literaturpreise: „Die geplanten Einsparungen werden diese und andere Initiativen, die zu den Dekret-bezogenen Kernaufgaben des KANTL gehören, erheblich erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen.“ Die KANTL hat eine eigene Satzung 

KANTL-Sitz im „Huis van Oombergen“ in Gent

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5